Irgendwie war das immer so ein Gedankengang in meinem Kopf, wenn ich mir Gedanken über die Umsetzung eines Fotos gemacht habe, und dazu ein Blitzsetup erforderlich war: „Nimmst Du jetzt die großen Studioblitze ODER die kleinen Kompaktblitze dafür.“
Das waren für mich irgendwie immer getrennte Welten mit verschiedenen Vor- und Nachteilen.

Bei den Studioblitzensteht ja auf der „PLUS„-Seite vor allem eins:

  • POWERRRRRR.
    Portrait bei Blende 16 / ISO 100? – Kein Problem!
  • Die Möglichkeit, bei den Lichtformer auch die ganz großen Softboxen nutzen zu können. So eine 150er Octabox ist eben – je nach gefragtem Bildstil – besser als die 60x60er Kompaktblitz-Softbox.

Auf der „MINUS„-Seite der Studioblitze steht ganz eindeutig:

  • Die Abhängigkeit von Steckdosen (jedenfalls bei zwei meiner drei Studioblitze). Strom aus Steckdosen muss erstmal DA sein. Außerdem muss ich dann immer noch Verlängerungskabel und Mehrfachsteckdosen mitschleppen, die mir dann beim Fotografieren auch noch mehr oder weniger im Weg liegen.
  • Packvolumen und Gewicht: Große Blitze, große Lichtformer,  Mehrbedarf an Sandsäcken gegenüber den kleinen Kompaktblitzen….. und eben: viel großes Zeug = viel schwer.
  • unter Umständen ZU VIEL Power, selbst in der schwächsten Einstellung. Willst Du Blitzlicht in ein Foto einbetten, in dem das Umgebungslicht eine wesentliche Rolle spielt, kann zuviel Power auch mal ganz schön hinderlich sein.

Bei den Kompaktblitzgeräten steht auf der „PLUS„-Seite vor allem:

  • Portabilität. Klein, leicht, einfach mal schnell in der Fototasche verschwunden. Ein Traum.
  • AKKUBETRIEB. Keine Stromkabel mitschleppen und als Stolperfalle am Set auslegen.
  • kleinste Leistung abrufbar. Siehe beim letzten Nachteil der Studioblitze. 1/128-Leistung eines 50ws Kompaktblitzchens ist im Zweifel wenig genug.

Die Nachteile der Taschensonnen sind dann auch ganz klar. Im Prinzip die Umkehrung der Vorteile der Studioblitze:

  • Weniger POWERRRRRR:  Portrait bei Blende 16 / ISO 100?
    Öhm, ja, also, ohne Diffusor und aus 10cm Abstand geht das sowas von problemlos.
    Achso, mit Softbox und aus 2 Metern Distanz? Najaaaa…..
  • Richtig große Lichtformer? Naja, ein mittelgroßer Schirm geht ja noch. Aber eine wirklich große Softbox…..

Ungeachtet meiner schönen Auflistung der grundsätzlichen Vor- und Nachteile der verschiedenen Blitzlichtemittenten gilt natürlich: Ob ein grundsätzlicher Vorteil oder Nachteil eines Systems auch in der jeweiligen Situation ein Vorteil oder Nachteil ist, kommt eben sehr stark auf die Situation an. Wie immer.

Aber es wird deutlich: Studioblitze und Kompaktblitze sind völlig gegensätzliche Welten. Und deshalb waren sie auch irgendwie als getrennte Welten in meinem Kopf verankert. Bis ich neulich auf die eigentlich völlig naheliegende Idee kam, die Welten einfach mal zu kombinieren.

Etwas konkreter:

Bei dem Portrait meines Freundes Thorsten (über das ich hier schon mal kurz berichtet hatte) habe ich – für mich wirklich erstmalig – sowohl Studioblitze als auch Kompaktblitze zusammen eingesetzt.

anklicken für größere Ansicht

Wie ging das denn leistungsmäßig zusammen?

Mal umrechnen:
Das Hauptlicht [A], ein Studioblitz mit 500 ws Maximalleistung (bei Leistungsstufe 6) war auf Stufe 2 eingestellt. Der Blitz gab also gerade mal rund 31 Wattsekunden Lichtleistung ab:
Stufe 6 = 1/1 Leistung = 500 ws
Stufe 5 = 1/2 Leistung = 250 ws
Stufe 4 = 1/4 Leistung = 125 ws
Stufe 3 = 1/8 Leistung = 62,5 ws
Stufe 2 = 1/16 Leistung = 31,25 ws

Das Streiflicht [C], ebenfalls ein Studioblitz mit 500 ws war auf Leistungsstufe 3 eingestellt, nach der obigen Umrechnung also 62,5 ws.

Die beiden „großen“ Blitze bewegten sich in puncto Leistungsabgabe schon absolut in einem Leistungsbereich, der auch mit Kompaktblitzen gut möglich (bzw. knapp möglich) ist.

Die Kompaktblitze haben also auf voller Leistung geschossen, um da mithalten zu können?

Nein. Großes NEIN. Sogar „Weit gefehlt“.

Der als Aufhelllicht fungierende Kompaktblitz [B] war auf 1/32 Leistung eingestellt, der Spot auf dem Hintergrund [D] sogar nur auf 1/64 Leistung. Das würde, von einer Maximalleistung von 50ws ausgehend (Ja, ich weiß, dass ist von der Reflektorstellung etc. abhängig. Ich pauschaliere hier einfach mal kräftig.), bedeuten, dass das Aufhellicht nur rund 1,5 ws und der Spot auf dem Hintergrund gar nur 0,75 ws Lichtleistung hatte. Was – ganz am Rande – auch bedeutet, dass ich diese zwei Jobs gar nicht an Studioblitze hätte vergeben können.

Also doch wieder eine erhebliche Differenz in der Lichtleistung.
Wie kann es denn dann sein, dass das zusammenpasste?

Nun, zunächst mal musste das Licht der großen Studioblitze ja  noch durch je zwei Lagen Diffusorstoff der jeweiligen Softboxen. Das frisst ordentlich Leistung. Je nach Größe und Bauart können in so einer Box gut und gerne zwischen 1 und 3 Blenden Lichtleistung verloren gehen. Gehen wir hier einfach mal von zwei Blenden aus, würden beim Hauptlicht (wir erinnern uns: rund 32 ws Leistungsabgabe direkt am Blitzkopf) gerade mal noch 8 ws aus dem vorderen Diffusortuch austreten und die Reise zum Fotosubjekt antreten. Beim Streiflicht  wären es immerhin noch rund 16 ws. (Ja, ich weiß, weit weg von wissenschafltich exakter Herleitung. Aber hier geht’s ja nicht ums Millimeter******, sondern um eine praxisnahe Erläuterung des Grundsatzes.)

Außerdem sind die Studioblitze für die hellsten Lichter im Foto verantwortlich, und das auf großer Fläche. Das Aufhelllicht hingegen verhindert ja bloß, dass die vom Hauptlicht verursachten Schatten in tiefem Schwarz versinken. Und der Spot für den Hintergrund erhellt aus kurzer Distanz durch seine Wabe nur einen kleinen Bereich, und hebt diesen auch nur von tiefdunkelgrau auf nicht mal mittelgrau. Dass für diese jeweiligen Tätigkeiten nicht viel Licht nötig ist, versteht sich insofern eigentlich von selbst.

OK, also gut: Es passt.
Aber warum hast Du denn jetzt plötzlich „die Welten“ so gemischt?

Also das war so: Irgendwann zwischen dem achten und dem zehnten Espresso hatte ich eine Vision:
Ich stand auf einer grünen Insel inmitten eines großen Wassers, der Himmel teilte sich und eine Stimme sprach von den unentdeckten Wundern auf dem Gebiet der Licht-Emission…

JA, IST JA GUT. Ich hör ja schon auf.

Also….. es war eher….. tja….. wie soll ich sagen…. Bequemlichkeit.
Ja, tut mir leid, ich kann die Enttäuschung verstehen. Hochfliegender wissenschaftlicher Experimtentierwille kommt später, OK?

Also, ich hatte zuerst mit meinen großen Blitzen Hauptlicht und Streiflicht gesetzt. Dann mussten noch das Aufhellicht und der Hintergrundspot gesetzt werden. Und, naja, die Kompaktblitze lagen halt griffbereit, der letzte verbliebene Studioblitz lag noch in seinem Schrank im Keller. Am Ende – ich schrob es oben schon – hätte der mir auch gar nichts genutzt, weil seine Minimalleistung bei 12,5 ws liegt. Klar, ich hätte das Helligkeitsniveau des ganzen Setups erhöhen können und entsprechend die Blende am Objektiv weiter schließen müssen, dann wär’s gegangen. Aber wie ich schon sagte: Die Kompaktblitze lagen da, der andere war im Keller. Zwingenden Gründen muss man eben stattgeben… Und außerdem brauchte ich ja eh zwei und nicht nur einen.

Wie dem auch sei, am Ende hat die Geschichte aber dazu geführt, dass ich die beiden „Systeme“ jetzt deutlich mehr als sich gegenseitig ergänzende Dinge sehe. Und das Schreiben dieses Blogposts hat dazu geführt, dass ich doch ziemlich gestaunt habe, wie wenig Lichtleistung da tatsächlich im Spiel war. Was wiederum zeigt, dass die Auseinandersetzung mit einem Thema beim Bloggen wiederum für den Blogger einen vertiefenden Lerneffekt hat.

So, ich hoffe, Du konntest von diesem Blogpost was mitnehmen. Es würde mich freuen, von Dir eine Rückmeldung zu bekommen. Oder Deine Geschichte zu hören, wo es bei Dir einfach mal Klick gemacht hat, und Du erstmalig was ausprobiert hast. Und wie immer: Teilen gibt gutes Karma :-)…