Gutes Fenster, schlechtes Fenster

Ich maaag ja schon mal gerne diese Fotos, wo eine in einem Gebäude befindliche Person von außen durch eine Scheibe hindurch fotografiert wird. Das gibt dann so einen leichten Schleier, dann noch ein paar Reflexionen an den richtigen Stellen und schon ist ein tolles Foto fertig. Jedenfalls theoretisch.

In der Praxis erweist sich das aber mitunter als schwierig. Dann ist da nicht nur ein leichter Schleier, sondern die Scheibe ist von außen so milchig, dass man kaum durchschauen kann. Reflexionen treten in allen Farben und Formen auf, nur nicht in der gewünschten Art und Weise, dazu befinden sich noch an den unpassendsten Stellen. Und hast Du endlich eine Position gefunden, wo Du Schleier und Reflexionen im Griff hast, ist garantiert ein dicker Batzen Dreck auf der Scheibe, uns zwar genau vor dem Gesicht des Modells….. Was also tun?

Nach meiner bisherigen Erfahrung sind vor allem zwei Dinge wichtig.

Die Scheibe muss wenigstens halbwegs sauber sein, jedenfalls an den strategisch wichtigen Stellen

Das bedeutet im Zweifel, dass man – so man ein solches Bild plant – einen geeigneten Putzlappen und Trocknungstuch, etwas Wasser oder/und Glasreiniger im Gepäck haben sollte. Natürlich wäre im Zweifel auch ein OK des Scheibeneigentümers nicht schlimm, bevor Du Dich als Fensterputzer betätigst. Und nein, „Der soll sich mal nicht so anstellen, schließlich tu ich ihm da einen Gefallen“, gilt dabei im Zweifel nicht. Jedenfalls dann nicht, wenn Du nur 0,25 qm einer 2qm Scheibe reinigst. Das sieht dann nämlich anschließend auch nicht wirklich gut aus. Also bitte keine Guerilla-Scheibenputzung an fremden Scheiben….

Achte auf Deinen Hintergrund.

Damit meine ich nicht den Hintergrund hinter dem Modell. Auf den musst Du ja sowieso immer und ständig achten. Ich meine tatsächlich, dass Du auf das achten sollst, was sich hinter DIR als Fotografin/Fotograf befindet. Ist es dort eher dunkel wirst Du wenig Probleme mit einer überbordenden Milchigkeit der Scheibe und echt fiesen Reflexionen haben. Steht hinter Dir aber ein großes, helles Gebäude, das womöglich auch noch von der Sonne beschienen wird, oder ist einfach heller Himmel hinter Dir, wirst Du schwer zu kämpfen haben, überhaupt die Person hinter der Scheibe gut sichtbar zu machen. Such Dir im Zweifel ein anderes Fenster. Oder, wenn es doch unbedingt dieses Fenster sein muss, versuche den Hintergrund zu kontrollieren, indem Du z.B. eine Dritte Person einen großen dunklen Reflektor hinter Dir halten lässt.Auch Deine eigene Helligkeit ist von Bedeutung. Wenn Du nämlich helle Kleidung trägst und womöglich noch in der Sonne stehst, wirst Du Dein formschönes Abbild unweigerlich in voller Pracht in der Scheibe gespiegelt wiederfinden.Natürlich kannst Du Reflexionen auch völlig ausschließen, indem Du mit dem Objektiv ganz an die Scheibe herangehst. Das schränkt Dich dann aber so in der Bildkomposition ein, dass das meiner unmaßgeblichen Meinung nach kaum ein sinnvoller Ansatz ist. Auch ein Polfilter könnte nützlich sein, um Reflexionen zu beeinflussen.

Am Ende ist das – wie so oft – ein Spiel, bei dem es um Zentimeter und Winkel-Bruchteile in der Ausrichtung der Kamera zum Fensters geht. Was aus einem 90-Grad-Winkel der Kameraachse zur Scheibe hin total übel aussehen kann, ist nur einen Schritt weiter rechts oder links – verbunden mit einer entsprechenden Neuausrichtung der Kamera völlig in Ordnung. Da heißt es einfach mal wieder „Probieren geht über studieren“. Auch wenn man natürlich die Änderungen im Sucher bzw. auf dem Monitor ziemlich genau studieren sollte. Und übrigens empfiehlt es sich bei aller Konzentration auf den Look der Scheibe das Modell nicht völlig aus den Augen zu verlieren….

Am Ende habe ich mal ein paar Bildbeispiele für Dich:

Im Bild links – übrigens mit Miss Lauryi als Modell – siehst Du, wie sich ein (zu) heller Hintergrund auswirkt. Die Reflexionen sind (zu) stark und wirken meines Erachtens bereits störend. Man kann wunderbar das metallene Balkongeländer auf der Schulter des Modells erkennen. Und dass sich die Häuser auf der anderen Straßenseite nicht so richtig abzeichnen liegt nur daran, dass sich deren Spiegelbilder in dem Bereich befunden haben, wo der weiße Vorhang ist. Dieses Bild ist schon eines der Überlebenden aus der Serie – also eins, was ich als „noch OK“ eingestuft habe, weil zumindest die Augenpartie störungsfrei ist und nur den gewünschten leichten Schleier aufweist.

Die beiden anderen Bilder – hier ist als Modell Julia am Start – zeigen den Vorher-Nachher-Zustand bezüglich einer sehr punktuellen Reflexion. Im mittleren Foto sieht man das recht aufdringliche Spiegelbild einer Lampe, im Bild rechts ist diese Spiegelung verschwunden, obwohl ich weder die Lampe ausgeschaltet habe, noch die Positionen von Lampe zu Fenster veränderte. Was habe ich gemacht? Nun, ganz einfach: Gerade als ich auf diese aufdringliche Reflexion aufmerksam wurde, verschwand sie kurz, weil hinter mir jemand den Raum durchquerte. Das war Mella von Steckelwerk gewesen, die das Shootingevent, auf dem diese Bilder entstanden sind, maßgeblich organisiert hatte. Und freundlicherweise hat sie sich bereit erklärt, kurz an der genau richtigen Stelle stehen zu bleiben, bis ich die Fotoserie im Kasten hatte. So einfach kann es dann gehen.

Hier gibt es übrigens auch kaum eine nennenswerte Milchigkeit. Warum nicht? Ganz einfach: Diese Scheibe war komplett im Innenraum des Gebäudes, nämlich zwischen Bad und Wohnzimmer. Was daran liegt, dass die – jetzt bewohnte – Location mal eine kleine Industriehalle mit angrenzenden Büroräumen war. Dem Fenster fehlte übrigens auch einer der einzelnen Scheiben, es gab quasi eine Durchreiche zwischen Bad und Wohnraum. Für die Kommunikation mit dem Modell natürlich sehr praktisch…..

So, freut mich, dass Du wieder hier warst und bis zum Ende durchgehalten hast. Du bist aufs herzlichste eingeladen,  den Blogbeitrag mit allen Freunden, Feinden und Kollegen zu teilen, die das Thema hier interessieren könnte oder die Du damit quälen willst ;-).

Homeshooting mit Fensterlicht

Tach auch. Ich habe eben nochmal den Lightroom-Katalog durchwühlt und bin da bei einem schon etwas älterem Foto von Christin hängen geblieben. Ich hatte das damals beim Durchsehen direkt schon markiert, aber irgendwie ist das dann durchgegangen. Eigentlich kein Wunder, denn das Shooting war sehr ergiebig gewesen.
Jenes Foto hatte ich im Zuge eines Homeshootings bei ihr aufgenommen, zu dem wir uns verabredet hatten. Es ist ein Foto aus der Aufwärmphase eines rund vierstündigen Shootings, bei dem wir uns verabredeterweise vornehmlich dem Bereich der Boudoirfotografie gewidmet hatten (hier hatte ich dazu mal berichtet: „Ich hole dann mal die Handschellen…“). Und wie das halt so setzten sich auch hier Model und Fotograf erstmal über ’nen Kaffee zusammen und  besprachen die grundlegenden Bildideen. Und dann haben wir zum Warmwerden einfach mal ein paar simple Portraits gemacht. Die Serie, der das Foto dieses Blogbeitrags entsprang, fand somit keine 1.2 Meter von den Kaffeetassen entfernt statt. Christin stand mit der Hüfte an den Küchentisch gelehnt, und ich lehnte am Kühlschrank. Die perfekte Ausleuchtung übernahm das dankenswerterweise an der genau richtigen Stelle im Haus eingelassene große Küchenfenster.

Et voilá: Fertig ist ein grandioses (und grandios einfaches) Foto, welches im Wesentlichen von Christins Talent für einfache und zugleich ausdrucksstarke Posen und eben dem Fensterlicht lebt.

Hier noch einmal das ganze Foto in all seiner Pracht, bei dem man dann auch sieht, was ich mit „der genau richtigen Stelle des Fensters“ meine: Durch die Größe des Fensters und ihre Nähe zur Lichtquelle – sie war nur ca. 70cm vom Fenster entfernt – sind die Übergänge von Licht zu Schatten superweich. Wie Du siehst kommt das Licht von rechts. Aus meiner Fotografensicht kam es sogar im Winkel von 90 Grad von rechts. Da aber Christin zur Lichtquelle hin eingedreht ist, erwischt das Licht sie in einem sehr vorteilhaften ca. 45 Grad Winkel. Und ganz wichtig: Ihre Schattenseite liegt auf der Kameraseite. Das sorgt für eine Betonung der Konturen und vermeidet eine flache Ausleuchtung.

Vielen Dank für Deinen Besuch in meinem Blog. Wenn Du es hier gemütlich gehabt hast, komm doch gerne wieder und bring ein paar Freunde mit 😉 ….

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Minimalinvasives Familienshooting…

Moin zusammen.

Ich war kürzlich wieder einmal in Sachen Familienfotografie unterwegs, und hatte die Ehre ein paar Fotos für eine Familie mit einem Kindergartenkind und einem wenige Wochen alten Säugling zu machen. Wie (fast) immer fand das Shooting bei der Familie zu Hause statt. Das heißt: Fotostudio ins Auto packen, rüberfahren, und dann – ganz wichtig – erstmal umschauen, welche fotografischen Gelegenheiten sich denn vor Ort ergeben. Dann erst Sachen aus dem vollgepackten Auto holen, und zwar ganz gezielt nur die, die ich auch wirklich brauche.

Hintergrundsystem? Hab ich nicht gebraucht, weil die vorhandenen weißen Wände des Wohnzimmers mit den vorhandenen weißen, leicht transparenten Vorhängen einen schönen neutralen Hintergrund boten. Wir haben einfach nur den Wohnzimmertisch ein Stück beiseite gerückt, über eine Couch ein Stück meines weißen Moltons geworfen, und schon war in einem wirklich nicht gerade supergroßen Wohnzimmer eine ganz neutrale, unaufdringliche Foto-Location entstanden, die trotzdem noch wohnlichen Charakter hatte. Das mag ich gerade für Familienfotos sehr. Da ist mir nämlich die Neutralität eines Studiohintergrundes gerne auch mal ein bißchen zu steril. Und außerdem blieb mir der Kampf mit potenziellen Falten im Stoffhintergrund erspart.

Studioblitze? Habe ich auch nicht gebraucht. Alle Fotos, wo Blitz zum Einsatz kam, wurden mit einem einsamen Aufsteckblitz + großem Durchlichtschirm (120cm) erledigt. Die Komination lieferte mir bei 1/4-Leistung genug Power, um die vierköpfige Familie auf der Couch mit Blende 5.0 / ISO 800 zu fotografieren. Blende 5.0 gab mir bei den mittleren Brennweiten genug Schärfentiefe für die ganze Familie, und so ein Aufsteckblitzchen auf dem Stativ ist schon rein vom Gewicht her um Welten einfacher zu handhaben, als ein dicker Studioblitz. Vom fehlenden Stromkabelgewirr mal ganz zu schweigen.

Und ja, ich weiß: „Warum denn ISO 800 und den Blitz auf 1/4? Das wär doch auch mit ISO 200 und Blitz auf 1/1 gegangen.“ Stimmt. Wäre gegangen.

ABER außer für 200%-Pixel-Peeper sieht ISO 800 an einer aktuellen Kamera genau so gut aus, wie ISO 200, da mache ich mich bei meiner D800 nun wirklich absolut keine Gedanken. Durch die reduzierte Leistungsabgabe beim Blitz hatte ich aber eine erheblich schnellere Ladezeit bzw. Blitzfolgezeit, und DAS war mir dagegen wirklich wichtig. Gerade wenn Kinder mit im Spiel sind, können nämlich auch mal schnellere Fotosalven angebracht sein.

Das gibt dann z.B. Ergebnisse, wie das hier links. Schön offen und weich ausgeleuchtet von einem einzelnen Blitzchen. Und ein richtig echtes Familienfoto: Die kleine Maus knatscht etwas vor sich hin, und der ganze Rest der Familie schaut rüber und versucht sie aufzuheitern. Richtig aus dem wirklichen Leben und kein „Jetzt-schau-doch-mal-in-die-Kamera-und-lächel-mal-schön-Foto“. Gut, auch die braucht man natürlich, und die haben wir natürlich auch an diesem Tag fotografiert, aber ich finde SOLCHE Fotos hier, wo die Interaktion in der Familie auf dem Bild sichtbar wird, eigentlich viel schöner.

Ein Großteil der Fotos entstand sogar mal wieder ganz schlicht und ergreifend mit Fensterlicht. Wie das Foto hier, dass auch das Beitragsbild geworden ist:

Einfach die Mutter mit ihren beiden Kindern vor einem großen Fenster im langen Flur des Hauses platziert und mit 100mm Brennweite aus der Küche heraus fotografiert. Ich brauchte aufgrund der weißen Wand gegenüber vom Fenster (ca. 1m jenseits des rechten Bildrandes) nicht mal einen Aufheller für die Schattenseite. Und zur Aufhellung der Kinder reichte das weiße Oberteil der Mutter. Das Leben kann ja manchmal so einfach sein. Kein Kampf mit Blitzladezeiten, kein Kampf mit irgendwelchen Blitzsynchronzeiten, sondern einfach nur die Familie, eine Kamera und los geht’s.

Von genau dieser Stelle gibt’s dann auch noch einen weiteren, kleinen Lernpunkt mitzunehmen: Selbst kleine Änderungen des Blickwinkels vom Fotograf auf die Person können zu ganz krassen Unterschieden im Bildergebnis führen.

Schaut mal hier:

Im Bild links wird der Hintergrund vom Fensterrahmen und den weißen, transparenten Vorhängen gebildet.
Und dann bin ich einfach einen Schritt nach links gegangen, weshalb ich bei unveränderter Position der Mutter die Kamera leicht nach rechts geschwenkt habe. Folge: Fensterrahmen und Vorhänge bildeten nicht mehr den Hintergrund, sondern die Wände des unbeleuchteten Flures (siehe Bild oben rechts).
Ergebnis: Ein ganz anderes Bild mit nur einem Schritt nach links.

Also: Wenn ihr irgendwo „On Location“ seid, schaut euch genau um. Wo kommt Licht her? Was bieten sich für Möglichkeiten an? Wie könnt ihr den Aufbauaufwand und Materialeinsatz möglichst gering halten? Und wenn ihr dann fotografiert, ändert mal geringfügig euren Blickwinkel. Ihr könntet möglicherweise mit minimalstem Aufwand den Output einer Location verdoppeln.

Im Ergebnis hatte ich – wie immer –  für den Fall der Fälle alles (na gut, FAST alles), was das heimische Fotozeuchmateriallager her gab, ins Auto geladen aber nur einen Bruchteil davon wirklich gebraucht. So konnte ich an diesem Tag innerhalb von rund 3 Stunden ohne große Materialschlacht eine ziemliche Vielfalt an Fotos erstellen – ich habe in der Tat bloß ein (also: 1) Galgenstativ mit Aufsteckblitz, Funkauslöser und Schirm und natürlich meine Kamera mit 3 verschiedenen Objektiven benutzt. Hätte ich erstmal noch das Hintergrundsystem aufgebaut, hätten wir erstmal noch mehr Mobiliar aus dem Wohnzimmer räumen müssen, womöglich noch einen Blitz zur Aufhellung des Hintergrunds gebraucht, tendenziell aufgrund der räumlichen Verhältnisse noch Probleme mit der sauberen Trennung der Hintergundbeleuchtung von der Beleuchtung der Familie gehabt und so weiter…  Unterm Strich hätte mir auf jeden Fall deutlich weniger Zeit zum Fotografieren zur Verfügung gestanden.

So aber war es ein ziemlich minimalinvasives und auch dadurch erfolgreiches Shooting.
Bis bald.