66 Fotoshootings in 16 Stunden – Posing von Gruppen

Willkommen zurück.

Nachdem ich hier etwas zu den Hintergründen und dem grundsätzlichen Workflow geschrieben und hier noch ein paar Worte zur fotografischen Technik verloren hatte, komme ich heute mal zum Thema „Posing von Gruppen“. Solltest Du erst mit dem heutigen Artikel einsteigen, empfehle ich zum besseren Verständnis der Gesamtsituation die beiden verlinkten Beiträge als Grundstudium ;-).

Neben dem ganzen Workflow und fototechnischen Schnick-Schnack war das Posing jeder Gruppe (es waren ja überwiegend Kleingruppen in Form von Familien) eine der wesentlichen Herausforderungen dieses Fotomarathons. Also sollte ich hierzu auch ein paar Worte verlieren:

Was ist das „Posing einer Gruppe“

Mit dem Begriff meine ich die Anordnung der Personen im Raum. Jeder, der schon mal eine Familie oder sonstige Kleingruppe fotografiert hat, wird das wohl kennen: Bittet man einige Leute, sich zu einem Gruppenfoto aufzustellen, stellen sich alle brav in eine Reihe. Oder sie formen mehr oder minder gebogenen Halbkreis. Alle stehen dabei frontal zur Kamera und lassen ordentlich Platz zum Nachbarn.

Oder sie bilden einfach einen völlig chaotischen Haufen.

Wenn man sowas dann einfach fotografiert, ist das kein Gruppenbild; das ist vielmehr fotografische Körperverletzung. Bestenfalls ist es ein Bild von mehreren sich zufällig zur gleichen Zeit am gleichen Ort aufhaltenden Menschen, die im Übrigen scheinbar nichts miteinander zu tun haben.

Da ist man als Fotograf absolut gefragt, die Menschen sinnvoll und zugleich optisch gefällig zu positionieren. Und es gibt ein paar Dinge oder Anhaltspunkte, die einem dabei helfen können:

1.    KEINE LÜCKEN

Die Leute müssen echt auf Tuchfühlung gehen. Sobald man zwischen Ihnen durchschauen kann, ergibt sich im Foto eine deutliche optische Absonderung der Personen voneinander, was dem Eindruck der Zusammengehörigkeit entgegen läuft. Und zwar selbst dann, wenn die Leute das Gefühl haben, schon ‚eng‘ zusammengerückt zu sein.

Das Problem ist halt, dass wir Menschen üblicherweise nur in Ausnahmefällen und nur an uns sehr nah stehende Personen heranrücken. Das ist zwar bei Familien (hoffentlich) ein typischer Normalzustand, aber man ist ja nun auch innerhalb einer Familie nicht ständig in Kuschellaune. Insbesondere bei solchen Temperaturen wie an jenem Wochenende (jenseits von 30 Grad Celcius) und in zusätzlicher biedermeierlicher Kleidung  und/oder wenn es gerade mal keine Familie oder enge Freunde, die da zusammen standen, sondern vielleicht „nur“ Nachbarn oder andere Bekannte. Dass sich da im ersten Anlauf Lücken ergeben, ist völlig normal und verständlich.

Auf dem Foto wird dann aber selbst ein kleiner Abstand zur visuellen Barriere zwischen den Menschen.

Und diesen Unterschied zwischen der Wahrnehmung der Abstände im echten Leben gegenüber der Wahrnehmung von deren Abbildung in einem Foto muss man dann ganz einfach mal vermitteln und klarstellen. Damit kann man dann in der Regel alle Lücken schließen.

2.  WAAGERECHTE LINIEN VERMEIDEN

Damit meine ich jetzt nicht die Deckenlinie des Raumes im Hintergrund, die dürfen (sollten) ruhig gerade sein. Ich meine vielmehr eine „Aufreihung“ von Köpfen auf gleicher Höhe von links nach rechts. Das lässt eine Gruppe immer sehr statisch wirken und entspricht einfach zu sehr dem Klischee vom mal eben geknipsten „stellt-euch-mal-dahin“-Familienfoto.

Seht zu, dass ihr die Köpfe eurer Gruppenbildteilnehmer irgendwie in aufsteigende Linien gruppiert bekommt. Eine schräge Linie hat nämlich einfach schon mal mehr Dynamik als eine waagerechte, und das ist dann schon mal ein Fortschritt.

3.  DREIECKE BILDEN

Besser noch als schräge Linien: Versucht, Dreiecke zu bilden. Dreiecke haben in Bildkompositionen nämlich die angenehme Eigenschaft, dass der Blick des Betrachters im Bild hängenbleibt, weil die drei Punkte den Blick immer wieder einander zuleiten. Auf einer Linie (auch eine schrägen) kann der Blick immer sehr schnell aus dem Bild gleiten, bei Dreiecken hingegen bleibt der Blick dagegen mit Sicherheit hängen.

Klingt etwas hochtrabend und esoterisch? Das kann sein, aber es ist nachweislich der Fall („Klingt zwar komisch, ist aber so….“). Wikipedia sagt außerdem, Dreiecke seien ein altbekanntes Stilmittel in der Malerei und habe eine ordnende und harmonisierende Funktion.

Ein Dreieck zu bilden ist natürlich immer recht leicht, wenn ich drei Personen habe. Der oder die Größte kommt in die Mitte dann eine(r) links und eine(r) rechts davon, fertig ist mein Dreieck bei einer Dreiergruppe. Oder ich setze bei einer dreiköpfigen Familie die Mutter auf einen schräg zur Kameraachse stehenden Stuhl, stelle den Vater hinter die Sitzfläche und  das Kind in die Lücke zwischen Stuhl und Vater. Et Voilá: Ein Dreieck. Siehe nebenstehendes Bild.

 

 

Aber was mache ich bei einer Gruppe von fünf oder sieben Personen? Oder bei einer geraden Anzahl?

Ganz einfach: Entweder versuche ich, ein großes Dreieck zu bilden, indem ich die Ankerpunkte mit markanten Personen besetze und „den Rest“ auf den Linien dazwischen unterbringe, oder ich Bilde einfach mehrere Dreiecke.

Und das funktioniert dann auch mit einer geraden Anzahl von Leuten.  Hier mal ein paar Bildbeispiele mit Gruppen von vier, fünf und sechs Personen, bei denen ich die Dreiecke mal eingezeichnet habe.

OK, also einfach nur Linien und Dreiecke, ja?

Naja, nicht wirklich. Ob und wen ich jetzt zum Beispiel auf den „Posing-Stuhl“ gesetzt habe, hing auch sehr wesentlich davon ab, ob kräftige Größenunterschiede zu beachten waren. Oder ob ein Kleinkind bzw. kleineres Kind mit von der Partie war, das auf einem Schoß untergebracht werden musste, weil es

  • noch nicht selber stehen konnte,
  • oder selbststehend viel zu klein gewesen wäre
  • oder sich auf Mamas oder Papas Schoß einfach viel wohler fühlt (und zudem auch nicht so einfach aus dem Bild verschwinden konnte…).

Farben waren auch so eine Sache. Bei einer größeren Gruppe habe ich natürlich nach Möglichkeit auch  darauf geachtet, dass nicht zwei Personen mit dunkler Kleidung direkt neben- oder voreinander stehen. Das war also auch ein Einflussfaktor.

Und nicht zuletzt wollten wir  den Herren der Schöpfung nicht noch das Anziehen einer langen Hose aufnötigen – von der Passform-Problematik mal ganz abgesehen. Vom Hosenbund an aufwärts waren die Herren also in der Regel stilecht biedermeierlich gekleidet. Unterhalb des Hosenbunds waren Shorts und haarige Männerbeine die Regel. Auch deshalb stehen die Herren der Schöpfung in den Fotos dieses Wochenendes so ziemlich immer hinter jemandem. Schau nochmal das Foto mit der dreiköpfigen Familie weiter oben an. Dass das Kind und die sitzende Mutter des Vaters Beine verdecken, war nicht nur der heroischen Suche nach einer Dreieckskomposition geschuldet. Sehr wesentlich war dabei auch der Wunsch, keine haarigen Beine im Bild zu haben…

Du siehst, es gab da so einige Einflüsse auf die Sortierung der Leute im Foto.

War dann das Posing unter Dach und Fach, ging es darum, die Leute ein wenig aus der Reserve zu locken.

Und genau das Thema schiebe ich jetzt schon seit dem ersten Beitrag dieser kleinen Reihe vor mir her. Aber da hier die 1.000 Worte-Marke auch schon wieder überschritten ist, bin ich so frei, noch ein weiteres Mal zu schieben. Tut mir leid, wenn Du im heutigen Beitrag fest mit diesem Thema gerechnet hattest. Das ist aber – so fürchte ich –  auch wieder nicht in drei Sätzen abgehandelt. Und einen Blogpost mit 2.000 Worten möchte ich dann doch niemandem zumuten.

Also: Im nächsten (und letzten) Teil dieser Reihe geht es dann wirklich um die Animation der zu Fotografierenden. Versprochen.

Bis dahin vielen Dank für Deine Ausdauer und Dein Interesse an meinem Blog. Es würde mich über alle Maßen freuen (nein, das ist nicht ironisch gemeint), wenn Du den Blog in Deinen sozialen Netzwerken teilst und so neue Leser hierher führst.

Bis bald!

Update: Der nächste Folgeartikel ist inzwischen online. Hier geht es weiter…

Theorie und Praxis: eine Fotocollage

Moin. Kennst Du das auch? Da hat man mal in den unendlichen Weiten des Internets eine coole Idee für ein Foto gesehen. Man macht sich daran, die Idee selber umzusetzen. Und obwohl man schon beim Shooting selber sieht, dass die Umstände vor Ort nicht ganz ideal für das gewünschte Ergebnis sind, macht man trotzdem weiter. Schließlich will man das ja mal ausprobieren…

Es ging dabei um Folgendes: Ich hatte eine Fotocollage gesehen. Die Mitglieder einer Familie haben sich in unterschiedlichsten Besetzungen und Posen in einen festen Rahmen gestellt und sind darin fotografiert worden. Die dabei entstandenen Einzelfotos hat der Künstler dann in einer Anordnung von – ich glaube – 3 Reihen á 6 oder 7 Bildern zu einem Gesamtbild zusammengefügt.

Sah cool aus – wollte ich auch mal machen – und habe ich jetzt gemacht, siehe oben.

Und ich habe dabei viel gelernt!
Der Fachbegriff dafür heißt, glaube ich, „Lernen durch Schmerz“. Im konkreten Fall war es der Schmerz stundenlanger Arbeit in Photoshop, die erforderlich wurde, um die Problemchen auszukurieren, die die für diese Fotocollage suboptimalen Gegebenheiten vor Ort so mit sich gebracht haben.

Als da wären:

Der Hintergrund

Der Hintergrund ist, wie oben ersichtlich, eine gefrostete Glastür. Durch diese konnte man natürlich die Helligkeitszonen des dahinter liegenden Raumes als Umrisse oder Schemen erkennen. Mit anderen Worten der hinter der Tür stehende Esstisch war als dunklelbrauner Fleck erkennbar, der Fussboden als hellbraune Fläche und so weiter. Deshalb war sofort klar, dass ich hinter der Tür einen eigenen Hintergrund aufbauen und beleuchten musste, um die Einflüsse des Raums hinter der Tür auszublenden.
Also – so war der Plan – schnell ein Stück weißes Molton aufgehängt und mit einem Blitz von hinten durchleuchtet, und schon sollte mein gleichmäßiger Hintergrund fertig sein.

Soweit die Theorie.

Aufgrund der räumlichen Verhältnisse – die Tür war in einem kleinen Wandstück eingebaut, das zu den angrenzenden Wänden im 45-Grad-Winkel stand – konnte ich aber mein richtiges Hintergrundsystem nicht aufstellen, sondern musste hilfsweise ein Galgenstativ nehmen.

Dankenswerter Weise war das stabil genug für diese Aufgabe. Man glaubt ja gar nicht, was so ein Stückchen Stoff für eine Belastung sein kann… aber es ging. So gerade.

Dann musste der Hintergrundstoff natürlich noch sehr nah und exakt von hinten an die Türe herangelegt werden, weil man sonst im unteren Bereich der Tür den Holzfussboden gesehen hätte.

Nunja, alles etwas fummelig, aber machbar. Und vor allem ohne Nachwirkungen in Bezug auf spätere Bildverarbeitung.

Nächstes Problem: Nicht gerade „unendliche Weiten…“

Auf der anderen Seite Tür, dort, wo schließlich die Bilder entstehen sollten, war natürlich der Flur. Und so ein Flur ist in einem normalen deutschen Einfamilien-Reihenhaus ja schon mal nicht unbedingt ein Ballsaal. Mit anderen Worten: Da war so gut wie kein Platz. Und deshalb hockte oder kniete ich mehr oder weniger direkt vor einer Wandecke unterhalb meines Hauptlichts und hatte dort vielleicht gerade mal einen knappen Meter Distanz zur Tür und zu meinen Fotosubjekten.

Warum war das ein Problem?

Nunja: Erstens musste ich mit einem extremen Weitwinkel arbeiten, um überhaupt den ganzen Türrahmen + Boden auf das Foto zu bekommen. Das zog dann dank des hochkantigen Aufnahmeformats den Türrahmen und die Familienmitglieder teils deutlich in die Länge. Besonders die am unteren Bildrand gelegenen Füße….

Zweitens war nicht daran zu denken, ein Kamerastativ aufzustellen, um die Perspektive der Kamera auf die Tür festzunageln. Das hätte ganz einfach nicht gepasst.

Das Ergebnis:
Mangels festgezurrter Kameraposition hatte ich Schwankungen im Bildwinkel, die – bedingt durch die extreme Brennweite – teils zu deutlich unterschiedlichen Bildanteilen von Fußboden zu Türrahmen führten. Gerade beim starken Weitwinkel wirken sich ja schon kleinste Änderungen im Bildwinkel ziemlich krass aus.

Daher musste ich zunächst einmal für jedes Bild einzeln die Perpektivkorrektur vornehmen, damit der Türrahmen nachher horizontal und vertikal auch schön gerade war. Das sollte zwar in der Theorie die Upright-Funktion von Lightroom vollautomatisch erledigen können, aber das ist eben auch nur eine Theorie…. Da war nix mit flächendeckender Automation oder dem Übertragen von Einstellungen, sondern es hieß „jedes Bild bitte einzeln zur manuellen Korrektur antreten“

Dann musste ja in der Collage der Türrahmen möglichst immer auf der gleichen Höhe enden. Aufgrund der Schwankungen der Kameraposition und -ausrichtung war das aber eben nicht automatisch der Fall. Und ich konnte ja auch nicht einfach an der Unterkante des Türrahmens schneiden, weil ich dann den Leuten ja ständig die Füße amputiert hätte. Ein bißchen Fußboden brauchte ich also schon. Und folglich musste ich die Türrahmen- und Fußbodenanteile jedes Bildes unabhängig voneinander von Bild zu Bild angleichen.

Teilweise hatte ich zu viel Boden, dann wurde der geschnitten und/oder gestaucht, was den durch das Weitwinkel lang gezogenen Füßen im Einzelfall sicherlich gut tat. Aber natürlich durfte nur der reine Fußbodenteil gestaucht werden, denn der Türrahmen musste ja die an den Nachbarbildern ausgerichtete Länge behalten.

Teilweise hatte ich aber auch zu wenig Boden. Also raus mit dem Kopierstempel und anderen Clone-Werkzeugen und fröhlich Fliesenfußboden hinzu erfunden… Und weil öfters mal keine frei sichtbare Fuge im richtigen Winkel verfügbar war, kann ich jetzt auch richtig gut mit der Winkeleinstellung im Kopierstempel-Werkzeug umgehen…

Unterm Strich bedeutete das Zusammenstellen der Collage lockere 8 bis 10 Stunden Photoshop-Arbeit.
Die Quintessenz des Ganzen:

Sowas mache ich nur nochmal bei optimalen Bedingungen.

Das heißt:

  1. Es ist genug Platz für ein Kamerastativ. Das ist – glaube ich – das Wichtigste: Perspektive festnageln!!! Dann kann man nämlich nachher einmal(!) in einem Bild die nötigen Perspektivkorrekturen vornehmen und diese auf alle anderen Bilder übertragen. Mit anderen Worten: Schon bei der Aufnahme schaffe ich die Voraussetzungen, damit ich es bei der Bildverarbeitung später einfacher habe.
  2. Es ist genug Platz, um mit einer mittleren Brennweite zu arbeiten. Kein Problem mehr mit Weitwinkel-Verzerrungen in Form von langen Füßen. Am besten gleich eine Festbrennweite, damit man direkt auch ein versehentliches Verstellen der Brennweite ausschließen kann.
  3. Ich habe idealerweise einen vollständigen (=vierseitigen) Rahmen, in den sich die Leute komplett hereinstellen können. Das eliminiert das Fußboden-Problem vollständig. Kein Strecken oder Stauchen von Bildanteilen mehr, damit der Türrahmen auf allen Bildern an gleicher Stelle endet. So kann ich schon in Lightroom genau auf die äußeren Kanten des Rahmens schneiden, und die Bilder vor der Verarbeitung zur Collage in Photoshop mit festgelegter Bildhöhe exportieren, und schon sind alle Einzelfotos automatisch exakt gleich hoch.

Damit sollten dann alle Bilder weitestgehend automatisiert verarbeitbar sein und die gleichen Abmessungen haben. Damit müsste ich es dann beim Zusammensetzen zur Collage auch bedeutend(!) einfacher haben – denke ich mir. Werde ich bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit herausfinden.

Bis bald.

S/W-Challenge Teil 5 von 5 – DAS FINALE

So, also das hätten wir dann ja mal geschafft. Ich möchte mich denn auch erstmal bei allen bedanken, die sich jetzt jeden Tag auf den Weg zu meinem Blog gemacht haben, um ein weiteres SW-Foto und ein paar begleitende Worte zu konsumieren. Vielen Dank! Und ich hoffe, ihr schaut auch weiterhin immer mal wieder bei (nicht: an) mir vorbei und helft mit, der Welt da draußen von der Existenz diesen kleinen Blögchens zu berichten…

Wie immer noch kurz für die Leute, die sich jetzt nach den ersten paar Zeilen heftig am Kopf kratzen, weil sie erst jetzt auf diese Serie stoßen und sich fragen, was denn wohl hier gerade verarbeitet wird: Es geht um die S/W-Challenge. Ein paar erläuternde Worte dazu finden sich in Teil 1 der Serie. Bitte hier klicken für Erleuchtung.

So, nun aber zum letzten Bild der SW-Challenge:

Nachdem in den Teilen 1 bis 4 sowohl die Themenbereiche Hochzeit, Portrait und Landschaft dran waren, fehlt noch ein fotografischer Bereich, in dem ich mich vor allem anderen tummele – Familienportraits. Und da gibt es eine Art von Familienportraits, die sich unter meiner Kundschaft großer Beliebtheit erfreuen, nämlich diese Profilmontagen (so nenne ich das jedenfalls).

Das obige Bild war sozusagen für mich der Prototyp dieser Art Familienfoto, also das erste Mal, dass ich so eine Art Portrait ausprobiert habe, nachdem ich etwas Ähnliches im Internet gesehen habe. Vier weitere habe ich davon inzwischen gemacht, auch von meiner eigenen Familie hängt so ein Portrait bei uns zu Hause an der Wand. Über die Entstehung dieses Familienportraits habe ich hier in meinem Blog auch schon mal eine eigene kleine Serie geschrieben. Hier mal der Link zu Teil 1 der „damaligen“ Serie.
SO. Das war es dann also mit der SW-Challenge. Eigentlich eine sehr schöne Sache, vor allem, weil ich SW als Bildstil sehr mag. Ich hoffe aber doch, dass nicht als nächstes eine Sepia-Challenge oder eine Colorkey-Challenge um die Ecke kommt, da müsste ich dann vermutlich … laufen gehen.
Vielen Dank nochmal für’s fleißige Lesen, und bitte helft mit, die Bekanntheit dieses Blogs zu steigern, indem ihr die Social-Media-Buttons gleich hier unten am Ende des Blogposts fleißig benutzt. Es würde mich sehr freuen.
Bis bald!

Gruppenfoto

Das Gruppenfoto. Zwingender Bestandteil so ziemlich jeder Familienfeier, Hochzeit oder sonstigen privaten Anlässen. Zwei Umstände begleiten so ein Gruppenfoto eigentlich immer: Das Foto selber ist begehrt, die Teilnahme an seiner Erstellung ist eher unbeliebt. Irgendwie widersprüchlich, oder? Dabei aber völlig normal, wenn man sich die beiden Punkt mal isoliert anschaut:

Das Foto an sich ist begehrt.

Nahezu jeder möchte es haben, als Erinnerung an den Tag oder den Anlass, um es an die Wand zu hängen oder um es in einem Album aufzubewahren. Vielleicht auch, um es später den Kindern oder Enkeln zeigen zu können: „So war das damals.. Das hier war Tante Else, und so hat mal Dein Onkel Jürgen ausgesehen“ (*allgemeine Erheiterung*). Es sind Ankerpunkte für Erinnerungen an den Tag, den Anlass und an die Teilnehmer. Insofern sind das wichtige Fotos, um die schlichweg niemand herumkommt.

Die Teilnahme an der Fotoerstellung ist eher unbeliebt.

Die aktive Teilnahme an der Erstellung eines Gruppenfotos ist eher weniger beliebt. Das ist an und für sich auch verständlich: Da hat man sich gerade mit einem kühlen Getränk im Schatten niedergelassen und prompt ertönt der Aufruf zum Gruppenfoto. Oder man möchte gerade mit Freunden oder Verwandten schwatzen, die man schon viel zu lange nicht gesehen hat, und dann soll man sich da ‚irgendwo‘ hinstellen, damit ein Gruppenfoto gemacht wird.

Hat man sich dann aufgerafft und steht dichtgedrängt in einer kleinen Menschenmasse – es ist im Zweifel ohnehin viel zu warm – will der Fotograf auch noch, dass man noch enger zusammenrückt, weil er angeblich irgendwo ein Loch in der Menge entdeckt hat. Und der Typ findet einfach kein Ende. Der hat doch jetzt schon mindestens 5 mal abgedrückt.

Ich. Will. Zurück. Zu. Meinem. Bier/Wasser/Kaffe/Whatever! In. Den. Schatten!

Wie gesagt: Völlig verständlich.

Die Sicht des Fotografen:

Die Begeisterung von Fotografen über die Anfertigung klassischer Gruppenfotos der Marke „stellt euch mal dahin“ ist in aller Regel umgekehrt proportional zur Menge der Teilnehmer.

Denn es ist eine ziemliche Herausforderung, eine Gruppe von sagen wir mal 50 Menschen in Position zu bringen, dabei darauf zu achten, dass möglichst alle in die Kamera schauen können und nicht etwa nur auf den Hinterkopf der Person vor ihnen, dass möglichst alle bei der Sache bleiben, und dabei noch Bildausschnitt, Belichtung, Lichteinfall, Fokus und vielen andere Dingen möglichst zeitgleich uneingeschränkte Aufmerksamkeit zu widmen.

Mit anderen Worten: Es ist einigermaßen unmöglich, allen Bestandteilen die gebührende Aufmerksamkeit zu widmen. Irgendjemand hat garantiert im entscheidenden Moment die Augen geschlossen, gähnt gerade, ist abgelenkt oder macht Faxen.

Hilft aber nix. Kreativität ausleben kann man später; dieses Foto hier wollen sie später alle (naja, wenigstens viele) haben, also muss es so gut wie nur irgend möglich werden.

Was also tun?

1. Vorbereitet sein
Gut, vorbereitet sein (bzw.: gut vorbereitet sein) sollte man sowieso immer. Hier wird es aber insbesondere wichtig, damit nicht die Gruppe schon herumsteht, während ihr noch eure Kamera einstellt oder den Blitz zurechtrückt oder was auch immer macht. Wie oben schon geschrieben: Die meisten Leute, die ihr da zu einer Gruppe zusammendrängt, würden in genau diesem Moment vermutlich lieber etwas ganz anderes machen. Strapaziert deren Geduld nicht, indem ihr Zeit mit Dingen verbringt, die ihr genauso hättet erledigen können, bevor ihr die Massen in Bewegung setzt.

2. Vorlauf lassen
Sagt klar und deutlich, dass die Gastgeber euch gebeten haben, ein Gruppenfoto von der gesamten Truppe anzufertigen, und dass dies in XX Minuten an Ort Y erfolgen wird. Oder lasst es durch die Gastgeber verkünden. Der Punkt ist, dass die Gäste dann noch Gelegenheit haben, sich den Resten ihres Getränks zu widmen, ihr Gespräch nicht umgehend abbrechen müssen, noch mal die Frisur zurechtrücken oder in der Kachelabteilung verschwinden können, oder was auch immer noch an wichtigen Erledigungen ansteht.

Wenn ihr dagegen „sofort“ zum Gruppenfoto bittet, sind ziemlich sicher ein paar Leute überrumpelt und schon deswegen noch weniger erpicht auf die Teilnahme am Gruppenfoto, und mindestens eine(r) unternimmt erst noch anstehende dringende Erledigungen, während der Rest schon bereit steht und ungeduldig wartet. Also: Kündigt die Anfertigung der Gruppenfotos mit Vorlauf an.

3. Kleine Vorrede
Wenn ihr die Gruppe beisammen habt, stellt euch erstmal kurz vor: „Ich bin (Name), der Fotograf am heutigen Tag, und X und Y (Gastgeber) haben mich gebeten, von euch, den geschätzten Gästen, ein Gruppenfoto zu machen.“. Damit habt ihr a) euren Namen unters Volk gebracht und b) euren Status und die Beziehung zum Auftraggeber geklärt (ich = offizieller vom Gastgeber bestellter Fotograf) und nebenbei dem Auftraggeber die Schuld an den Unbequemlichkeiten des Gruppenfotos zugeschustert ;-).
Teilt den Leuten außerdem erstmal mit, was passieren wird und welcher Zeitrahmen dafür benötigt wird. Sagt den Leuten, wie unendlich leid es euch tut, sie aus ihren bevorzugten Beschäftigungen herauszureißen und versichert ihnen, dass ihr alles menschenmögliche tun werdet, damit das Gruppenfoto so kurz und schmerzhaft schmerzlos wie möglich wird.
Wenn ihr mehrere verschiedene Gruppenfotos machen wollt, teilt das vorher mit. Die Leute müssen wissen, worauf sie sich einstellen sollen.
Wenn ihr bestimmte Methoden anwenden wollt (siehe z. B. ‚Anzählen‘), sagt das den Leuten jetzt.

4. Klare Ansagen
Sagt den Leuten, was ihr von ihnen erwartet. Wenn sich ein etwas kleiner geratener Mensch in die letzte Reihe verdrückt (und es gibt fast immer jemanden, der sich lieber ‚verstecken‘ will, als in der ersten Reihe zu stehen) sortiert sie gezielt um! Und zwar bitte höflich. Also nicht mit den Worten: „Ich kann zwar sehr gut verstehen, warum Sie sich lieber verstecken möchten, aber sie sind nunmal der/die Kleinste hier, also kommen Sie mal schön nach vorne.“, sondern vielleicht lieber mit „Ich habe hier vorne in der ersten Reihe noch eine Lücke, die wie geschaffen für Sie ist. Würde es Ihnen etwas ausmachen, kurz nach hier vorne zu kommen?“

Und wenn ihr gezielt einzelne Personen dirigiert, stellt sicher, dass klar ist, wen ihr ansprecht. Wenn ihr die Namen nicht kennt – bei großen Gruppen ja der Regelfall – bezieht euch auf die Kleidung, schaut die Person gezielt an, deutet auf sie, was auch immer. Nehmt eine euch namentlich bekannte Person als Referenzpunkt („Die Dame in blau, die an dritter Stelle in dieser Richtung neben XY steht…“). Und niemals „links“,“rechts“ als Richtungsangabe, das verwirrt nur. („Meint er jetzt ’sein rechts‘ oder ‚mein rechts‘?“) „In diese Richtung“ + Fingerzeig ist viel schneller und zuverlässiger.

Sagt den Leuten, was ihr macht. Wenn ihr einen Testschuss macht, sagt das. Wenn es dann losgeht, sagt das. Wenn ihr etwas verändern müsst, sagt das (und seid schnell mit der Änderung! Was ja kein Problem ist, denn ihr seid ja gut vorbereitet ;-)). Wenn ihr die letzten drei Fotos macht, sagt das. Informiert die Leute über das was passiert. Es ist die einfachste Art und Weise, in Kontakt mit der Gruppe zu bleiben und den Leuten eine Perspektive darüber zu geben, an welcher Stelle im Prozess ‚Gruppenfoto‘ sie sich befinden und daraus zu schließen, wann es in etwa vorbei ist.

Wenn Kinder dabei sind, gibt es oft eine oder mehrere Personen, die sich berufen sehen, ständig danach zu schauen, ob die Kinder auch „schön brav sind“ und infolgedessen niemals selber dem Fotograf ihre Aufmerksamkeit schenken. Identifiziert diese Leute und sagt ihnen ganz gezielt, dass ihr deren Mithilfe sehr zu schätzen wisst, es aber noch besser fändet, wenn auch sie gelegentlich zum Fotografen schauen würden.

5. Anzählen
Eines der Hauptprobleme mit Gruppen ist es, dass immer jemand im Moment der Aufnahme wegschaut, die Augen schließt etc. Grund dafür ist ganz einfach, dass die Leute nicht wissen, wann genau ihr die Aufnahme macht. Und genau deshalb habe ich mir das Anzählen eingewöhnt: EINS – ZWEI – DREI – KLICK.

Bei jedem Foto.

Man kommt sich zwar vor, wie eine kaputte Schallplatte (kurze Zwischenfrage: Wer weiß noch, was eine Schallplatte ist?), aber seitdem ich das mache, ist die Ausschussquote bei Gruppenfotos aufgrund komischer Gesichtsausdrücke, geschlossener Augen etc. deutlich gesunken.

Natürlich erkläre ich diese Vorgehensweise auch in meiner kleinen Vorrede, damit die Leute wissen, dass sie bei EINS nochmal herzhaft gähnen und bei ZWEI nochmal schnell den Nachbarn ärgern können, bei DREI allmählich ihre Aufmerksamkeit dem Fotografen zuwenden sollten und bei KLICK dann alle gemeinsam wunderbar zur Kamera schauen.

Klappt wunderbar, Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel…

6. Reden, bis der Arzt kommt
Ihr müsst die ganze Zeit über die Aufmerksamkeit möglichst aller Personen auf euch ziehen. Seid ihr schweigsam und fotografiert einfach so vor euch hin, wandert die Aufmerksamkeit der Leute unweigerlich spätestens nach dem ersten Foto von euch zum jeweiligen Nachbarn, einem Vögelchen im Baum rechts hinter euch oder zur netten Radfahrerin, die zufällig des Weges fährt.

REDET mit den Leuten. Auch zwischen EINS-ZWEI-DREI-KLICK. Lobt sie für ihr Durchhaltevermögen, lobt sie insgesamt („So eine Ansammlung gutaussehender Menschen hatte ich schon lange nicht mehr die Ehre zu fotografieren!“) oder einzelne insbesondere für ihr Aussehen („Das war ein besonders charmanter/feuriger/… Blick von dem Dame in Grün rechts in der zweiten Reihe.“).

Oft genug betrete ich dabei einen schmalen Grad am Rande des guten Geschmacks, um nur irgendwie die Aufmerksamkeit der Gruppe nicht zu verlieren und zudem so gut wie möglich für eine allgemeine Erheiterung und damit Entspannung derselben zu sorgen. Oft genug bin ich mit den ganzen Anforderungen, die das Fotografieren solch einer Gruppe mit sich bringt, so ausgelastet, dass das, was die für die verbale Unterhaltung der Gruppe verbliebenen fünf Synapsen so produzieren, nur noch im Unterbewußtsein abläuft und ich nachträglich nur hoffen kann, niemanden ernstlich beleidigt zu haben…

7. Gruppe dynamisieren
Die meisten Personen kennen Gruppenfotos nur als aktionsloses Nebeneinanderstehen im Rudel. Macht dieses Foto, es wird erwartet. Und dann löst euch davon. Versucht, die Leute jubeln zu lassen, sagt den Leuten, sie sollen die jeweils vor Ihnen stehenden kitzeln, lasst die Gruppe hüpfen oder auf einem Bein stehen, was auch immer ihr mit der jeweiligen Ansammlung von Personen, die da vor euch steht, für vertretbar haltet.
Die meisten dieser Fotos taugen nur zum Wegwerfen oder zur allgemeinen Erheiterung eurer Auftraggeber, denn wenn man Dynamik in so eine Aufstellung bringt, wird immer irgendjemand verdeckt, oder schaut merkwürdig drein, oder fällt sonstwie der Gruppendynamik zum Opfer.

Aber es lockert die Gruppe auf. Und kehrt ihr dann abschließend zu den „letzten drei“ normalen, aufgestellten Gruppenfotos zurück, ist der ganz Haufen in aller Regel deutlich lockerer, weil sie alle zusammen etwas völlig Albernes gemacht haben.

8. Macht etwas völlig anderes
Schon mal eine Hochzeitsgesellschaft in einer Reihe auf einem Bahnsteig aufgestellt und eine La Ola Welle laufen lassen?
Schon mal Gruppenfotos als Kugelpanorama („little planet“) gesehen? Habe ich als Tipp vom Hamburger Hochzeitsfotograf +Patrick Ludolph aus der Hochzeitsfolge (Staffel 1, Folge 6) des Podcasts „das Maddin und das Paddy“ mit +Martin Krolop und +Patrick Ludolph übernommen.
Schon mal eine Gruppe „in Form“ (klassisch bei hochzeiten z.B: Herzform) aufgestellt und von einem erhöhtem Standpunkt aus fotografiert?

Nein?

Bemüht mal das Internet, da gibt es wirklich tolle Ideen, rund um das Thema „Gruppenfoto“, die wirklich anders sind, als das klassische „stellt euch mal da hin“-Foto. Und es macht deutlich mehr Spaß.

Leider geht sowas nicht in jedem Fall, denn dafür braucht man erstens passende Örtlichkeiten, zweitens eine Gruppe, mit der man das machen kann, und drittens ein wenig mehr Zeit. Denn solche spezielleren Gruppenfotos sind vielleicht nicht jedermanns Sache, weshalb ich immer erstmal den „Klassiker“ und dann „das Besondere“ mache. Und außerdem habe ich mit dem „Klassiker“ eine Rückfallebene, wenn das spezielle Gruppenfoto schieflaufen sollte.

Also, viel Spaß beim nächsten Gruppenfoto.

Bis bald.