Gutes Fenster, schlechtes Fenster

Ich maaag ja schon mal gerne diese Fotos, wo eine in einem Gebäude befindliche Person von außen durch eine Scheibe hindurch fotografiert wird. Das gibt dann so einen leichten Schleier, dann noch ein paar Reflexionen an den richtigen Stellen und schon ist ein tolles Foto fertig. Jedenfalls theoretisch.

In der Praxis erweist sich das aber mitunter als schwierig. Dann ist da nicht nur ein leichter Schleier, sondern die Scheibe ist von außen so milchig, dass man kaum durchschauen kann. Reflexionen treten in allen Farben und Formen auf, nur nicht in der gewünschten Art und Weise, dazu befinden sich noch an den unpassendsten Stellen. Und hast Du endlich eine Position gefunden, wo Du Schleier und Reflexionen im Griff hast, ist garantiert ein dicker Batzen Dreck auf der Scheibe, uns zwar genau vor dem Gesicht des Modells….. Was also tun?

Nach meiner bisherigen Erfahrung sind vor allem zwei Dinge wichtig.

Die Scheibe muss wenigstens halbwegs sauber sein, jedenfalls an den strategisch wichtigen Stellen

Das bedeutet im Zweifel, dass man – so man ein solches Bild plant – einen geeigneten Putzlappen und Trocknungstuch, etwas Wasser oder/und Glasreiniger im Gepäck haben sollte. Natürlich wäre im Zweifel auch ein OK des Scheibeneigentümers nicht schlimm, bevor Du Dich als Fensterputzer betätigst. Und nein, „Der soll sich mal nicht so anstellen, schließlich tu ich ihm da einen Gefallen“, gilt dabei im Zweifel nicht. Jedenfalls dann nicht, wenn Du nur 0,25 qm einer 2qm Scheibe reinigst. Das sieht dann nämlich anschließend auch nicht wirklich gut aus. Also bitte keine Guerilla-Scheibenputzung an fremden Scheiben….

Achte auf Deinen Hintergrund.

Damit meine ich nicht den Hintergrund hinter dem Modell. Auf den musst Du ja sowieso immer und ständig achten. Ich meine tatsächlich, dass Du auf das achten sollst, was sich hinter DIR als Fotografin/Fotograf befindet. Ist es dort eher dunkel wirst Du wenig Probleme mit einer überbordenden Milchigkeit der Scheibe und echt fiesen Reflexionen haben. Steht hinter Dir aber ein großes, helles Gebäude, das womöglich auch noch von der Sonne beschienen wird, oder ist einfach heller Himmel hinter Dir, wirst Du schwer zu kämpfen haben, überhaupt die Person hinter der Scheibe gut sichtbar zu machen. Such Dir im Zweifel ein anderes Fenster. Oder, wenn es doch unbedingt dieses Fenster sein muss, versuche den Hintergrund zu kontrollieren, indem Du z.B. eine Dritte Person einen großen dunklen Reflektor hinter Dir halten lässt.Auch Deine eigene Helligkeit ist von Bedeutung. Wenn Du nämlich helle Kleidung trägst und womöglich noch in der Sonne stehst, wirst Du Dein formschönes Abbild unweigerlich in voller Pracht in der Scheibe gespiegelt wiederfinden.Natürlich kannst Du Reflexionen auch völlig ausschließen, indem Du mit dem Objektiv ganz an die Scheibe herangehst. Das schränkt Dich dann aber so in der Bildkomposition ein, dass das meiner unmaßgeblichen Meinung nach kaum ein sinnvoller Ansatz ist. Auch ein Polfilter könnte nützlich sein, um Reflexionen zu beeinflussen.

Am Ende ist das – wie so oft – ein Spiel, bei dem es um Zentimeter und Winkel-Bruchteile in der Ausrichtung der Kamera zum Fensters geht. Was aus einem 90-Grad-Winkel der Kameraachse zur Scheibe hin total übel aussehen kann, ist nur einen Schritt weiter rechts oder links – verbunden mit einer entsprechenden Neuausrichtung der Kamera völlig in Ordnung. Da heißt es einfach mal wieder „Probieren geht über studieren“. Auch wenn man natürlich die Änderungen im Sucher bzw. auf dem Monitor ziemlich genau studieren sollte. Und übrigens empfiehlt es sich bei aller Konzentration auf den Look der Scheibe das Modell nicht völlig aus den Augen zu verlieren….

Am Ende habe ich mal ein paar Bildbeispiele für Dich:

Im Bild links – übrigens mit Miss Lauryi als Modell – siehst Du, wie sich ein (zu) heller Hintergrund auswirkt. Die Reflexionen sind (zu) stark und wirken meines Erachtens bereits störend. Man kann wunderbar das metallene Balkongeländer auf der Schulter des Modells erkennen. Und dass sich die Häuser auf der anderen Straßenseite nicht so richtig abzeichnen liegt nur daran, dass sich deren Spiegelbilder in dem Bereich befunden haben, wo der weiße Vorhang ist. Dieses Bild ist schon eines der Überlebenden aus der Serie – also eins, was ich als „noch OK“ eingestuft habe, weil zumindest die Augenpartie störungsfrei ist und nur den gewünschten leichten Schleier aufweist.

Die beiden anderen Bilder – hier ist als Modell Julia am Start – zeigen den Vorher-Nachher-Zustand bezüglich einer sehr punktuellen Reflexion. Im mittleren Foto sieht man das recht aufdringliche Spiegelbild einer Lampe, im Bild rechts ist diese Spiegelung verschwunden, obwohl ich weder die Lampe ausgeschaltet habe, noch die Positionen von Lampe zu Fenster veränderte. Was habe ich gemacht? Nun, ganz einfach: Gerade als ich auf diese aufdringliche Reflexion aufmerksam wurde, verschwand sie kurz, weil hinter mir jemand den Raum durchquerte. Das war Mella von Steckelwerk gewesen, die das Shootingevent, auf dem diese Bilder entstanden sind, maßgeblich organisiert hatte. Und freundlicherweise hat sie sich bereit erklärt, kurz an der genau richtigen Stelle stehen zu bleiben, bis ich die Fotoserie im Kasten hatte. So einfach kann es dann gehen.

Hier gibt es übrigens auch kaum eine nennenswerte Milchigkeit. Warum nicht? Ganz einfach: Diese Scheibe war komplett im Innenraum des Gebäudes, nämlich zwischen Bad und Wohnzimmer. Was daran liegt, dass die – jetzt bewohnte – Location mal eine kleine Industriehalle mit angrenzenden Büroräumen war. Dem Fenster fehlte übrigens auch einer der einzelnen Scheiben, es gab quasi eine Durchreiche zwischen Bad und Wohnraum. Für die Kommunikation mit dem Modell natürlich sehr praktisch…..

So, freut mich, dass Du wieder hier warst und bis zum Ende durchgehalten hast. Du bist aufs herzlichste eingeladen,  den Blogbeitrag mit allen Freunden, Feinden und Kollegen zu teilen, die das Thema hier interessieren könnte oder die Du damit quälen willst ;-).

Homeshooting mit Fensterlicht

Tach auch. Ich habe eben nochmal den Lightroom-Katalog durchwühlt und bin da bei einem schon etwas älterem Foto von Christin hängen geblieben. Ich hatte das damals beim Durchsehen direkt schon markiert, aber irgendwie ist das dann durchgegangen. Eigentlich kein Wunder, denn das Shooting war sehr ergiebig gewesen.
Jenes Foto hatte ich im Zuge eines Homeshootings bei ihr aufgenommen, zu dem wir uns verabredet hatten. Es ist ein Foto aus der Aufwärmphase eines rund vierstündigen Shootings, bei dem wir uns verabredeterweise vornehmlich dem Bereich der Boudoirfotografie gewidmet hatten (hier hatte ich dazu mal berichtet: „Ich hole dann mal die Handschellen…“). Und wie das halt so setzten sich auch hier Model und Fotograf erstmal über ’nen Kaffee zusammen und  besprachen die grundlegenden Bildideen. Und dann haben wir zum Warmwerden einfach mal ein paar simple Portraits gemacht. Die Serie, der das Foto dieses Blogbeitrags entsprang, fand somit keine 1.2 Meter von den Kaffeetassen entfernt statt. Christin stand mit der Hüfte an den Küchentisch gelehnt, und ich lehnte am Kühlschrank. Die perfekte Ausleuchtung übernahm das dankenswerterweise an der genau richtigen Stelle im Haus eingelassene große Küchenfenster.

Et voilá: Fertig ist ein grandioses (und grandios einfaches) Foto, welches im Wesentlichen von Christins Talent für einfache und zugleich ausdrucksstarke Posen und eben dem Fensterlicht lebt.

Hier noch einmal das ganze Foto in all seiner Pracht, bei dem man dann auch sieht, was ich mit „der genau richtigen Stelle des Fensters“ meine: Durch die Größe des Fensters und ihre Nähe zur Lichtquelle – sie war nur ca. 70cm vom Fenster entfernt – sind die Übergänge von Licht zu Schatten superweich. Wie Du siehst kommt das Licht von rechts. Aus meiner Fotografensicht kam es sogar im Winkel von 90 Grad von rechts. Da aber Christin zur Lichtquelle hin eingedreht ist, erwischt das Licht sie in einem sehr vorteilhaften ca. 45 Grad Winkel. Und ganz wichtig: Ihre Schattenseite liegt auf der Kameraseite. Das sorgt für eine Betonung der Konturen und vermeidet eine flache Ausleuchtung.

Vielen Dank für Deinen Besuch in meinem Blog. Wenn Du es hier gemütlich gehabt hast, komm doch gerne wieder und bring ein paar Freunde mit 😉 ….

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Lichtformung per Couch

Gleich hier oben über dem Beitrag siehst Du Nadine, Model und Fotografin/Coach, dekorativ auf einer Couch liegen. Einer ausgesprochen plüschigen Couch, die in einer tollen Mietlocation, der „Alten Schachtel“ in Mülheim, ansässig ist. Diese Location hatten wir mit vier Fotografen (Nadine, Mella von Steckelwerk, Rene und ich) zusammen gemietet, um an einem ausgedehnten Nachmittag das zu tun, was Fotografen eben so tun, wenn sie mit Modellen zusammentreffen: Das (selbstzusammengestellte) Buffet leerfuttern, Kaffee und/oder Sekt trinken und ein herausragendes Lachmuskeltraining absolvieren. Achja, und ein bißchen Fotografieren natürlich.

Im Zuge dieses Nachmittags hatten sich dann auch Nadine und meine Wenigkeit für ein paar Fotos zusammengerottet, und eben jenes rote Sitzmöbel aus Fotospot ausgeguckt. Für die Auswahl war auch verantwortlich, wie das Licht auf die Couch traf: Nämlich von links – jedenfalls aus der Fotografenposition des obigen Beitragsfotos gesehen. Denn dort befand sich – ich bin einigermaßen sicher, dass sie sich noch heute dort befindet, aber ich war ja von heute aus gesehen in der Vergangenheit dort, daher: „befand“ – also: es befand sich dort eine wirklich grooooooße Fensterfront, die sich über die gesamte langgezogene Seite des Raumes erstreckte. Durch diese Fensterfront strömte alles an Tageslicht herein, was an einem trüben, wolkenverhangenen Herbstnachmittag eben an Tageslicht so da ist.

Auf die Menge an Licht kam es dabei auch nicht unbedingt an, denn wenig Licht kann ich ja bekanntermaßen über die Kameraeinstellungen akkommodieren, was ich ja gerade kürzlich erst hier thematisiert habe. Viel wichtiger war, dass das Licht am gewählten Spot – der Couch – eine eindeutige Richtung hatte. Nämlich „von links“ (siehe oben).

Es ist daher keineswegs ein Zufall, dass Nadine nach links ausgerichtet ist. Denn weil das Licht ja mit zunehmendem Abstand von der Lichtquelle (hier: der Fensterfront) in der Helligkeit graduell nachlässt, trifft so die höchste Lichtintensität auf ihr Gesicht. Und da man als Fotograf ja den Blick des Bildbetrachters (auch) durch Helligkeiten im Bild lenkt (zu lenken versucht), und wir uns hier im Bereich der Fotografie von Menschen befinden, ist das Gesicht als hellster Punkt des Körpers schon mal ein günstiger Grundansatz.

Wahrscheinlich fragst Du Dich allmählich, wo denn die im Titel versprochene Abhandlung über die Lichtformung durch die Couch bleibt.

Keine Sorge, kommt jetzt. Und vielen Dank, dass Du bis hierhin schon mal durchgehalten hast ;-).

Also, die Couch. Dazu muss ich Dir aber erst mal noch ein anderes Bild von Nadine auf ebendieser Couch zeigen, nämlich dasjenige, dass die Idee zu diesem Blogpost überhaupt ausgelöst hat. Ich hoffe, Du hast nichts dagegen. Es geht nämlich um dieses Foto hier:

Die Couch steht unverändert an der gleichen Stelle, das Licht hat sich also nicht verändert. Auch Nadine ist noch da, nur hat sie sich halb auf den Rücken gedreht. Wesentlich geändert hat sich nur meine Position als Fotograf, und zwar bin ich zwischen die Fensterfront und die Couch gewandert.

Wenn Du jetzt dieses Foto anschaust, wirst Du unzweifelhaft bemerken, dass wiederum Nadines Gesicht der hellste Bereich des ganzen Fotos ist, und zwar mit Abstand. Ihre bloße, linke Schulter und ihr linker Arm sind demgegenüber erheblich dunkler.

Wie kommt das?

Nein, das ist nicht MEIN Schatten, auch wenn ich oben schrob, dass ich mich zwischen Fensterfront und Couch positioniert hatte. Vielen Dank für diesen Vorschlag.

Es ist vielmehr so, dass diese plüschige Mehrpersonensitzgelegenheit – wie auf dem Beitragsfoto oben ersichtlich – eine recht hohe Lehne hat, deren jeweilige Enden ein Stück weit nach vorn (also zur Sitzfläche hin) gerundet sind. Und genau dieses vordere Ende der Lehne sorgt für die Abschattung von Nadines linker Schulter. Ihre rechte, bekleidete Schulter und die darauf liegende Hand sind gegenüber der linken Seite ja durchaus deutlich heller, weil hier eben keine sitzmöbelbedingte Abschattung stattfindet. Allerdings bleiben Hand und Schulter rechts immer noch eine Portion dunkler, als das Gesicht. Warum das so ist? Naja, erstens sind sie ein bißchen weiter von der Lichtquelle (der Fensterfront) entfernt, als das Gesicht. Die Lichtintensität ist dort also schon wieder eine Winzigkeit schwächer. Und außerdem habe ich das Gesicht natürlich in der Nachbearbeitung noch ein Fitzelchen in der Helligkeit angehoben, um die schon vorhandene Differenz noch etwas herauszuarbeiten.

Auch ihr rechter Oberschenkel (ganz im Hintergrund) bekommt etwas von dem Tageslicht ab, während ihr rechter Arm die rechte Körperseite abschattet. So kommt es zu einem sehr wohltuenden Wechsel von helleren und dunkleren Bereichen, der nach meiner unmaßgeblichen Meinung sehr zum gelungenen Gesamteindruck beiträgt. Und ja, ich weiß, man soll sich nicht selber loben; aber Nadine war auch recht angetan. Also kann ich ja mal davon ausgehen, dass das Foto ganz OK ist…

Was ist nun die Essenz von dem ganzen Geschreibsel?

Achte sehr(!) darauf, wie das Licht fällt. Es ist IMMER vorteilhaft, wenn das Licht eine erkennbare Richtung hat und man sich diese dann zunutze macht. Ein gewisser Herr McNally hat in einem seiner Bücher mal so geschrieben „Light falls. Just make sure, it falls in your favour.“, was ich an der Stelle einfach mal unterstreichen möchte. Doppelt. Mit dickem, roten Edding und extra Kringel drum.

Denn so ein Foto wie das von Nadine in Halbrückenlage auf der Couch würde mit gleichmäßigem Licht von allen Seiten nicht mal halb so gut aussehen.

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Licht? Welches Licht?

Mitunter ist es ja auch erstaunlich, wie wenig Licht man mit den heutigen Kameras braucht, um zu fotografieren. Und zwar nicht nur „für den Notfall“, sondern in wirklich ordentlicher Qualität.

Case in Point: Das Beitragsfoto oben. Entstanden bei wirklich schummeriger Beleuchtung in so ziemlich der dunkelsten Ecke der Location. Lichtquelle des warmen Hauptlichtes: eine kleine säulenartige Stehlampe mit zwei Birnen zu je 25 oder 40 Watt (ungefähr jedenfalls).

Lichtquelle des bläulichen Aufhelllichtes: Trübes Tageslicht an einem wolkenverhangenen, regnerischen Herbst-Mittag. Blau ist das Tageslicht auf dem Foto übrigens, weil ich den Weißabgleich der Kamera auf das Kunstlicht der Lampe abgestimmt habe. Macht Tageslicht automatisch schön bläulich und sorgt so für einen netten Kalt-Warm-Kontrast im Foto.

Das war’s. Mit bloßem Auge war das Set ganz schön dunkel, so dass sich in der Tat die Frage stellte, die ich zum Titel dieses Blogposts gemacht habe. Mit den richtigen Kameraeinstellungen (hier: Blende 2.8, ISO 1600, Zeit 1/200) war es zugleich überhaupt kein Problem. Ich liebe die Errungenschaften der modernen Technik…

Natürlich HÄTTE man, um mit technisch „besseren“ Werten – also vor allem geringerem ISO-Wert und kürzerer Verschlusszeit – zu fotografieren mittels zwei bis drei Blitzen oder Dauerlichtlampen die gleiche Lichtstimmung mit mehr Lichtleistung nachbauen können. Aber was für ein technischer Aufwand wäre das gewesen. Und wofür?

Denn eine Rauschreduzierung wegen der hohen Sensorempfindlichkeit war hier quasi nicht nötig. Klar, beim Pixelpeepen in 100%- Ansicht der Originaldatei sieht man ein feines Korn. Aber wer macht das schon.

Und natürlich ist das Bild nicht ganz so klar, wie bei ISO 100, Blende 5.6 und Zeit 1/1000. Aber wer sieht das schon in Facebook-Auflösung. Oder in „Full-HD“ in voller Größe auf einem 40″-Fernseher. Denn selbst „Full-HD“ bedeutet ja gerade mal 2 Megapixel. Mit anderen Worten: Für die Bilder jedes halbwegs aktuellen Kamerasensors ist reichlich Verkleinerungsreserve vorhanden. Und für die Bilder der heutigen Megapixelmonster, zu denen auch meine Nikon D800 zählt gilt das dann ja mal erst recht. Denn durch eine sachgerechte (= sinnvoll nachgeschärfte) Verkleinerung wirken Bilder ohnehin schärfer und Bildrauschen verschwindet durch das Zusammenrechnen der benachbarten Pixel sozusagen vollautomatisch.

Daher: ISO 1600 ist für mich ein SO WAS von unkritischer Wert, dass ich – sowieso im Endprodukt unsichtbares – technisches Verbesserungspotenzial absolut guten Gewissens ignorieren kann und lieber mit geringstmöglichem technischen Brimborium fotografiere. Denn je mehr Technik ich benutze, desto mehr Kapazität wird davon auch beim Fotografieren in meinen drei armen Gehirnzellen belegt. Und die behalte ich mir lieber für die Konzentration auf den Mensch vor der Kamera übrig, da sind die besser aufgehoben.

Der größte technische Aufwand bei diesem Foto war noch das Einschalten der Lampe und deren Höhenjustage. Die Lampe war nämlich ein bißchen zu klein und musste, damit das Model nicht von unten ausgeleuchtet würde, etwas erhöht aufgestellt werden. Einige Bücher aus dem Vorrat der Mietlocation kamen da wie gerufen. HIGH-TECH durch und durch also….

66 Fotoshootings in 16 Stunden – Lichtsetzung und Technik

In diesem Blogbeitrag hier hatte ich kürzlich erzählt, wie es zu dieser Foto-Marathon-Aktion gekommen ist, und die Rahmenorganisation sowie den grundlegenden Workflow erläutert. Dabei habe ich bewusst den Teil des eigentlichen Shooting ziemlich ausgelassen, denn das ist dann mal heute dran:

Da stand ich also im historischen Ambiente des Jagdschlößchens an der Burg Linn und hatte die Aufgabe, ständig neue Kleingruppen – die meisten Kunden waren Familien – zu gruppieren, zu animieren und zu fotografieren.

Wie ging das jetzt genau vor sich?

Ich fange einfach mal mit der Lichtsetzung an:

Die Vorgabe der Museumsleitung zur Schonung der historischen Wand- und Deckenbemalung sowie der Gemälde im Raum war ganz eindeutig: KEIN BLITZLICHT.

Skizze aus meinem Konzept: Fotostudio mit natürlichem Licht

Allerdings wurde mir gestattet, das in den Raum fallende Tageslicht mit Reflektoren und/oder Diffusoren zu formen. Das bedeutete in Sachen Lichtsetzung erstmal ein Umdenken in Sachen Aufhellung und Hauptlicht.

Hätte ich Blitzlicht verwenden dürfen, wäre das natürlich mein Hauptlicht gewesen und das Fensterlicht mein Aufhelllicht. Da nun das Blitzlicht aus der Gleichung verschwand, war das durch die Fenster fallende Licht automatisch mein Hauptlicht und das von den Wänden bzw. meinem Reflektor reflektierte Licht mein Aufhellicht.
Der als Fotostudio genutzte Raum (siehe auch Beitragsbild oben) hatte – das wird auch auf der Skizze (hoffentlich) erkennbar – drei Fenster. Zwei davon auf der langen Raumseite mit Ausrichtung nach Nordwest (aus Sicht der  Fotografenposition rechts vorn und rechts hinten) und eins nach Südwest (aus Fotografensicht links hinter den Kunden). Das war für die Lichtsetzung mit Fensterlicht insofern vorteilhaft, als dass ich während des gesamten Tages keine direkte Sonneneinstrahlung in Richtung meiner Fotosubjekte hatte. Selbst aus dem südwestlichen Fenster drohte hier keine Gefahr, weil zum Einen große Bäume davor standen, die das Sonnenlicht gut filterten, bevor es auf das Fenster traf und zum Anderen der Raum so groß war, dass Sonnenstrahlen, die sich doch mal in den Raum verirrten auf dem Boden landeten, bevor sie auf meine Kundschaft trafen.  Das Hantieren mit großformatigen Diffusoren zur Abmilderung direkten Sonnenlichts blieb mir damit von vornherein erspart.

Wie kontrastreich das Licht auf meinem Motiv sein würde und wieviel Grundhelligkeit dort ankommen würde, konnte ich bei dieser Anordnung der „Lichtquellen“ ohne jedes Hilfsmittel wunderbar durch die Position der Kunden auf der Längsachse des Raumes regulieren. Denn je näher die Leute in Richtung des vorderen Fensters rückten, desto mehr Licht bekamen sie ab, und desto mehr Kontraste ergaben sich zwischen der vom Fensterlicht beleuchteten Seite und der Schattenseite.
Positionierte ich die Kunden dagegen eher mittig vor dem Wandstück zwischen den beiden Fenstern  standen sie sozusagen im Schattenbereich und bekamen – jedenfalls von vorne – kein ‚direktes‘ Fensterlicht ab, sondern nur das von den Wänden und der Decke reflektierte Licht. Die Ausleuchtung war damit an dieser Position von vornherein sehr gleichmäßig, was insbesondere bei Gruppenaufnahmen natürlich eine gute Ausgangsposition ist.

Oft zog ich noch einen silbernen Reflektor – meinen kleinen Sunbouncer (Micro-Mini) – hinzu. Der hing an einem rollbaren Stativ mit Auslegearm und stand meist auf ca. 2 Meter Abstand zum vorderen Fenster. Das ergab eine nur SEHR dezente Aufhellung der Schattenseite, denn durch das Fenster fiel ja sowieso schon kein direktes Sonnenlicht, so dass den Reflektor selbst schon nur ein recht diffuses „Nordlicht“ erreichte. Aber „Aufhellung der Schattenseite“ war (meist) auch nicht der wesentliche Grund für den Einsatz des Reflektors. Vielmehr erzeugte der Reflektor in den Augen der Leute kleine Lichtreflexe, „Catchlights“ genannt. Die sorgen dafür, dass die Augen – und damit der Gesamtausdruck – viel lebendiger wirken.  Wenn Du das noch nicht gemacht hast, solltest Du da mal bewußt drauf achten; vergleiche einfach mal Fotos mit und ohne Catchlights.

Damit war die Grundausleuchtung von vorn schon mal perfektioniert. Diffuses (also nördliches) Fensterlicht als Hauptlicht und vom Raum gestreutes bzw. vom Reflektor reflektiertes Fensterlicht als Aufhellung.

Der Raum hatte aber noch mehr zu bieten:

Das hintere der nach Nordwest gerichteten Fenster sorgte nämlich für ein nettes Kantenlicht von hinten rechts und das nach Südwest zeigende Fenster für ein nettes Kantenlicht von hinten links. Diese Kantenlichter wurden natürlich immer stärker, je weiter ich die Leute nach hinten positionierte. Und sie waren natürlich nicht immer gleich stark, weil durch das südwestliche Fenster natürlich zeitweise direkte Sonne in den Raum (aber nicht auf meine Kunden!) strahlte. Aber es war nie soviel oder so „problematisch“, dass ich mich genötigt gesehen hätte, das Licht dieses Fenster mittels eines Diffusors abzumildern.

So gesehen bildete der Raum mit seinen drei Fenstern und seiner Ausrichtung ein absolut perfektes Lichtsetup nach, für das ich in einem Studio schon gleich mal 4 Lichtquellen brauchen würde (Hauptlicht, Aufhelllicht, Kantenlicht links, Kantenlicht rechts).

Das eingefügte Bild zeigt einige der genannten Lichtsetzungsschnörkel:

Links am Hals und an der Schulter der Mutter kann man das Kantenlicht vom südwestlichen Fenster gut erkennen.

In Sachen Kontraste zeigt der Blick in die Gesichter von links nach rechts: Die jeweiligen Schattenseiten werden immer ausgeprägter sichtbar. Das liegt zum Einen eben daran, dass sich die Personen weiter rechts vom aufhellenden Reflektor entfernen und somit weniger Aufhelllicht abbekommen, und sie sich zum Anderen der Hauptlichtquelle nähern. Die hellere Seite bekommt also immer mehr Licht ab, was den Kontrast zusätzlich befördert.

Das einzige Manko  meines temporären Fotostudios war halt, dass ich durch die Positionierung der Kunden im Raum und die Ausrichtung meines Reflektors zwar die LichtVERTEILUNG auf meinem Motiv regulieren konnte, nicht aber die maximal verfügbare LichtMENGE.

Und wenn man dann eine 5-köpfige Familie fotografiert, deshalb aus Gründen der Schärfentiefe doch besser mal die Blende auf 5.6 schließt und zudem zur Vorsorge gegen Verwacklungs- oder Bewegungsunschärfe keinesfalls langsamere Belichtungszeiten als 1/80 sec. nutzen möchte (und selbst das ist ja schon sehr grenzwertig langsam), bleibt halt nur die Lichtempfindlichkeit (ISO) als Stellschraube. Daher habe ich – selbst bei dem weit überwiegend tollen Sommerwetter – im Regelfall mit ISO-Werten von 3.200 bis 6.400 fotografiert.

Ein Problem war das jetzt – dank der modernen Kameratechnik – eigentlich nicht; ich habe noch nicht einmal großartig die Rauschunterdrückung bei der Bildentwicklung in Lightroom bemüht. Denn zum Einen ist Bildrauschen bei Nicht-Fotografen ja sowieso kein Thema, zum Anderen wurden die Bilder ja ca. 14×21 cm groß auf einem DIN A4-Blatt ausgedruckt. Und da war dann von Bildrauschen sowieso keine Spur mehr zu sehen, selbst in den Bereichen, wo ich in der Bildentwicklung noch ein wenig aufgehellt habe.

Noch vor 10 Jahren wäre das absolut undenkbar gewesen. Da fotografierte ich mit meiner Nikon D70s, bei der ISO 1.600 den oberen Anschlag der ISO-Skala bildete und wirklich so gruselig aussah, dass man wirklich nur in absoluten Notfällen über ISO 800 (eigentlich ISO 400) hinaus gehen wollte. Heute – mit meiner D800 – sind solche ISO-Werte ganz einfach mal kein Thema (jedenfalls solange man nicht die Pixel-Peeper-Fraktion in Fotoforen fragt…). Ein Hoch auf die technische Entwicklung der letzten Jahre. Da zeigt sich dann wirklich mal, wie technischer Fortschritt neue Einsatzmöglichkeiten eröffnet.

 

So, jetzt sind hier auch schon wieder über 1.000 Worte zusammen gekommen. An sich wollte ich ja den Technik-Teil sehr flach halten und mich schon in diesem Artikel der eigentlichen Herausforderung dieses Foto-Marathons widmen: Ständig neue Kleingruppen zu positionieren, sie in kürzester Zeit zu animieren und dabei auch noch zu fotografieren. Nunja, dann mach ich das eben im dritten Teil. Also: Bis bald!

Achso: Wenn Du Fragen hast, immer raus damit. Denn nur wer fragt bekommt Antworten….

Update: Der nächste Folgeartikel ist inzwischen fertig. Hier geht es weiter…

Tipps für die Landschaftsfotografie #1: WARTE AUF DAS LICHT

Heute starte ich mal eine kleine Reihe mit Tipps, Ansichten und Einsichten zum Thema Landschaftsfotografie, die insbesondere dann für Dich interessant sein können, wenn Du jetzt noch nicht der totale Profi in diesem Thema bist.

Los geht es mit DEM absolut essentiellen Basistipp:

Warte auf das Licht.

Welches LICHT?

Kurze und knappe Antwort: Abendlicht, Morgenlicht, blaue Stunde.

Etwas ausführlicher:

Es gehört ja durchaus zum fotografischem Grundwissen, dass die Qualität des Lichtes das Bildergebnis prägt. Der althergebrachte und völlig ausgeleierte Spruch „zwischen 11 und 3 hat der Fotograf frei“ mag dank der Möglichkeiten der Lichtformung für ein Portrait nicht (mehr) angebracht sein. Aber da Lichtformung für eine ganze Landschaft ja doch eher schwierig ist, gilt diese vielbemühte Redensart in diesem Metier durchaus noch. Und Du bist absolut auf das natürliche Licht angewiesen.

Die idealen Zeiten für perfekte Landschaftsfotos sind diejenigen mit tief stehender Sonne sowie die Zeiten direkt vor Sonnenaufgang und direkt nach Sonnenuntergang – letztere nennt man auch gerne „blaue Stunde“. Die – je nach Uhr- und Jahreszeit – goldene/orange/rote Farbe des Lichts einer untergehenden oder aufgehenden Sonne taucht die Landschaft einfach mal in ein richtig warmes Licht, dass wir Menschen weit überwiegend als „schön“ empfinden. Und der Schattenwurf einer tiefstehenden Sonne hilft, die Szene lebendiger zu gestalten und Texturen hervorzuheben. Insgesamt ist dieses Abendlicht (und Morgenlicht) ganz einfach unvergleichlich viel besser geeignet, als eine sommerliche Mittagssonne.

Mitten im Winter können dann – jedenfalls in den hiesigen Gefilden – die fotografische angesagten Uhrzeiten allerdings über den ganzen Tag verteilt liegen, denn da steigt die Sonne auch zur Mittagszeit sowieso nicht mehr ganz so hoch, so dass auch dann schon wenigstens passables, wenn nicht sogar richtig schönes Licht vorherrschen kann.

Das Grundproblem dabei ist natürlich, dass man sich oft die Zeit zum Fotografieren nicht immer allein nach dem Sonnenstand aussuchen kann. Man denke an Gruppen- oder Rundreisen, oder vielleicht fällt die Zeit des Sonnenuntergangs ausgerechnet mit der „zu-Bett-geh-Zeit“ des Nachwuchses zusammen. Das ist dann halt so.

Oder du bist zwar schon zur eigentlich richtigen Zeit am richtigen Ort, aber Petrus hat gerade so richtig schlechte Laune und der vorgesehene malerische Sonnenuntergang ist in der Realität einfach mal ein Totalausfall. So wie hier:

Dazu kann man dann nur sagen: Shit happens. (Wahlspruch des Ober-Niederrheinischen Zirkels der professionellen Hobby-Landschaftsfotografen)

Dann bleibt Dir halt nur die Wahl, ob Du einen Erinnerungsschnappschus bei suboptimalem Licht machst und nach Möglichkeit später nochmal zurückkehrst, oder ob Du Deine Fototour einfach nur in einen Spaziergang an der frischen Luft umwandelst. Du kannst in diesen Fällen jedenfalls nicht erwarten, mehr als ein „Ich-war-da-aber-das-Licht-war-doof-Foto“ aus Deinem Motiv herauszuholen. Also nichts, was Du stolz bei Instagram posten kannst, jedenfalls nicht mit stolzgeschwellter Brust als „Landschaftsfoto“ (vor allem nicht bei einer bekannten Location, von denen es im Internet vor genialen Fotos bereits wimmelt). Als Erinnerungs-ich-war-hier-Schnappschuss geht das natürlich immer, aber das ist dann eben ein anderer Kontext.

Freunde Dich also möglichst frühzeitig mit dem Gedanken an, dass es bei der Landschaftsfotografie einfach dazugehört, auch mal mit leeren Händen nach Hause zu kommen. Darüber kannst Du Dich dann ärgern, musst Du aber nicht. Zumindest warst Du an der frischen Luft und hast Dich mit Fotografie beschäftigt, was allemal besser und gesünder ist, als daheim auf der Couch abzuhängen und sinnlos das Internet leer zu surfen.

Die Sache mit dem WARTEN.

Im eingangs angeführten Merksatz ist das Wörtchen „Warte“ nicht ohne Grund enthalten. Gerade im letzten Urlaub habe ich das wieder erlebt: Ich habe mir ein schönes Fleckchen am Strand ausgesucht, die Sonne steht schon sehr tief und wird innerhalb der nächsten 30 Minuten hinter dem Horizont verschwinden. Meist ist man zu diesem Zeitpunkt nicht alleine an einer solchen Location. Kaum aber ist die Sonne weg, verschwindet auch ein Großteil der Leute, die sich das Schauspiel angeschaut oder/und fotografiert haben. Ich bleibe dann meist noch eine ganze Weile. Denn so manches Mal kommt der beste Teil eines Sonnenuntergangs erst NACH dem Sonnenuntergang. Nämlich in den Fällen, wenn es am Himmel durchaus wolkig zugeht, aber an geeigneter Stelle ein Loch in den Wolken ist, durch das die Sonne die Wolken von unten anstrahlen kann. Und wenn das dann noch von einer Wasserfläche reflektiert wird, kann es so richtig genial werden.
Also: Nicht gleich zusammenpacken, wenn die Sonne hinter dem Horizont verschwunden ist, sondern lieber mal noch ein bißchen abwarten. Oft passiert außer der Umwandlung von Sauerstoff in Kohlendioxid nichts oder zumindest nicht viel.

Aber wenn was passiert, können das richtige Killer-Fotos werden.

Die VORBEREITUNG

Wenn ich den Ort des Geschehens nicht kenne – im Urlaub zum Beispiel – checke ich im Vorfeld immer den voraussichtlichen Sonnenstand. Dafür gibt es diverse Apps für das Smartphone, die den Sonnenstand für eine beliebige Location zu einer beliebigen Zeit errechnen bzw. vorhersagen. Ich nutze dafür „Sun Surveyor“. Diese App hinterlegt auf Wunsch die Satelliten-Ansichten der Erde von Google-Maps, so dass man sehr detailgenau den Sonnenstand für eine bestimmte Location zu einer bestimmten Zeit im Vorfeld bestimmen kann. Ob andere Apps besser oder doch einfach nur anders sind kann ich nicht sagen; diese wurde mir mal empfohlen, ich fand sie gut und bin dabei geblieben.

Auch andere das Licht beeinflussende Faktoren kann man anhand der Kartendarstellung in der App erkennen:

Unweit der Burg Linn zum Beispiel – einer meiner heimatnahen Lieblings-Outdoor-Fotogelegenheiten – verläuft die A 57 infolge der Überbrückung einer städtischen Hauptverkehrsstraße ein Stück weit oben auf einem hohen Wall. Dieser Wall liegt zwischen dem Burggelände und der untergehenden Sonne. Folglich habe ich an der Burg schon vor dem absoluten Sonnentiefstand den Schatten dieses Walls – was ich beim Timing meines Fotoausflugs natürlich berücksichtigen sollte.

Dieser vorherige Check des Sonnenstands ist – ganz am Rande – nicht nur für Landschaftsfotografie von Vorteil. Auch bei der Planung von Porträtshootings in Form von Homeshootings oder on Location gehört diese Prüfung zur Vorbereitung dazu, damit ich mir schon mal ein Bild machen kann, mit welchen Lichtverhältnissen ich beim Shootingtermin wohl zu tun haben werde. Möchte mein Kunde Fotos im eigenen Garten machen und liegt der zum vereinbarten Termin voll in der Sonne, weiß ich direkt, dass ich einen hinreichend großen Schattenspender aufsuchen oder – wenn nicht verfügbar – mitbringen und aufbauen muss.

Im letzten Urlaub ergab der Check zum Beispiel, dass vom örtlichen Strand aus gesehen die Sonne nicht in das Wasser der Ostsee eintauchen, sondern hinter dem westlichen Ufer der Kieler Förde versinken würde. Damit war dann gleich mal klar, dass eine bestimmte Sorte klassischer Sonnenuntergangsfotos nicht möglich sein würde.

Gerade, wenn man örtliche Besonderheiten als Element in das Foto einbauen möchte empfiehlt sich daher dringend der Blick auf die Karte und den Sonnenstand. Gerade, wenn das Zeitfenster für den Fotoausflug aufgrund anderweitiger Einflüsse nicht allzu groß ist (siehe oben) kann ein bißchen Vorplanung des Standortes nicht schaden. Das habe ich zum Beispiel auch so gemacht, als ich in Zingst die Seebrücke zwischen mich und die untergehende Sonne bringen wollte. Bei der Gelegenheit habe ich übrigens auch gelernt, dass die Sonne auf den letzten Metern ganz schön schnell am Horizont entlang flitzt – hier ist mein diesbezüglicher Blogpost.

Die Quintessenz des heutigen Wortausbruchs:

  •  Wenn Du ein richtig gutes Landschaftsfoto machen möchtest, brauchst Du das passende Licht.
  • Das ist typischerweise nicht die sommerliche Mittagssonne, sondern Abendlicht, Morgenlicht und die blaue(n) Stunde(n)
  • Du wirst lernen müssen mit Enttäuschungen zu leben, wenn Petrus milde zu Dir und Deiner erwartungsvoll auf dem Stativ hockenden Kamera herunterlächelt und dann das Schild „No show today“ hochhält.

Die Sache mit dem Stativ werde ich dann mal in der nächsten Folge dieser Reihe aufgreifen. Bis dahin wünsche ich viel Spaß beim Fotografieren!

Einfach natürlich – natürlich einfach? Kinder-Fotoshooting im Park

Hallo. Heute wollte ich einfach mal kurz von einem kleinen Shooting am vergangenen Sonntag erzählen. Das heißt, ob die Episode den Begriff „Shooting“ verdient, weiß ich gar nicht so genau. Man könnte auch sagen, dass wir auf dem Weg zum Café mal eben ein paar Fotos gemacht haben. Mit dem Begriff „Shooting“ ist ja oft die Erwartung von viel (technischem) Aufwand verbunden, was aber hier nicht der Fall war und eben auf nicht zwingend sein muss.

Das genau ist der Punkt dieses Blogposts. Einfach mal die Kirche im Dorf (bzw. die Blitzanlage im Haus) lassen, und einfach mal relativ unbeschwert nur mit Kamera und Objektiv und dem Model (in dem Fall gleich mal zwei) losgehen.

Die Fotos oben sind genau so entstanden, es war noch nicht einmal ein Reflektor oder Diffusor im Spiel (die ich allerdings gleichwohl mitgenommen hatte). Einfach nur im Park ein schattiges Plätzchen aufgesucht und bei 85mm oder 50mm mit ziemlicher Offenblende fotografiert – fertig. Das Licht war einfach das natürliche Licht im offenen Schatten eines großen Baumes. Übrigens um etwa 13:00 Uhr – also zu genau der Zeit, wo man im Sommer nach überlieferter (veralteter) Fotografenweisheit ja sowieso nicht draußen fotografieren kann… 😉

Diese fotografische Begleiterscheinung auf dem Weg zum Kaffeetrinken hat insgesamt gerade mal 40 Minuten in Anspruch genommen; und da waren dann schon Fotos an drei verschiedenen Stellen innerhalb des Parks inklusive.

Ich liebe diese „einfachen“ Shootings ja, gerade bei Kindern. Deren Geduld und Kooperationsbereitschaft leidet durchaus sehr, wenn man erst jedesmal 10 Minuten lang das Licht einrichten will, und sie sich danach am besten immer nur in einem sehr eng begrenzten Bereich mit optimaler Belichtung aufhalten sollen. Solche restriktiven Szenarien funktionieren mit Kindern einfach nicht so gut, weil sie eben Kinder sind, also am liebsten Quatsch machen und Herumtoben.

Wenn ich also Wert darauf lege, die Persönlichkeit des Kindes zu fotografieren, muss ich zusehen, dass das Kind die ganze Geschichte als Spiel empfindet und dann eben das „Spiel“ mit der Kamera verfolgen und einfangen. Mein Fokus liegt also ganz klar voll auf der Interaktion mit dem Kind, was dazu führt, dass ich mich auf die Technik schlichtweg verlassen muss. Denn eine genaue Festlegung des idealen Bildschnitts und eine zielgenaue Fokussierung mittels Blick durch den Sucher und perfekter Anpassung des Fokuspunkts kann man dabei nämlich vergessen. Denn dann stünde die Kamera wieder zwischen mir und dem Kind und behindert meine Interaktion. Viel häufiger habe ich also die Kamera gar nicht erst am Auge, sondern ziele grob in Richtung des Kindes und muss mich darauf verlassen, dass der Autofokus es schon richten wird.

Das führt dann zwar – je nach Aktivitätslevel des Kindes – und offener Blende mitunter zu herben Ausschussraten, aber die „Treffer“ sind immer Gold wert, weil eben immer echte Emotionen des Kindes eingefangen werden.

So ganz „natürlich einfach“ sind diese „einfach natürlichen“ Shootings dann halt doch nicht. Zwar fällt viel technischer Kram weg, der einfach nur der Interaktion mit dem Kind im Weg stehen würde, insofern also wird es „einfacher“. Auf der anderen Seite erfordert das „aus der Hüfte schießen“ doch etwas Übung und man ist auf einer ganz anderen Ebene – der Kommunikation mit der Model – erheblich gefordert. Gut, wenn man dann ein Kind vor sich hat, das sowieso gerne aus sich heraus geht…

Fragen? Anregungen? Buchungswünsche? 😉 Hier ist mein Kontaktformular.

Prinzessinnen am Strand

Moin. Manchmal ist es ja schon ganz praktisch, zwei kleine Fotomodelle im Gepäck zu haben, auch wenn die gelegentlich mal von „Süß“ auf „Sauer“ umschalten.

Aber die beiden befinden sich jedenfalls ziemlich oft im Prinzessinnenmodus. Und nachdem sie in diesem Jahr für ihren Job als Blumenmädchen bei einer Hochzeit mit regelrechten Ballkleidchen ausgestattet wurden, schwebten sie kleidermäßig sozusagen auf Wolke 7. Und das musste natürlich im Urlaub fotomäßig ausgenutzt werden. Und zwar sowohl im letzten Urlaub am Ostseestrand und nun schon wieder an der Nordsee.Im ergebnis sieht das dann aus wie das Bild oben über dem Blogpost.Das Setup war dabei denkbar einfach. Neben der Kamera war einfach nur ein Diffusor bzw. Reflektor im Einsatz, und zwar der „Mini“ von California Sunbounce. Einmal mit einer 2/3-Diffusor-Bespannung und einmal mit einer gemischten Gold/Silber-Bespannung („Zebra“).

Meine Assistentin (zugleich zuständig für Hairstyling, Catering und Model-Entertainment) hielt einfach den Diffusor zwischen Sonne und die beiden Prinzessinnen (siehe oben), so dass beide in wunderbar weiches Licht getaucht wurden und harte Schatten keine Chance hatten. Hier eine künstlerisch wertvolle Skizze davon:

Oder sie reflektierte zusätzliches Licht mit dem nun zebrabespanntem Sunbouncer auf die Modelle, so dass aus Sonne und Reflektion ein Zangenlicht entstand.

hier mal das Zangenlicht: Sonne von hinten links, Licht vom Reflektor mit Zebra-Bespannung von rechts

Ein wunderbar unaufwendiges Shooting. Ich mag das ja, wenn ich die Hampelei mit einem Blitz vermeiden kann, denn das bringt ja immer Kompromisse mit sich (Stichwort: Blitzsynchronzeit).

Mit so einem handgehaltenen Diffusor/Reflektor kann man ganz einfach durchfotografieren und ultra-flexibel auf die Modelle reagieren. Bewegt sich das Kind, bewegen sich eben auch Fotograf und Lichtformer. Die einzige Schwierigkeit war eigentlich, dass der „Mini“ für zwei Kinder schon mal etwas knapp mit dem Schattenwurf war, obwohl die Bezeichnung „Mini“ bei einer Rahmengröße von 90x125cm ja schon ein kleiner Euphemismus ist.

Aber sobald sich die Kinder mal etwas auseinander bewegten, war eben schon die Grenze des Schattenwurfs erreicht. Was natürlich spontan mit dem Einkauf eines Sunbounce „Pro“-Rahmens mit Diffusorbespannung kuriert wurde. Denn weil wir ja zum Umweltfotofestival in Zingst waren, wo California Sunbounce einer der allgegenwärtigen Hauptsponsoren ist und seine Produkte an Teilnehmer der firmengesponsorten Fotoworkshops natürlich mit einem kleinen Messerabatt verkauft, war der Pro sozusagen fast quasi ein Schnäppchen. Also, naja, jedenfalls etwas günstiger. OK, sagen wir, es tat halt nicht ganz so weh…

Mehr über den Besuch des Umweltfotofestivals in Zingst bzw. den dort besuchten Workshop hatte ich übrigens hier (Fotofestival) und hier (Workshopbericht) geschrieben.

Ich bin dann jetzt mal weg und organisiere mir für den nächsten Urlaub den zusätzlichen Assistenten zum Halten des PRO-Segels…

Bis bald.

Lichtzufälle im Fotostudio

Hallo. Schön, dass Du wieder hier reinschaust. Dass ich kürzlich ein Testshooting angesetzt hatte, habe ich ja vor ein paar Tagen schon einmal berichtet. Während es in dem dortigen Blogpost um die vier von mir getesteten Varianten ging, wie man einen weißen Studiohintergrund bekommt, geht es heute mal wieder um die Unvorhersehbarkeiten und Zufälle bei einem Fotoshooting.

Wir hatten ziemlich zu Beginn des Shootings alles für ein einfaches „One-Light-Setup“ vor weißem Hintergrund eingerichtet, also ein oder zwei Blitze auf den Hintergrund gerichtet und als einziges Licht auf dem Model eine relativ große Octabox. Beim Fotografieren dieses Sets stellte sich aber heraus, dass der Aufbau mit dem Hauptlicht von links für unser Model seitenverkehrt war. Zwecks Ausrichtung zum Hauptlicht musste sie sich aus ihrer Sicht nach rechts drehen. Ihr „natürliches“ Standbein war aber ihr linkes Bein, so dass sie zunächst immer das aus Sicht der Kamera hintere Bein – also ihr rechtes – beugte. Und das ist ja aus Blickrichtung der Kamera dann ja tendenziell unvorteilhaft. Wir mussten bei dieser Ausrichtung also ständig darauf achten, dass sie ihr rechtes Bein zum Standbein machte und das linke Bein beugte. 

Also haben wir das Setup umgedreht, damit die Pose ihrer natürlichen Haltung besser entsprach und wir nicht ständig auch auf dieses Posingdetail achten mussten. Ich habe also meinen Assistenten, Jörn, gebeten, die Octabox rechts vom Model (aus Sicht der Kamera) zu positionieren. Jörn rollte das Stativ mit der Octabox auf die andere Seite und richtete es zu Sandra hin aus. Das führte dann zu einem intensiven Helligkeitsanstieg in Sandras Gesicht und auf ihrem Körper. 

Wie das? 

Naja, ganz einfach: Wie Du letzte Woche vielleicht schon gelesen hast, konnte ich den Raum nicht abdunkeln, und hatte jede Menge Tageslichteinfall durch Oberlichter. Und nun traf durch die neue Ausrichtung der Octabox eine Menge Sonnenlicht auf den weißen Frontdiffusor der Octabox und verwandelte sie so in einen großen Reflektor. Und damit hatte ich plötzlich eine ganz tolle Lichtsetzung mit dem Tageslicht in meinem „Fotostudio“.

Und dann habe ich natürlich das Naheliegendste gemacht: Den Blitzauslöser von der Kamera gezogen, und mit dem von der Octabox reflektierten Sonnenlicht fotografiert, solange es eben da war.

Et voilá: Available Light im Studio.

Das war zwar nicht unbedingt im Sinne der für das Shooting geplanten Tests, versprach aber gute Fotos. Blitzsetups konnte ich dann auch weiter testen, wenn die Sonne weitergewandert oder hinter der nächsten Wolke verschwunden war.

In diesem Sinne: Augen offen halten und bereit sein, Pläne umgehend an die Realitäten anzupassen. Kann helfen, zu guten Fotos zu kommen.

Hier nochmal das Resultat in voller Größe:

Soweit für heute. Viel Spaß weiterhin beim Fotografieren. Und es würde mich freuen, wenn Du diesen Blogpost mit Deinen Freunden und Fotobuddys teilst. Die entsprechenden Social-Media-Buttons dafür findest Du gleich hier unten unter dem Blogpost. 

Bis bald.

Das 20-Sekunden-Shooting

Neulich in einer Unterführung – der schiere Zufall.

Es war ein ganz normaler Bürotag. Im Außendienst. Ich hatte spaßeshalber für die Mittagspause meine Kamera dabei. Und ich hatte einen Kollegen dabei, der durchaus fotogen sein konnte. Wenige Tage zuvor hatte ich die erste LIVE-Sendung von Martin Krolop mit Patrick Ludolph gesehen, in der unter dem Stichwort „Tunnellicht“ auf einfachste Weise total coole Fotos entstanden.
Und dann kam er, der Tunnel. In der Mittagspause, mit Kamera dabei, und einem netten Kollegen.
Eigentlich sollte das ja nur ein schneller Test der in der LiveShow gezeigten Vorgehensweise werden. Schließlich war Mittagspause, und der Fokus lag auf Nahrungsaufnahme. Genau sechs Fotos habe ich gemacht. Den Kollegen dabei immer ein Schrittchen vorrücken lassen, aus dem Tunnel heraus in Richtung Licht. Ich wollte nachher halt mal sehen, wie sich das Licht verändert.
Und dann hat der Kollege an der lichtmäßig genau richtigen Stelle auch noch einen richtig coolen Anblick draufgehabt. Sehr geil. Portfolio-Bild in ca. 20-Sekunden Fotoshooting.
Danke, Chris, für das Foto und die Zustimmung zur Verwendung.
Danke, Patrick Ludolph für den coolen Tip.
Danke, Krolop-Gerst, für die Live-Show.