Mitunter ist es ja auch erstaunlich, wie wenig Licht man mit den heutigen Kameras braucht, um zu fotografieren. Und zwar nicht nur „für den Notfall“, sondern in wirklich ordentlicher Qualität.

Case in Point: Das Beitragsfoto oben. Entstanden bei wirklich schummeriger Beleuchtung in so ziemlich der dunkelsten Ecke der Location. Lichtquelle des warmen Hauptlichtes: eine kleine säulenartige Stehlampe mit zwei Birnen zu je 25 oder 40 Watt (ungefähr jedenfalls).

Lichtquelle des bläulichen Aufhelllichtes: Trübes Tageslicht an einem wolkenverhangenen, regnerischen Herbst-Mittag. Blau ist das Tageslicht auf dem Foto übrigens, weil ich den Weißabgleich der Kamera auf das Kunstlicht der Lampe abgestimmt habe. Macht Tageslicht automatisch schön bläulich und sorgt so für einen netten Kalt-Warm-Kontrast im Foto.

Das war’s. Mit bloßem Auge war das Set ganz schön dunkel, so dass sich in der Tat die Frage stellte, die ich zum Titel dieses Blogposts gemacht habe. Mit den richtigen Kameraeinstellungen (hier: Blende 2.8, ISO 1600, Zeit 1/200) war es zugleich überhaupt kein Problem. Ich liebe die Errungenschaften der modernen Technik…

Natürlich HÄTTE man, um mit technisch „besseren“ Werten – also vor allem geringerem ISO-Wert und kürzerer Verschlusszeit – zu fotografieren mittels zwei bis drei Blitzen oder Dauerlichtlampen die gleiche Lichtstimmung mit mehr Lichtleistung nachbauen können. Aber was für ein technischer Aufwand wäre das gewesen. Und wofür?

Denn eine Rauschreduzierung wegen der hohen Sensorempfindlichkeit war hier quasi nicht nötig. Klar, beim Pixelpeepen in 100%- Ansicht der Originaldatei sieht man ein feines Korn. Aber wer macht das schon.

Und natürlich ist das Bild nicht ganz so klar, wie bei ISO 100, Blende 5.6 und Zeit 1/1000. Aber wer sieht das schon in Facebook-Auflösung. Oder in „Full-HD“ in voller Größe auf einem 40″-Fernseher. Denn selbst „Full-HD“ bedeutet ja gerade mal 2 Megapixel. Mit anderen Worten: Für die Bilder jedes halbwegs aktuellen Kamerasensors ist reichlich Verkleinerungsreserve vorhanden. Und für die Bilder der heutigen Megapixelmonster, zu denen auch meine Nikon D800 zählt gilt das dann ja mal erst recht. Denn durch eine sachgerechte (= sinnvoll nachgeschärfte) Verkleinerung wirken Bilder ohnehin schärfer und Bildrauschen verschwindet durch das Zusammenrechnen der benachbarten Pixel sozusagen vollautomatisch.

Daher: ISO 1600 ist für mich ein SO WAS von unkritischer Wert, dass ich – sowieso im Endprodukt unsichtbares – technisches Verbesserungspotenzial absolut guten Gewissens ignorieren kann und lieber mit geringstmöglichem technischen Brimborium fotografiere. Denn je mehr Technik ich benutze, desto mehr Kapazität wird davon auch beim Fotografieren in meinen drei armen Gehirnzellen belegt. Und die behalte ich mir lieber für die Konzentration auf den Mensch vor der Kamera übrig, da sind die besser aufgehoben.

Der größte technische Aufwand bei diesem Foto war noch das Einschalten der Lampe und deren Höhenjustage. Die Lampe war nämlich ein bißchen zu klein und musste, damit das Model nicht von unten ausgeleuchtet würde, etwas erhöht aufgestellt werden. Einige Bücher aus dem Vorrat der Mietlocation kamen da wie gerufen. HIGH-TECH durch und durch also….