Du wolltest schon immer mal wissen, wie andere Fotografen es schaffen, so tolle Fotos von ihrer Katze zu machen? Heute breche ich ein Tabu und verrate Dir ALLES, was Du wissen musst, um selber zum Shootingstar der Katzenfotografie aufzusteigen. Es ist ganz einfach. Folge einfach nur den nächsten 10 Schritten, und Du wirst sehen: Alles wird gut, sogar Deine Fotos.

  1. Visualisiere Deinen Erfolg
    Ja, das ist mein absoluter Ernst: Wenn Du Dir erst mal vorstellst, dass Du Erfolg haben wirst, kommt der tatsächliche Erfolg ganz automatisch. Und das Beste ist, dass Du beim Visualisieren ganz bequem auf der Couch abhängen oder Du schon mal in Internetforen Deine zukünftigen Fans über Deinen zukünftigen Erfolg informieren kannst. Mega!
  2. Benutze eine Kamera
    Gut, das klingt jetzt erst mal etwas banal und offensichtlich. Aber Du glaubst ja gar nicht, von wie vielen Menschen ich mir vorstellen kann, dass sie auf diesen Gedanken niemals kämen. Man soll ja nie von sich auf andere schließen (oder von einem auf alle und alle gegen einen, oder so ähnlich), und schon deshalb ist dieser Ratschlag absolut unerläßlich. Außerdem ist er faktisch unwiderlegbar. Denn wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass in 100% aller Fälle mit Kamera mehr Fotos entstehen als ohne. Garantiert!
  3. Nimm den Objektivdeckel ab
    Ich habe ja lange überlegt, ob dieser Tipp mit in diese Liste hineingehört. Aber empirische Erhebungen auf breiter Basis und ebensolche langjährigen Erfahrungen haben gelehrt, dass es in Bezug auf Objektivdeckel genau drei Arten von Fotografen gibt:

    1.  die Fotografen, die sowieso nie einen Objektivdeckel drauf haben, damit sie „immer bereit“ sind – diese ersetzen den Text bei Tipp 3 bitte durch „Halte ein Staubtuch bereit, um die Frontlinse zu säubern“ und gehen dann zu Tipp 4
    2. die Fotografen, die sowieso immer daran denken, den Objektivdeckel abzunehmen, bevor sie die Kamera ans Auge heben – meinen absoluten und rückhaltlosen Glückwunsch, gehe gleich zu Tipp 4.
    3. die Fotografen, die die Kamera ans Auge heben und erstmal schwarz sehen, weil sie (wie immer) diesen dämlichen Deckel auf der Linse gelassen und sich so mal wieder vor ihrer Umwelt total zum Affen gemacht haben. Glücklicherweise haben Katzen ja kein Problem mit Affen, daher geht es gleich mal weiter zu Tipp 4.
  4. Warte auf den richtigen Moment
    Spätestens seit ‚Fluch der Karibik‘ ist ja bekannt, dass die Wahl des falschen Moments zu bedauerlichen Missgeschicken führen kann. Solltest Du zum Beispiel ein preiszukrönendes Katzenfoto machen wollen, aber schon auslösen, wenn ein Hund im Sucher zu sehen ist, war das mal ganz einfach nicht der richtige Moment. Außer, Du bist metaphorisch veranlagt, und Du willst die grundsätzliche Wesensgleichheit aller vierbeinigen Haustiere postulieren. Oder der Hund hat zuvor die Katze gefressen. Aber das sind dann auch schon die einzigen zulässigen Ausnahmen. Alle anderen haben bitte zu warten.
  5. Schnapp Dir eine Katze
    Du bist jetzt soweit. Du bist bereit, das Motiv kann kommen. Dein Zeigefinger schebt schon erwartungsfroh über dem Auslöser. Bereit herabzustoßen auf diesen Knopf, der das erste Fingerglied aus der Sicherheit seiner Verschraubung im Kameragehäuse regelrecht zu verhöhnen scheint. Solltest Du nicht zufällig schon eine Katze im Visier haben (siehe 4.) ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt, eine Katze zu suchen und sie im richtigen fotografischen Umfeld zu platzieren, damit dein Erfolg (siehe 1) auch ganz sicher eintritt.
  6. Schnapp Dir die Katze nochmal
    Du hast nicht viel Ahnung von Katzen, oder? Du glaubst doch nicht wirklich, dass eine Katze einfach mal höflich da sitzen bleibt, wo Du sie hinsetzt. Also los, auf die Füße und hinterher. Und überleg Dir schon mal, wie Du die Katze in der Fotoposition fixierst. Damit dieser Schritt ohne gröbere Unannehmlichkeiten bei der späteren Reinigung Deiner Kleidung gelingt, solltest Du außerdem einen Verbandkasten bereitlegen. Sollte die Katze fortgesetzterweise nicht kooperieren, macht das aber auch nichts. Einfach Punkt 6 wiederholen, bis einer von euch beiden keine Lust mehr hat…
  7. MACH! DAS! FOTO!
    Endlich. Es ist soweit. Die Punkt 1 bis 6 sind abgearbeitet, die Erwartungen der Fanbase (siehe 1) haben den Druck, ein Meisterwerk zu produzieren, in schier unermessliche Höhen steigen lassen. Jetzt ist die Zeit gekommen, den Damm brechen zu lassen, den Druck abzubauen, den Startschuss zu geben, nochmal in Ruhe einen Kaffee zu trinken und dann: SCHUSS! UND SIEG! DAS KATZENFOTO IST IM KASTEN!
  8. Mach das Foto nochmal. Diesmal mit Speicherkarte in der Kamera.
    Ähem. Also gut, das mit der Speicherkarte hätte ich vielleicht irgendwo vor der Nummer sieben einbauen sollen, vielleicht als Tipp 3a oder so. Meine Schuld, da hast Du völlig Recht. Aber noch ist nicht alles verloren. Schwupps, rein mit der Speicherkarte in die Kamera – NEIN, nicht die volle! Die leere natürlich! – und schon kann es wieder losgehen. Wieder ist es soweit, die Punkte 1 bis 7 …. etc…blabla… Du weißt schon: siehe Nummer 7…
  9. BEARBEITE DAS FOTO
    Es ist soweit. Die Grundlagen für das Meisterwerk sind geschaffen. Jetzt nimmst Du die noch glühende Speicherkarte aus dem qualmenden Speicherkartenschacht Deiner Kamera, schiebst sie in den Kartenleser Deines Computers und lädst das Bild in die Bearbeitungssoftware. Erschrick nicht, wenn es zunächst mal nur nach einem ganz hundsordninären, gewöhnlichen, völlig belanglosen und leicht unscharfen Foto einer nichtmal besonders hübschen Katze in gruseliger Umgebung aussieht. Wie gesagt: Das sind ja nur die Grundlagen, ein Rohdiamant sozusagen. Das kann quasi gar nicht vom Start weg gut aussehen. JETZT kommt der letzte Schliff, mit dem Du aus Deinem Foto das ultimative Meister-Katzenfoto machst:
    Eigentlich ist es ganz egal, was genau Du in der Bildbearbeitung machst. Hauptsache, es dauert mindestens 10 Stunden, es führt zu einer Bilddatei mit 23 Ebenen (davon mindestens 5 Einstellebenen und 8 mit Ebenenmaske), Du benutzt 13 verschiedene Filter aus der Abteilung „künstlerisch“ und – jetzt kommt das Wichtigste – es hat eine weiße Vignette (und zwar eine kräftige).Alternativ Du auch einfach ein HDR draus machen. Dabei wäre dann die Hauptsache, dass Du nicht so zimperlich mit den Reglern umgehst. Viel hilft viel!
  10. ZELEBRIERE DEINEN ERFOLG
    Jetzt ist die Zeit gekommen, die stehenden Ovationen Deiner Fanbase huldvoll entgegen zu nehmen. Natürlich hast Du Dein Meisterwerk umgehend in Dein Facebook-Profil hochgeladen. Ganz bescheiden versteht sich, kein großes Tamtam. Als Titel nur: „mein Katze“ oder so etwas Einfaches. Große Werke sprechen schließlich für sich selbst.
    Denk aber daran, nach 10 Stunden des Wartens auf irgendeine verdammte Reaktion mal eine Pause einzulegen, ein Nickerchen zu machen oder einen dreifachen Espresso zu trinken. Und gräme Dich nicht, wenn die Welt Dich nicht sofort mit der gebührenden Lobeswelle überrollt. Du wärst leider nicht der Erste, dessen Werk zu Lebzeiten völlig verkannt wurde. Aber glaube mir, selbst wenn das Lob der weiten Welt ausbleiben sollte: Dein Werk wird nach diesen zehn Schritten absolut einmalig sein.

SO, das war’s. Freu Dich schon mal auf Deinen künftigen Erfolg, denn dieses bisher geheime Rezept ist unfehlbar.

Und für die Unersättlichen habe ich hier noch einen Bonus-Tipp:

  • Traue niemals(!) unvoreingenommen irgendeiner dusseligen 10-Punkte-Liste, die Du im Internet findest.
    Mit einiger Wahrscheinlichkeit ist der Inhalt nämlich entweder absoluter Humbug oder besteht als belanglosen Allgemeinplätzen. Der Autor macht sich einfach nur den Umstand zunutze, dass die meisten Menschen solchen nur vermeintlich wertvollen Listen der Marke „X Punkt zum Erfolg“ sehr zugetan sind, deshalb den Link dorthin in der Hoffnung auf ein (natürlich nicht existierendes) ‚einfaches‘ Rezept zum Erfolg anklicken, und so Traffic auf die Seite tragen.
    Nicht, dass es nicht auch mal die eine oder andere fünf-bis-zehn-Punkte-Liste mit tatsächlich wertvollen Tipps oder Inhalten geben kann. Insbesondere, wenn diese Listen schlagwortartig als „Merkliste“ für ein eng begrenztes Thema dienen, dessen einzelne Punkte dann in sinnvoller Tiefe ausgeführt werden. Die traurige Wahrheit ist aber, dass die weitaus meisten dieser Listen – besonders die, die ’schnellen‘ Erfolg versprechen – oft nur aus einer sinnlosen Aneinanderreihung von inhaltslosen Banalitäten bestehen. Oder aus Schlagworten und Phrasen, die eigentlich genauer vertieft und erklärt werden müssten, wozu dann in einer solchen Liste aber gerade mal kein Platz ist. Sonst wäre es ja keine übersichtliche Liste mehr…Ich hoffe, Du verzeihst mir, dass ich Dich mit dieser Methode in meinem Blog gelockt habe. Solltest Du bis hierhin durchgehalten haben, habe ich zumindest die Hoffnung, dass ich Dich ein wenig unterhalten habe. Und wenn Du Dich – wo Du doch schon mal da bist – hier mal umsiehst, wirst Du feststellen, dass dieser Blog im Übrigen eher nicht aus Satire besteht, sondern überwiegend mit tatsächlich ernstgemeinten Ratschlägen, Tipps und Geschichten aus dem Bereich der Fotografie aufwarten kann.Viel Spaß beim Stöbern und Lesen. Und wenn Du magst, lass mir ein Feedback da, was Dir gefallen hat, was nicht, und worüber Du vielleicht gerne was lesen möchtest.

    Bis bald!

Oh, und ein „PS“ noch:
Nein, ich habe auch nicht grundsätzlich was gegen Katzen. Nette Tiere. Aus meiner Sicht Allergenträger. Dieser Artikel geht aber gar nicht gegen Katzen oder andere Tiere. Es macht sich bloß (aber nur ein bißchen) über die gelegentlich in Fotoforen verbreitete Praxis lustig, mittels Katzenfotos die Tauglichkeit von Objektiven zu ‚beweisen‘. Ich erkenne ausdrücklich an, dass es auch wirklich gute Fotos von Katzen geben kann, und wollte Dir – solltest Du anerkannter Katzenfotoprofispezialist sein – nicht auf die Füße treten. Was Du aber sowieso schon gemerkt hast, so als Profi, nicht wahr?