Vom Einzelbild zur Gruppe – Teil 2

Dieser Blogbeitrag ist die Fortsetzungen des Teil 1, in dem ich die fotografischen Überlegungen und Aspekte beleuchtet habe. Hier in Teil 2 geht es nun um die Verarbeitung der Aufnahmen in Lightroom und den Zusammenbau des Bildes in Photoshop.

Auswahl und SW-Konvertierung

Nach dem Import der Fotos in Lightroom stand natürlich erstmal die Selektion des jeweils besten Fotos eines jeden Einzelportraits an. Auf die Details hierzu – also z. B. die Werkzeuge, die LR für solche Zwecke zur Verfügung stellt, etc. – will ich an dieser Stelle nicht eingehen, dazu gibt es anderweitig hinreichend Informationen im Internet.

Wichtig für die weitere Bildverarbeitung war jedoch, dass die Bilder möglichst gleichmäßig in ein Schwarz-Weiß-Bild konvertiert wurden. Da bereits die Aufnahmen sehr gleichmäßig ausgeleuchtet waren, war das auch kein Problem. Ich habe einfach das erste selektierte Bild mittels eines Presets in SW konvertiert, und den Kontrast durch das Verschieben von Schwarz- und Weißpunkt bis an das jeweilige Limit gebracht. Wenn man in Lightroom beim Verschieben dieser Regler die <ALT>-Taste drückt, kann man sehr gut sehen, wann man da in den Grenzbereich kommt. Den Schwarzpunkt habe ich soweit abgesenkt, dass der schwarze Hintergrund rund um die Person völlig „abgesoffen“, also richtig komplett schwarz war. Soweit dabei auch größere Bereiche der Person untergingen (z. B. Schattenstellen in der Kleidung) wurden diese mittels Korrekturpinsel geringfügig wieder aufgehellt.

Die bei ersten Bild vorgenommenen Einstellungen im Bereich Belichtung und SW wurden dann auf die anderen Bilder übertragen und nötigenfalls individuell geringfügig korrigiert – eine 1:1-Übertragung von Entwicklungs-Einstellungen funktioniert ja in der Regel nicht 100%ig, jedenfalls dann nicht, wenn wie hier schon teilweise extreme Belichtungsanpassungen (Schwarzpunkt) übertragen werden.

Danach ging es dann in Photoshop weiter. Hierzu wurden die fünf Bilder in der Bibliothek von LR ausgewählt und mit der Tastenkombination <cmd><e> (bzw. <strg><e> auf einem PC) in Photoshop geöffnet.

Zusammenbau des Gruppenbildes

Nachdem alle fünf selektierten und in SW konvertierten Bilder in Photoshop geöffnet waren, habe ich das erste Bild – also das Bild der Person, die ganz vorne stehen sollte – hergenommen und erstmal den Arbeitsbereich verbreitert und etwas erhöht, damit ich Platz für die anderen vier Leute haben würde. Die neu hinzugekommenen Bildbereiche wurden mit schwarz gefüllt, indem ich eine neue Ebene unterhalb der Ebene mit der ersten Person erstellt und mit Schwarz gefüllt habe.

Hier zahlte es sich aus, dass ich in Lightroom das Schwarz um die Person herum wirklich komplett schwarz gemacht hatte, denn so gab es an der Stelle keine Probleme mit Übergängen zwischen dem Foto und dem neu hinzugefügten Schwarz in der Erweiterung des Bildes.

Dann habe ich die weiteren vier Portraitierten in das Bild eingefügt, indem ich die Ebenen aus deren Einzelbildern in mein Gruppenbild zog. Diese neuen Ebenen überdeckten sich nun natürlich gegenseitig. Um überhaupt erstmal alle Leute wieder sehen zu können, habe ich dann den Ebenenmodus der höherliegenden Ebenen von „NORMAL“ auf „AUFHELLEN“ gesetzt. Dadurch wurden nur die Bildanteile der jeweils höhergelegenen Ebene(n) eingeblendet, die heller als die darunterliegende Ebene(n) sind. Mit anderen Worten: die gesamten schwarzen Bildanteile der höher gelegenen Ebenen waren mit einem Schlag verschwunden. Nur die Personen selber, die ja im jeweiligen Bild auf alle Fälle heller als schwarz waren, wurden eingeblendet, jedenfalls dort, wo nicht Bildteile der darunterliegenden Ebene noch heller gewesen sind.

Und indem ich nun bis auf eine die vier neuen Bildebenen durch Klick auf das Auge in der Ebenenpalette ausblendete, konnte ich in aller Ruhe die zweite Person durch Verschieben der Ebene in Position bringen. Dann wurde die nächste Ebene wieder eingeblendet und ebenfalls in Position gebracht, und so weiter.

An dieser Stelle war es wichtig, dass zuerst die Anordnung der Personen und eventuelle Skalierungen wirklich passten und nicht mehr Gefahr liefen, nachträglich korrigiert werden zu müssen. Denn nun folgte der arbeits- und zeitintensivste Teil: das Ausmaskieren der sich noch überlagernden Ebenenteile. Maskiert man nämlich zuerst, bevor die Anordnung und Skalierung sitzt, macht man sich im Zweifel deutlich mehr Arbeit, weil mit jeder Korrektur der Position oder Skalierung einer Person die Ebenenmaske(n) nachgearbeitet werden müssen.

Nun ging es also daran, die noch störenden, sich überlagernden Bildanteile zu eliminieren. Dank des Ebenenmodus „Aufhellen“ ging es dabei „nur noch“ um die Bildbereiche der jeweils höherliegenden Ebene, die heller waren, als in der darunterliegenden Ebene und die in der Realität von der jeweils vorderen Person verdeckt worden wären.

die Ebenenpalette des fertigen Werkes

So bekam die zu bearbeitende Ebene eine weiße Ebenemaske verpasst, dann habe ich darin mit einem relativ großen Pinsel und schwarzer Farbe grob die Bildteile der jeweiligen Person ausmaskiert, die von der nächstvorderen Person verdeckt worden wären. Dabei habe ich zunächst auch bewußt etwas über die Kante zwischen den beiden Personen „übergemalt“, um dann im nächsten Schritt mit weißer Farbe und kleinerem Pinsel den Grenzbereich exakt zu maskieren. Das war dann natürlich eine ziemliche Feinarbeit.

Gelegentlich war es schwierig zu sagen, wo eine Person anfing und die andere aufhörte, insbesondere bei den Haaren, oder bei Kleidung mit annähernd gleicher Helligkeit. Mehrfaches Aus- und Einblenden der Ebenen half dann aber zu bestimmen, was zu wem gehörte.

Und das war es dann auch schon.

Abschließend kann ich nur noch empfehlen, ein solches Werk zwischendurch mal eine Nacht ruhen zu lassen. Insbesondere, wenn es um die Positionierung und Skalierung der Personen ging, hat mir das geholfen, das richtige Maß zu treffen. Aber auch bei der Maskierung der Ebenen kann man sich blind arbeiten. Ich habe bei einem Bild im ersten Anlauf einmal eine prächtige Lücke zwischen zwei Personen schlichtweg nicht gesehen. Erst, als ich am nächsten Tag nochmals draufgeschaut und die Ebenen zur Kontrolle mehrmals ein- und ausgeblendet habe, sprang mich der Fehler in der Maske an.

Ein paar abschließende Betrachtungen und Bemerkungen gibt’s in Teil 3.

Bis dahin!

Vom Einzelbild zur Gruppe – Teil 1

Irgendwann, irgendwo in den endlosen Weiten des Internets hatte ich es gesehen: eine Familienbild, bei dem die Protagonisten im Profil hintereinander aufgereiht waren.
Sah cool aus, das wollte ich auch probieren.

Also wurde das Bild erstmal genau unter die Lupe genommen, und schnell war klar: So dicht, wie die einzelnen Personen da „zusammenstanden“, das war mit herkömmlichen Brennweiten nicht zu bewerkstelligen, selbst wenn die Familienmitglieder dichtgedrängt hintereinander gestanden hätten. Denn der Einsatz eines Teleobjektivs komprimiert zwar die Abstände zwischen den Personen, aber ein 600er wollte ich dann doch nicht mieten, ganz zu schweigen von der dann benötigten Raumgröße.

Meine Lösung hieß also: Familienmitglieder einzeln portraitieren und dann in Photoshop zu einem Familienfoto zusammensetzen.

Oben über dem Beitrag sieht man das Ergebnis.

Um die Arbeit in Photoshop so einfach wie möglich zu gestalten, hatte ich mir folgende Punkte überlegt, die es beim Fotografieren zu beachten galt:

1. maßstabsgerechtes Abbilden

Damit alle Familienmitglieder bezüglich ihrer Proportionen im späteren Bild zueinander passen, mussten sie im gleichen Abstand von der Kamera und mit der gleichen Brennweite aufgenommen werden. Also habe ich eine Markierung auf dem Studioboden angebracht, an der sich die Familienmitglieder aufstellen sollten, die Kamera auf ein Stativ gepackt und die Brennweite nach dem ersten Einstellen nicht mehr angepackt.Das half mir dann beim Zusammensetzen des Familienfotos insofern weiter, als dass ich sicher sein konnte, dass die einzelnen Personen in den realen Größenverhältnissen zueinander im Gruppenbild waren. Allerdings hat es sich meiner Meinung nach als optisch gefälliger herausgestellt, die Größen der hinteren Personen graduell zu reduzieren. Im „echten Leben“ erscheinen weiter entfernte Dinge ja auch kleiner, als jene, die nahe am Betrachter sind.

2. gleichartige Ausrichtung

Damit die Familienmitglieder mit dem gleichen horizontalen Blickwinkel fotografiert wurden – also nicht größere Personen mehr von unten, kleinere Personen mehr von oben, sondern alle eben mit dem gleichen Blickwinkel – habe ich in Abhängigkeit von der Körpergröße des Portraitiertendie Kamera auf der Mittelsäule des Stativs leicht angehoben oder abgesenkt. Was mich zu einem weiteren Tip bringt: Fangt entweder mit eingefahrener Mittelsäule und dem kleinsten Familienmitglied an, oder bringt die Mittelsäule in eine hinreichend ausgefahrene Position, damit ihr auch Spielraum nach unten habt. Oder setzt eure Leute auf eine höhenverstellbaren Hocker, dann müsst ihr weder Blitz noch Kamera in der Höhe verstellen, sondern bringt die Leute mit dem Hocker auf Kamerahöhe.Ein anderer Punkt in diesem Bereich ist die Kopfdrehung und die Blickrichtung der Portraitierten. Um diese möglichst gleich zu halten, hatte ich einen festen Fixpunkt im Raum für die Blickrichtung vorgegeben. So waren Kopf- und Augenbewegungen als „Fehlerquelle“ weitestgehend ausgeschaltet.

3. gleichartige Ausleuchtung

Die „Fixierung“ der Familienmitglieder im Raum durch die Markierung auf dem Boden (s.o.) half zugleich, die Ausleuchtung über alle Einzelportraits gleich zu halten. Der Blitz stand in Relation zur Bodenmarkierung fest an der gleichen Stelle und blitzte mit der gleichen Leistung (und die Kameraeinstellungen habe ich natürlich auch nicht verändert). Lediglich die Höhe des Blitzkopfes wurde in Abhängigkeit von der Körpergröße des Portraitierten angepasst.Durch Beachtung dieser drei eigentlich ganz logischen Dinge war der Zusammenbau des Gruppenfotos nachher relativ problemlos. Es blieb natürlich ein wenig Maskierungsarbeit in Photoshop übrig, aber zumindest war das Basismaterial so konsistent wie möglich fotografiert und bot keinen Anlass für zusätzliche Photoshop-Kunststückchen.

Mehr zur Arbeit in Photoshop in Teil 2.

Bis dahin viel Spaß beim Fotografieren.

Passt? Passt nicht!

Also mal ehrlich: In Deutschland ist doch so ziemlich alles genormt. Hintergrundsysteme sind davon aber anscheinend ausgenommen.

Wie ich darauf komme? Ich habe gerade eine Rolle Hintergrundkarton um ziemlich genau 10cm in der Breite eingekürzt, damit ich den Karton auch mit nur 3 der 4 Querstangen meines transportablen Hintergrundsystems nutzen kann. 10cm von 272cm Gesamtbreite. Das ist doch echt nicht wahr.

Unverständlich? Ja gut, ich erklär’s etwas ausführlicher:

Ich habe für mein portables Fotostudio ein Hintergrundsystem; nichts weiter als zwei Stative, auf die man eine Querstange auflegt. Die Querstange besteht aus vier Einzelteilen die zusammengesteckt werden, damit das System überhaupt transportabel ist.

Steckt man drei der vier Einzelteile zusammen ergibt sich eine nutzbare Innenbreite zwischen den Stativen von ca. 262cm. Eine Standardrolle Hintergrundkarton ist aber 272cm breit. ARRRGH. Alle vier Teile der Querstange zusammengebaut haben dann noch einen gehörigen Puffer für breitere Hintergründe.

Und wo ist das Problem? Kann man doch einfach alle vier Teile der Querstange zusammenstecken und gut ist. Jahaaa. Kann man. Wenn genug Platz ist.

Vergangenes Wochenende war es wieder soweit: Bei den Kunden war nur Platz für drei der Querstangenelemente. Bye Bye schöner glatter Hintergrundkarton, Auftritt faltiger Bühnenmolton + Bügelorgien in Photoshop.

Ich war es satt und habe jetzt einfach mal eine Rolle weißen Hintergrundkartons so eingekürzt, dass der jetzt auch bei nur drei Elementen passt.
Vielleicht sollte ich aber sinnvollerweise mal nach einem neuen HG-System umschauen, wo der Hintergrundkarton in Standardbreite einfach so draufpasst. Gibt es nämlich. Hab ich gerade eben festgestellt. Ich zitiere: „einstellbare Breite 190 / 282 / 368 cm“. Seufz. Manchmal sollte mal halt ERST gründlich die Optionen prüfen…

Und zum Thema Falten im Stoffhintergrund mach ich demnächst mal ’nen ausführlicheren Blogpost.

Bis bald.

Fotopraxis: Crosslight

Sommerabend, so richtig mit tiefstehender Sonne der Marke „ich-bin-gleich-mal-weg“, ein Freund, der den Assistenten mimt und den Blitz hält, und natürlich Desi, eine Freundin jenes Freundes, die gerne auch schon mal vor der Kamera steht.

Das wären dann auch schon die Zutaten für dieses eigentlich einfache, aber nette, sommerliche Foto.

Wir waren im Rheinhafen Krefeld an der alten Drehbrücke verabredet. Der Rhein, die Uerdinger Brücke und die Hafengebäude bildeten den Hintergrund und schon konnte es losgehen. Desi lehnte sich gemütlich – naja jedenfalls so gemütlich es halt ging – an das Geländer oben an der Brückenzufahrt und die Sonne zauberte ihr einen wunderbaren goldenen Schimmer und Lichtkanten ins Gesicht und an den Arm. Genau in der Verlängerung der Linie Sonne-Desi stand mein Freund +Thorsten Kleemann und hielt das Licht am Stiel. Das war genauer gesagt ein portabler Studioblitz, der DC-600 von Jinbei, den ich vor nicht allzu langer Zeit bei +Foto-Morgen GmbH gekauft hatte, und der sich hier excellent bewährte. Einfach durch einen Schirm geschossen und schon war das Kreuzlicht aus Sonne und Blitz fertig.

Worauf habe ich insbesondere geachtet? Neben der Balance der Lichtintensität von Sonnenlicht und Blitzlicht vor allem auf den Einschlagwinkel des Blitzes. Der durfte nicht zu weit nach vorne kommen. Schaut mal in Desi’s linke Gesichtshäflte. Seht ihr den Schatten zwischen dem schmalen Streifen goldenen Sonnenlichtes und dem Blitzlicht, das von rechts kommt? Wäre der Blitz zu weit herum gekommen in Richtung Fotograf, wäre der Schatten kleiner geworden oder gar ganz verschwunden.

Hätte ich gerne noch etwas anders gemacht? Naja, ich hätte gerne die Blende weiter zumachen können, damit die Uerdinger Brücke noch etwas mehr verschwimmt. Aber da war dann meine Blitzsynchronzeit davor. Meine ISO war schon im Keller, meine Belichtungszeit kürzestmöglich bei 1/250 sec. . Und da das Umgebungslicht hier ja einen erheblichen Anteil an der Belichtung ausmacht, musste ich meine Belichtung hierauf eben über die Blende einstellen.

Ja ich weiß: Graufilter. Lag zu Hause. Davon ab habe ich aber eh‘ nur einen 1.000er-Graufilter, also 10 Blenden Abdunklung; das wäre dann vielleicht doch etwas zuviel des Guten gewesen. Vielleicht sollte ich mal einen leichteren Filter auf meine ewige Foto-Wunschliste setzen….

Bis bald.

Vom Formatwechsel

Das Sensorformat. Unerschöpflicher Quell endloser Diskussionen über die Vorzüge und Nachteile des größeren gegenüber dem kleineren Sensor, egal ob sachlich korrekt, eingebildet oder im konkreten Anwendungsfall überhaupt relevant. Wobei in aller Regel eher über die Vorzüge des größeren Sensors geredet wird, und eine gewisse Grundeinigkeit darüber zu bestehen scheint, dass die Formel „größer“ = „besser“ absolute Gültigkeit habe.

Mythen ranken sich um die besseren Leistungen bei hohen Lichtempfindlichkeiten – wobei deren Abhängigkeit von der Pixeldichte und damit Pixelgröße und der Aktualität der Signalverarbeitungsmaschinierie In der Kamera gern dezent ausgeblendet wird – und um den ganz anderen Look & Feel der Bilder, insbesondere durch die viel krassere Freistellung bei Offenblende.

Naja.

Letztlich ist die Sensorgröße einer Kamera doch einfach nur eine Eigenschaft, die sich lediglich in Abhängigkeit vom Einsatzgebiet – vorzugsweise Grenzbereichen wie extremer Offenblende – visuell bemerkbar macht. Immer bemerkbar machen sich dagegen die größeren, schwereren und im Zweifel teureren Objektive, die man zur Abdeckung des größeren Sensors benötigt. Und zwar durch das Verbiegen der Schulter via Kameragurt/Tasche sowie in Form größerer Löcher auf dem Bankkonto.

Also: größeres Format immer = „besser“??

Die „besseren Leistung bei hohen ISO-Werten kann man m.E. getrost außen vor lassen. Erstens interessiert Bildrauschen sowieso nur Fotografen und sonst kein Schwein wirklich niemanden, zweitens sind alle Kameras mit einem einigermaßen großen Sensor da inzwischen auf einem superhohen Niveau, und drittens müsste man bei solche Vergleichen eigentlich die Pixeldichte pro Quadratzentimeter Sensorfläche und die Verarbeitungsmaschinerie berücksichtigen. Also: raus aus der Betrachtung.
Bei der Freistellung sieht das etwas anders aus: Ja, ich kann mit dem größeren Sensorformat bei gleichem Blendenwert und gleicher Brennweite eine bessere Freistellung erzielen. Vorteilhaft wäre es dabei aber, dass es mir meine fotografischen Fertigkeiten und mein Motiv erlauben, dann noch korrekt auf den Punkt zu fokussieren, und nicht das Bild insgesamt von einer korrekt sitzenden Schärfe freizustellen.

Die Kernfragen sind demnach:
1. Brauche ich wirklich diese Freistellungsmöglichkeit?
2. Kann ich damit auch umgehen?
3. Nehme ich die negativen Folgen (Gewicht, Preis) des größeren Formats in Kauf?

Bei mir lauteten die wirklich ehrlichen Antworten auf diese Fragen:
1. Nö.
2. Joa, möglicherweise.
3. Klaro!

Ihr seht, meine Entscheidung zum Formatwechsel war absolut geprägt von der vernunftgetriebenen Haltung, die ich oben in diesem Post skizziert habe und keinesfalls von einem triebgesteuerten „Haben-Wollen-Faktor“.
Glücklicherweise kam aber noch was anderes dazu, nämlich die Produktpalette des Herstellers.
Als ich im letzten Herbst die Entscheidung traf, es müsse meiner Halbformatkamera Nikon D300s ein ausstattungs- und handlingmäßig möglichst gleichartiges Kameragehäuse nachfolgen, damit ich selber über zwei kompetente Kameras verfüge und bei entsprechenden Anlässen nicht zwangsläufig auf geliehene Geräte angewiesen bin, hatte ich letztlich genau die Wahl zwischen einer weiteren D300s und der Vollformatkamera D800.

Auch wenn die D300s funktions- und bedienungsmäßig alles hatte/hat, was ich an einer Kamera jemals brauchen würde/werde, schied der Kauf einer weiteren D300s schon aufgrund der Weiterentwicklungen der Sensortechnologie aus. Denn die D300s ist einem Kameramodell aus 2009 mit Sensor- und Signalverarbeitungstechnologie aus 2007(!). Da lagen dann im Herbst 2013 richtige Generationen dazwischen. Warum Nikon bis jetzt immer noch keinen echten Nachfolger für dieses rasend beliebte Modell auf den Markt geworfen hat, erschließt sich mir echt nicht. Aber das ist ein ganz anderes Thema.

Und ja, ich weiß, es hätte noch andere, meiner alten D300s in Sachen Bildqualität (jedenfalls in Sachen Rauschen bei hohen ISO-Werten) allein durch Zeitablauf ebenfalls haushoch überlegene Kameras gegeben. Die hätten dann aber ein deutlich anderes Layout der Bedienelemente gehabt, so dass ein flüssiger Wechsel zwischen den Kameras (z.B. auf einer Hochzeit) erschwert worden wäre. Das habe ich mit einer D7100 als Backup-Kamera auf einer Hochzeit ausprobiert. Da habe ich dann lieber an meiner D300s Objektive gewechselt.

Ich jedenfalls hatte sozusagen einen echt objektiven Vernunftgrund, die D800 zu kaufen.

Inzwischen, nach einem 3/4-Jahr Übung mit der D800, lauten die Antworten bei mir übrigens:
1. Oft nicht, aber wenn, isses schon schön.
2. Es wird.
3. Der Preis ist lange vergessen.
Aber ich fotografiere irgendwie immer öfter mit meinen Festbrennweiten,
habe den Batteriegriff nur in begründeten Ausnahmefällen dran und
wähle sehr sorgfältig aus, welche Objektive ich so zusätzlich mitnehme…

Bis bald.

Die Geschwindigkeit eines beschaulichen Sonnenuntergangs

Sieht doch ganz ruhig und beschaulich aus, oder? Schön die Sonne hinter der Tauchgondel an der Seebrücke von Zingst platziert und dann die eine oder andere 30-Sekunden Belichtung auslösen. Und weil jede Langzeitbelichtung ja einen genauso lang dauernden Dunkelbildabzug zur Rauschreduzierung nach sich zieht (jedenfalls bei meiner Kamera, sofern man das nicht ausschaltet), kann der Fotograf ganz in Ruhe die Szene live genießen.
Dachte ich. So ähnlich, jedenfalls.
Wenn man nämlich die Sonne wie im Bild oben an einem ganz bestimmten Fixpunkt zwischen Fotograf und Sonne platzieren möchte, müssen diese drei Elemente (Sonne, Fixpunkt, Fotograf) ja möglichst exakt in einer Linie sein. Und dann merkt man erstmal, wie schnell sich die Sonne bei ihrem Untergang auch in der Horizontalen bewegt. Und weil dass so ist, und ich weder die Sonne festtackern noch die Seebrücke verschieben konnte, musste ich halt selber den Strand entlang spurten, um die Sonne wieder hinter die Tauchgondel zu bekommen. Was also im Detail bedeutet: Stativ mit Kamera aufnehmen, Tasche schnappen (dabei möglichst keinen Sand in die Tasche schleudern), neue Position aufsuchen, Stativ und Tasche an neuer Position absetzen, Graufilter runter, Stativkopfklemmung lösen, Bildausschnitt festlegen, auf Ausrichtung achten, Stativkopfklemmung anziehen, fokussieren, Graufilter wieder drauf, Aufnahme auslösen. Gelegentlich noch Belichtung korrigieren…
Spätestens nach dem dritten Positionswechsel hatte ich dann gewisse zeitliche Optimierungen eingeübt (Strand entlang laufen, Stativ absetzen und Graufilter abschrauben geht auch, während die Kamera noch den Dunkelbildabzug vom vorherigen Bild macht). Und den nächsten Standpunkt hatte ich bereits so ausgesucht, dass die Sonne noch leicht links von der Mitte der Tauchgondel war. Trotzdem war meist mehr als ein Foto von der gleichen Stelle am Strand nicht drin, ohne dass die Sonne schon wieder die Mitte der Tauchgondel hinter sich gelassen hatte. Wie z.B. im oben gezeigten Bild.
Ruhig den Sonnenuntergang genießen und dabei auch fotografieren geht irgendwie anders. Aber Spaß macht so ein kleiner Wettlauf mit der Sonne trotzdem. Trotz der belustigten Blicke der Leute, die einfach nur so – erstaunlicherweise ganz ohne Kamera – am Strand waren, um den Sonnenuntergang zu genießen.

Das 20-Sekunden-Shooting

Neulich in einer Unterführung – der schiere Zufall.

Es war ein ganz normaler Bürotag. Im Außendienst. Ich hatte spaßeshalber für die Mittagspause meine Kamera dabei. Und ich hatte einen Kollegen dabei, der durchaus fotogen sein konnte. Wenige Tage zuvor hatte ich die erste LIVE-Sendung von Martin Krolop mit Patrick Ludolph gesehen, in der unter dem Stichwort „Tunnellicht“ auf einfachste Weise total coole Fotos entstanden.
Und dann kam er, der Tunnel. In der Mittagspause, mit Kamera dabei, und einem netten Kollegen.
Eigentlich sollte das ja nur ein schneller Test der in der LiveShow gezeigten Vorgehensweise werden. Schließlich war Mittagspause, und der Fokus lag auf Nahrungsaufnahme. Genau sechs Fotos habe ich gemacht. Den Kollegen dabei immer ein Schrittchen vorrücken lassen, aus dem Tunnel heraus in Richtung Licht. Ich wollte nachher halt mal sehen, wie sich das Licht verändert.
Und dann hat der Kollege an der lichtmäßig genau richtigen Stelle auch noch einen richtig coolen Anblick draufgehabt. Sehr geil. Portfolio-Bild in ca. 20-Sekunden Fotoshooting.
Danke, Chris, für das Foto und die Zustimmung zur Verwendung.
Danke, Patrick Ludolph für den coolen Tip.
Danke, Krolop-Gerst, für die Live-Show.

Was bin ich?

Wer kennt sie nicht, die Knaller-Show vergangener Jahrzente, in der nebem dem Auswählen des Schweinderls das Umklappen der Fragennummer den Höhepunkt der Aktivität der Fernsehshow darstellte und bei der man mit atemloser Spannung abwartete, ob das hochgradig besetzte Rateteam nun wirklich den Beruf des Kandidaten innerhalb der verfügbaren 10 Fragen herausfand oder nicht.

Wie, was, keine Ahnung wovon ich spreche schreibe?

Einfach mal nach Robert Lembke googeln (schreibt man das so?) und dem Charm von Fernsehshows vergangener Jahrhunderte nachspüren; damals, als man ganze drei Fernsehprogramme hatte und zum Umschalten aufstehen und einen Knopf am Fernsehgerät drücken musste. Damals, kurz vor meiner Kindheit, als die Dinosaurier noch… ach ist ja auch egal.

Hier geht’s ja nicht um mein Alter und Rheumadecken, sondern der Hintergrund der Frage ist schon ernst gemeint:

Was bin ich? Hobbyfotograf? Amateurfotograf? Semiprofi-Fotograf? Profi?

Ich habe mich lange damit schwer getan zu sagen, ich sei Fotograf. Einfach nur Fotograf, ohne Zusatz, ohne Schnörkel, ohne zu relativieren.

Denn einerseits lebe ich nicht von der Fotografie, also bin ich ja kein „Profi“.
Zudem ist die Fotografie seit vielen Jahren mein Hobby, und dass ich jetzt gelegentlich für’s Fotografieren bezahlt werde, finanziert dieses Hobby. Also bin ich doch „Hobbyist“ oder „Amateur“?
Anderesreits gebe ich jedesmal mein Bestes, wenn ich fotografiere. Ich habe dank Internet, Büchern und Workshops ein gesundes Fachwissen angehäuft und benutze die Werkzeuge, die nötig und verläßlich sind, auch wenn die im Einzelfall einen echten Haufen Geld kosten. Also bin ich vielleicht „Semi-Profi“?

Letztlich habe ich mich davon überzeugen lassen, dass das völlig egal ist. Ich fotografiere, also bin ich „Fotograf“. Ob professionell oder nicht soll dann der geneigte Betrachter meiner Bilder für sich selbst entscheiden.

Dass ich auf meiner Website doch noch darauf hinweise, dass ich diesem Treiben nebenberuflich nachgehe, hat letztlich den Hintergrund, dass potenzielle Kunden – so sie denn diese Seite überhaupt lesen – direkt einen Hinweis darauf bekommen, dass Termine an einem Werktag-Vormittag im Zweifel eher nicht zustandekommen werden.

Also, wenn ihr mich jetzt fragt, bin ich Fotograf. Auch wenn ich mir heimlich doch immer noch Gedanken darüber mache, ob das nicht einen Anmaßung ist, weil ja „echte“ Profifotografen sich täglich mit der Fotografie auseinandersetzen und daher viel mehr Erfahrung als ich … egal. 

Fotograf.
Punkt.

Bis bald.

Oh Gott, ich blogge.

Tja nun, jetzt ist es soweit. Alle Welt redet einem ein, dass nur wer blogge wirklich Webpräsenz hat und damit Traffic auf der eigenen Homepage erzeugen könne, um so letztlich Kunden zu gewinnen.

Das mach‘ ich jetzt auch.

Brauch ich das? Naja, als „Weekend-Warrior“ im Bereich Fotografie – also jemand, der nicht seinen Lebensunterhalt mit der Fotografie verdient, sondern Fotografie nur am Wochenende betreibt, um sein schönes aber teures Hobby zu bezahlen – warscheinlich nicht unbedingt, aber, um mal einen in der deutschen Fotoszene bekannten Hamburger zu zitieren „Haben ist besser als brauchen“ und vielleicht gilt das ja auch für ein Blog.

Jetzt schau ich erstmal, dass ich dem Blog hier Format(ierung) gebe und verstehe, wie die Technik vor den Kulissen funktioniert.

Bis bald!