Sieht doch ganz ruhig und beschaulich aus, oder? Schön die Sonne hinter der Tauchgondel an der Seebrücke von Zingst platziert und dann die eine oder andere 30-Sekunden Belichtung auslösen. Und weil jede Langzeitbelichtung ja einen genauso lang dauernden Dunkelbildabzug zur Rauschreduzierung nach sich zieht (jedenfalls bei meiner Kamera, sofern man das nicht ausschaltet), kann der Fotograf ganz in Ruhe die Szene live genießen.
Dachte ich. So ähnlich, jedenfalls.
Wenn man nämlich die Sonne wie im Bild oben an einem ganz bestimmten Fixpunkt zwischen Fotograf und Sonne platzieren möchte, müssen diese drei Elemente (Sonne, Fixpunkt, Fotograf) ja möglichst exakt in einer Linie sein. Und dann merkt man erstmal, wie schnell sich die Sonne bei ihrem Untergang auch in der Horizontalen bewegt. Und weil dass so ist, und ich weder die Sonne festtackern noch die Seebrücke verschieben konnte, musste ich halt selber den Strand entlang spurten, um die Sonne wieder hinter die Tauchgondel zu bekommen. Was also im Detail bedeutet: Stativ mit Kamera aufnehmen, Tasche schnappen (dabei möglichst keinen Sand in die Tasche schleudern), neue Position aufsuchen, Stativ und Tasche an neuer Position absetzen, Graufilter runter, Stativkopfklemmung lösen, Bildausschnitt festlegen, auf Ausrichtung achten, Stativkopfklemmung anziehen, fokussieren, Graufilter wieder drauf, Aufnahme auslösen. Gelegentlich noch Belichtung korrigieren…
Spätestens nach dem dritten Positionswechsel hatte ich dann gewisse zeitliche Optimierungen eingeübt (Strand entlang laufen, Stativ absetzen und Graufilter abschrauben geht auch, während die Kamera noch den Dunkelbildabzug vom vorherigen Bild macht). Und den nächsten Standpunkt hatte ich bereits so ausgesucht, dass die Sonne noch leicht links von der Mitte der Tauchgondel war. Trotzdem war meist mehr als ein Foto von der gleichen Stelle am Strand nicht drin, ohne dass die Sonne schon wieder die Mitte der Tauchgondel hinter sich gelassen hatte. Wie z.B. im oben gezeigten Bild.
Ruhig den Sonnenuntergang genießen und dabei auch fotografieren geht irgendwie anders. Aber Spaß macht so ein kleiner Wettlauf mit der Sonne trotzdem. Trotz der belustigten Blicke der Leute, die einfach nur so – erstaunlicherweise ganz ohne Kamera – am Strand waren, um den Sonnenuntergang zu genießen.