Mein Irrtum über Instagram

Instagram. Das ist doch diese Plattform wo Unmengen von Handyschnappschüssen hochgeladen werden. Und als wäre das noch nicht Grund genug, dieses spezielle soziale Netzwerk zu meiden, werden diese Schnappschüsse dann auch noch mittels hochgradig merkwürdig zusammengestellter Ein-Klick-Filter verschönert.

Das jedenfalls war bis vor kurzem meine Sicht auf Instagram. Ich kann noch nicht einmal sagen, dass sie auf eigener Anschauung beruhte. Mit wenigen Ausnahmen – die allerdings allesamt in das oben gezeichnete Klischee passten – hatte ich noch keine Einblicke in Instagram erhalten. Woher meine Vorverurteilung von Instagram also kam, kann ich nicht genau sagen. Jedenfalls nicht aufgrund der wirklichen Faktenlage.

Denn kürzlich habe ich mich bei Instagram angemeldet (klick mich) und festgestellt, dass dort eine ganze Menge wirklich erstklassiger Fotografie gezeigt wird. Ja, es gibt auch tatsächlich die meinem Vorurteil entsprechenden Schnappschüsse, teils sogar in den schillerndsten Farben. Das Schlüsselwort an dieser Stelle ist aber halt das Wörtchen „auch“. Daneben gibt es aber zuhauf richtig gute Fotografie, die zwar über das Smartphone hochgeladen wird, aber offenkundig zuvor professionell angefertigt wurde. Das Smartphone ist in diesen Fällen nicht zugleich das Aufnahmemedium, sondern nur die Vermittlungsstelle zwischen den Fotos und dem Instagram-Account. Denn das ist nach wie vor so: Man kann ein Instagram-Profil zwar auch im Internetbrowser anschauen, Bilder hochladen und den vollen Funktionsumfang nutzen geht ausschließlich über Smartphone- bzw. Tablett-Apps.

Was meinen Sinneswandel ausgelöst hat?

Nun, ich schaue (edit: schaute) gelegentlich in die Fotografie-Talkshow „The Grid“ von und mit Scott Kelby rein. Und eine der Folgen dieses Podcasts befasste sich halt mit Instagram, und räumte mit meiner bisherigen Anschauung über diese Plattform gründlich auf.

Das aus meiner inzwischen aktualisierten Sicht Interessante sind – neben der Schlichtheit der Bedienung – die Möglichkeiten, die eigenen Fotos über Hashtags gezielt zum passenden Publikum zu bringen. Auf diese Weise kann man im Zweifel auch potenziellen Kunden begegnen. Anscheinend tummeln sich – diesen Eindruck macht jedenfalls mein Feed – auf Instagram eine ganze Menge Dienstleister aus der Hochzeits-Industrie und eben auch deren Kunden. Mit ein paar gezielten Hashtags kann man da eigentlich ganz gut auf sich aufmerksam machen.

Daneben sind als eigene Inspirationsquelle auch die diversen “Repost”-Seiten ganz interessant. Hier sammeln – anscheinend zu jedem nur denkbaren Thema – die Betreiber von Instagram-Accounts Bilder anderer Instagramer und reposten diese (meist inklusive Markierung der Urheber und Beteiligten) auf ihrem Account. Im Prinzip entstehen so von Editoren geführte thematische Sammlungen, die ja nach Güte und Thema auch eine sehr hohe Aufmerksamkeit der Instagram-Gemeinde erhalten. Da macht es natürlich Sinn, geeignete Fotos durch entsprechende Hashtags diesen Editoren zur Aufmerksamkeit zu empfehlen.
Desweiteren nutze ich Instagram auch um auf meine Blogposts hinzuweisen. Ich bin gespannt, ob sich dadurch ein Zuwachs in der Leserschar ergibt, das bleibt noch abzuwarten.

Nunja, im Moment stehe ich in Sachen Instagram noch ziemlich am Anfang. Aber es macht Spaß, und man sieht eine Menge interessante und richtig gute Fotos – und als Fotograf trifft man hier auf viele Kollegen, Modelle und (vermutlich) einen weiteren Ausschnitt potenzieller Kundschaft.

Solltest Du daher noch nicht auf Instagram aktiv sein, aber Interesse an Fotografie haben, wäre es vielleicht keine ganz schlechte Idee, da einfach mal reinzuschauen. Man muss ja keinen öffentlichen Account führen, sondern kann dies auch “privat” halten und über jede Follower-Anfrage individuell entscheiden. Und vor allem MUSS man ja auch nicht die allzu schrägen Farbfilter benutzen. Im Zweifel geht es auch ganz ohne. Wobei der eine oder andere Filtereffekt schon ganz schön ist.

Also: Würde mich freuen, Dich demnächst auch auf Instagram zu treffen.  HIER ist mein Profil-Link.

über farbige Hintergründe

Du kennst das vielleicht: Standardmäßig hat man ja im Fotostudio einen schwarzen und einen weißen, vielleicht auch noch einen grauen Hintergrund. Schön neutral, lenkt nicht vom Modell ab, und so weiter. Sehr sinnvoll. Grundsätzlich.

Was aber, wenn man in einem Foto aus dieser Monochromie mal ausbrechen möchte und es mal bunt treiben will?

Zum Beispiel mit einem satt blauen Hintergrund, weil der sich als Komplementärfarbe von den hiesigen Hauttönen so schön absetzt – so wie auf dem beiliegenden Foto.

Klar, es gibt eine ganze Reihe verschiedener Farbtöne für Hintergrundkartons. Kann man kaufen, muss man aber im Zweifel nicht.

Ein kleines Päckchen Farbfilterfolien für den Blitz tut es manches Mal auch. Denn wenn ich meinen grundsätzlich weiß leuchtenden Blitz durch eine blaue Filterfolie schicke, wird dessen Licht was? Genau, blau. Und trifft nun mein blaues Licht auf einen weißen Hintergrund wird der halt auch blau. Genau so habe ich das für das Foto hier gemacht.

Die beiden Modelle stehen ziemlich direkt vor einem großen, weißen Diffusor – also einem durchscheinenden weißen Tuch.
Dahinter steht mit etwas Abstand ein Blitz auf einem Stativ, der mit einer dunkelblauen Farbfilterfolie versehen ist. Der Blitz leuchtet – durch einen Durchlichtschirm als erste Diffusionsebene – den im Foto sichtbaren Hintergrund (das Diffusortuch) von hinten mit blauem Licht an. Et voilá: mein leuchtend(er) blauer Hintergrund ist fertig.

Es gibt da nur eine weitere Sache, auf die Du dann noch achten musst: Für die Beleuchtung der Person(en) vor dem schön blauen Hintergrund nimmst Du jetzt bitte keinen Durchlichtschirm oder andere Lichtformer mit der Richtcharakteristik einer Blendgranate. Denn jegliches Streulicht Deines Hauptlichtes, dass auf die Vorderseite des Hintergrunds fällt, dezimiert dessen schöne kräftige Farbe. Im vorliegenden Fall würde aus dem kräftigen, strahlenden Blau in ein verwaschenes schmutziges blaugrau werden. Nix gut! Jedenfalls dann nicht, wenn genau dieser Farbton nicht Dein Ziel ist.
Deshalb unbedingt mit Lichtformern arbeiten, die eine kontrollierte Lichtsetzung ermöglichen – hier war das eine Softbox mit Wabe, deren Leuchtfläche nahezu im rechten Winkel zum Hintergrund ausgerichtet war. So gelangte so gut wie kein Streulicht auf den Hintergrund.

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Und um dem Farbschema das Krönchen aufzusetzen, kannst Du noch überlegen, dem Hauptlicht ebenfalls einen kleinen Farbfilter zu verpassen – in meinem Fall war das ein 1/4 oder 1/2 CTO-Filter (“convert to orange” oder “color temperature orange”), also ein nur leicht orangefarbener Filter.

Zur besseren Visualisierung habe ich noch eine meiner berüchtigten Skizzen eingefügt. Ich bilde mir ja immer noch ein, dass sie dem Verständnis dienlich sind, wenn man erstmal den Schock hinsichtlich meiner Zeichenkünste überwunden hat…..

Im Ergebnis aber bleibt festzuhalten, dass Du mit einer kleinen Handvoll Farbfilterfolien – ich habe mir da zum Beispiel für die Systemblitze mal das Filter-Set von Rogue (Amazon-Link) geholt – im Prinzip Hintergründe in jeder gewünschten Farbe erstrahlen lassen kann.

Es muss auch nicht zwingend ein Diffusor sein, der von hinten bestrahlt wird. Ich habe genauso gut meinen mittelgrauen Hintergrundkarton durch Anblitzen von vorne eingefärbt. Ich muss halt nur irgendwie gewährleisten können, dass das Licht für das Modell nicht – oder jedenfalls nicht zu sehr – auf den Hintergrund streut und so die schöne Farbe wieder zunichte macht.
Großzügige Räumlichkeiten und hohe Decken sind dabei natürlich von Vorteil, weil ich ganz einfach das Streulichtrisiko durch größere Abstände zwischen Modell (und damit auch den hierfür zuständigen Leuchten) und Hintergrund minimieren kann. Das obige Foto wurde aber in ausgesprochen beengten Verhältnissen gemacht. Das geht also auch.

Alternativ steht Dir aber natürlich nach wie vor die komplette Palette farbiger Hintergrundkartons (oder -Stoffe) zur Verfügung.
Oh, und so ein Blogbeitrag kann (und soll) auch gerne geteilt werden. Das wiederum würde insbesondere mich sehr freuen.

künstliches Fensterlicht

Ich mag ja Fensterlicht.Wenn ein hinreichend großes Fenster verfügbar und draußen in irgendeiner Form Tageslicht vorhanden ist, die Sonne aber nicht direkt in ‘mein’ Fenster herein scheint, und dann noch die Umgebung des Fensters fotografisch nutzbar ist. Dann ist Fensterlicht oft eine herrliche Angelegenheit zum unbeschwerten Fotografieren.

Was aber, wenn das Shooting im Winter abends stattfindet? Oder sonst eine der oben aufgezählten Voraussetzungen nicht passt?

Muss ich dann auf mein geliebtes Fensterlicht verzichten?

Antwort: JA und NEIN.

JA, denn von Blitzsynchronzeiten und Blitzlichtgeraffel befreites Fotografieren ist dann passé. Dieser Vorteil des Fensterlichts ist dan wirklich weg. Aber zugleich lautet die Antwort auch:

NEIN, denn ich kann mir künstliches Fensterlicht an jeder beliebigen Stelle in jedem beliebigem Raum aufbauen. Dazu braucht es nicht sehr viel an Material und auch nicht unbedingt sehr viel Platz.

Es reicht ein mittelgroßer Diffusor, also im Prinzip ein aufgespanntes, weißes, lichtdurchlässiges Stück Stoff, das von der Rückseite aus mit einem Blitzlicht befeuert wird. Der Diffusor ist sozusagen meine Fensterscheibe, das Blitzlicht die Sonne. Mit “Rückseite des Diffusors” meine ich natürlich die Seite, auf der NICHT das Model steht.

Um nun die Lichtverteilung auf meinem Diffusor möglichst flächig zu halten und keine Hotspots zu produzieren, empfiehlt es sich, das Blitzlicht bereits an der Quelle schon einmal zu streuen. Zum Beispiel, indem Du den Blitz durch eine Softbox oder einen Schirm (oder gar beides) schießt. Oder, indem Du den Blitz vom Diffusor weg richtest und sein Licht von einer vorteilhafterweise nahegelegenen weißen Wand reflektieren und so auf die Rückseite des Diffusors fallen lässt. Da führen wieder viele Wege nach Rom.

Ziel des ganzen ist jedenfalls, den Diffusor – mein Fenster – annähernd gleichmäßig zu beleuchten. Der Diffusor streut das Licht dann seinerseits noch einmal, bevor es auf das Model trifft.

Bei dem Homeshooting mit Daniela habe ich mit dieser Technik gearbeitet.

Als Diffusor war ein PRO-Reflektorrahmen der Firma California Sunbounce mit einer 2/3-Diffusorbespannung im Einsatz. Der stand aufrecht mit seiner Unterkante auf dem Fußende vom Bett und wurde von Stativen mit den passenden Halteklammern gehalten. Hinter dem Reflektor hatte ich einen Kompaktblitz positioniert, der durch eine 60x60er Softbox von Lastolite blitzte. Diese Lichtquelle zielte aus ca. 1 Meter Entfernung auf die Mitte des Diffusors. Das ergab auf der gesamten Diffusorfläche ein annähernd gleichmäßig helles Licht. Und das wiederum ergab dann ein wunderbar weiches, schnell in Schatten abfallendes Licht auf Daniela, siehe oben.

Hier noch eine kleine Skizze vom Aufbau:

Übrigens: Nein, es muss natürlich nicht zwingend so ein eher teurer Sunbounce-Diffusor sein. Ich finde diese Reflektoren halt gut (warum das so ist, hatte ich hier mal aufgeschrieben) und habe inzwischen das eine oder andere Teil aus deren Produktion, so dass ich sie dann auch gerne benutze. Aber im Prinzip würde hier auch ein simples Stück Stoff funktionieren. Vorausgesetzt, es ist eben in ähnlicher Form lichtdurchlässig. Oder das Diffusor-Innenleben eines (größeren) 5in1-Reflektors.

Das ändert nichts am Prinzip.

Und noch ein “Übrigens”: Ja, möglicherweise hätte ich den gleichen Effekt allein mit einer wirklich großen Softbox erreichen können. Hätte den Aufbau nochmals vereinfacht: Einfach die 150cm-Octabox auf einen Studioblitz geschnallt und auf das Stativ gepackt. Das wäre sicherlich auch eine gute Lösung gewesen. ABER zum Einen wollte ich gezielt die oben beschriebene Lösung einmal ausprobieren, zum Anderen war vor Ort ganz einfach nicht genug Platz für die 150er Octabox. Denn das Shooting fand in ziemlich beengten Verhältnissen statt, wie Du hier nachlesen kannst.

in 10 Schritten zum perfekten Katzenfoto

Du wolltest schon immer mal wissen, wie andere Fotografen es schaffen, so tolle Fotos von ihrer Katze zu machen? Heute breche ich ein Tabu und verrate Dir ALLES, was Du wissen musst, um selber zum Shootingstar der Katzenfotografie aufzusteigen. Es ist ganz einfach. Folge einfach nur den nächsten 10 Schritten, und Du wirst sehen: Alles wird gut, sogar Deine Fotos.

  1. Visualisiere Deinen Erfolg
    Ja, das ist mein absoluter Ernst: Wenn Du Dir erst mal vorstellst, dass Du Erfolg haben wirst, kommt der tatsächliche Erfolg ganz automatisch. Und das Beste ist, dass Du beim Visualisieren ganz bequem auf der Couch abhängen oder Du schon mal in Internetforen Deine zukünftigen Fans über Deinen zukünftigen Erfolg informieren kannst. Mega!
  2. Benutze eine Kamera
    Gut, das klingt jetzt erst mal etwas banal und offensichtlich. Aber Du glaubst ja gar nicht, von wie vielen Menschen ich mir vorstellen kann, dass sie auf diesen Gedanken niemals kämen. Man soll ja nie von sich auf andere schließen (oder von einem auf alle und alle gegen einen, oder so ähnlich), und schon deshalb ist dieser Ratschlag absolut unerläßlich. Außerdem ist er faktisch unwiderlegbar. Denn wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass in 100% aller Fälle mit Kamera mehr Fotos entstehen als ohne. Garantiert!
  3. Nimm den Objektivdeckel ab
    Ich habe ja lange überlegt, ob dieser Tipp mit in diese Liste hineingehört. Aber empirische Erhebungen auf breiter Basis und ebensolche langjährigen Erfahrungen haben gelehrt, dass es in Bezug auf Objektivdeckel genau drei Arten von Fotografen gibt:

    1.  die Fotografen, die sowieso nie einen Objektivdeckel drauf haben, damit sie “immer bereit” sind – diese ersetzen den Text bei Tipp 3 bitte durch “Halte ein Staubtuch bereit, um die Frontlinse zu säubern” und gehen dann zu Tipp 4
    2. die Fotografen, die sowieso immer daran denken, den Objektivdeckel abzunehmen, bevor sie die Kamera ans Auge heben – meinen absoluten und rückhaltlosen Glückwunsch, gehe gleich zu Tipp 4.
    3. die Fotografen, die die Kamera ans Auge heben und erstmal schwarz sehen, weil sie (wie immer) diesen dämlichen Deckel auf der Linse gelassen und sich so mal wieder vor ihrer Umwelt total zum Affen gemacht haben. Glücklicherweise haben Katzen ja kein Problem mit Affen, daher geht es gleich mal weiter zu Tipp 4.
  4. Warte auf den richtigen Moment
    Spätestens seit ‘Fluch der Karibik’ ist ja bekannt, dass die Wahl des falschen Moments zu bedauerlichen Missgeschicken führen kann. Solltest Du zum Beispiel ein preiszukrönendes Katzenfoto machen wollen, aber schon auslösen, wenn ein Hund im Sucher zu sehen ist, war das mal ganz einfach nicht der richtige Moment. Außer, Du bist metaphorisch veranlagt, und Du willst die grundsätzliche Wesensgleichheit aller vierbeinigen Haustiere postulieren. Oder der Hund hat zuvor die Katze gefressen. Aber das sind dann auch schon die einzigen zulässigen Ausnahmen. Alle anderen haben bitte zu warten.
  5. Schnapp Dir eine Katze
    Du bist jetzt soweit. Du bist bereit, das Motiv kann kommen. Dein Zeigefinger schebt schon erwartungsfroh über dem Auslöser. Bereit herabzustoßen auf diesen Knopf, der das erste Fingerglied aus der Sicherheit seiner Verschraubung im Kameragehäuse regelrecht zu verhöhnen scheint. Solltest Du nicht zufällig schon eine Katze im Visier haben (siehe 4.) ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt, eine Katze zu suchen und sie im richtigen fotografischen Umfeld zu platzieren, damit dein Erfolg (siehe 1) auch ganz sicher eintritt.
  6. Schnapp Dir die Katze nochmal
    Du hast nicht viel Ahnung von Katzen, oder? Du glaubst doch nicht wirklich, dass eine Katze einfach mal höflich da sitzen bleibt, wo Du sie hinsetzt. Also los, auf die Füße und hinterher. Und überleg Dir schon mal, wie Du die Katze in der Fotoposition fixierst. Damit dieser Schritt ohne gröbere Unannehmlichkeiten bei der späteren Reinigung Deiner Kleidung gelingt, solltest Du außerdem einen Verbandkasten bereitlegen. Sollte die Katze fortgesetzterweise nicht kooperieren, macht das aber auch nichts. Einfach Punkt 6 wiederholen, bis einer von euch beiden keine Lust mehr hat…
  7. MACH! DAS! FOTO!
    Endlich. Es ist soweit. Die Punkt 1 bis 6 sind abgearbeitet, die Erwartungen der Fanbase (siehe 1) haben den Druck, ein Meisterwerk zu produzieren, in schier unermessliche Höhen steigen lassen. Jetzt ist die Zeit gekommen, den Damm brechen zu lassen, den Druck abzubauen, den Startschuss zu geben, nochmal in Ruhe einen Kaffee zu trinken und dann: SCHUSS! UND SIEG! DAS KATZENFOTO IST IM KASTEN!
  8. Mach das Foto nochmal. Diesmal mit Speicherkarte in der Kamera.
    Ähem. Also gut, das mit der Speicherkarte hätte ich vielleicht irgendwo vor der Nummer sieben einbauen sollen, vielleicht als Tipp 3a oder so. Meine Schuld, da hast Du völlig Recht. Aber noch ist nicht alles verloren. Schwupps, rein mit der Speicherkarte in die Kamera – NEIN, nicht die volle! Die leere natürlich! – und schon kann es wieder losgehen. Wieder ist es soweit, die Punkte 1 bis 7 …. etc…blabla… Du weißt schon: siehe Nummer 7…
  9. BEARBEITE DAS FOTO
    Es ist soweit. Die Grundlagen für das Meisterwerk sind geschaffen. Jetzt nimmst Du die noch glühende Speicherkarte aus dem qualmenden Speicherkartenschacht Deiner Kamera, schiebst sie in den Kartenleser Deines Computers und lädst das Bild in die Bearbeitungssoftware. Erschrick nicht, wenn es zunächst mal nur nach einem ganz hundsordninären, gewöhnlichen, völlig belanglosen und leicht unscharfen Foto einer nichtmal besonders hübschen Katze in gruseliger Umgebung aussieht. Wie gesagt: Das sind ja nur die Grundlagen, ein Rohdiamant sozusagen. Das kann quasi gar nicht vom Start weg gut aussehen. JETZT kommt der letzte Schliff, mit dem Du aus Deinem Foto das ultimative Meister-Katzenfoto machst:
    Eigentlich ist es ganz egal, was genau Du in der Bildbearbeitung machst. Hauptsache, es dauert mindestens 10 Stunden, es führt zu einer Bilddatei mit 23 Ebenen (davon mindestens 5 Einstellebenen und 8 mit Ebenenmaske), Du benutzt 13 verschiedene Filter aus der Abteilung “künstlerisch” und – jetzt kommt das Wichtigste – es hat eine weiße Vignette (und zwar eine kräftige).Alternativ Du auch einfach ein HDR draus machen. Dabei wäre dann die Hauptsache, dass Du nicht so zimperlich mit den Reglern umgehst. Viel hilft viel!
  10. ZELEBRIERE DEINEN ERFOLG
    Jetzt ist die Zeit gekommen, die stehenden Ovationen Deiner Fanbase huldvoll entgegen zu nehmen. Natürlich hast Du Dein Meisterwerk umgehend in Dein Facebook-Profil hochgeladen. Ganz bescheiden versteht sich, kein großes Tamtam. Als Titel nur: “mein Katze” oder so etwas Einfaches. Große Werke sprechen schließlich für sich selbst.
    Denk aber daran, nach 10 Stunden des Wartens auf irgendeine verdammte Reaktion mal eine Pause einzulegen, ein Nickerchen zu machen oder einen dreifachen Espresso zu trinken. Und gräme Dich nicht, wenn die Welt Dich nicht sofort mit der gebührenden Lobeswelle überrollt. Du wärst leider nicht der Erste, dessen Werk zu Lebzeiten völlig verkannt wurde. Aber glaube mir, selbst wenn das Lob der weiten Welt ausbleiben sollte: Dein Werk wird nach diesen zehn Schritten absolut einmalig sein.

SO, das war’s. Freu Dich schon mal auf Deinen künftigen Erfolg, denn dieses bisher geheime Rezept ist unfehlbar.

Und für die Unersättlichen habe ich hier noch einen Bonus-Tipp:

  • Traue niemals(!) unvoreingenommen irgendeiner dusseligen 10-Punkte-Liste, die Du im Internet findest.
    Mit einiger Wahrscheinlichkeit ist der Inhalt nämlich entweder absoluter Humbug oder besteht als belanglosen Allgemeinplätzen. Der Autor macht sich einfach nur den Umstand zunutze, dass die meisten Menschen solchen nur vermeintlich wertvollen Listen der Marke “X Punkt zum Erfolg” sehr zugetan sind, deshalb den Link dorthin in der Hoffnung auf ein (natürlich nicht existierendes) ‘einfaches’ Rezept zum Erfolg anklicken, und so Traffic auf die Seite tragen.
    Nicht, dass es nicht auch mal die eine oder andere fünf-bis-zehn-Punkte-Liste mit tatsächlich wertvollen Tipps oder Inhalten geben kann. Insbesondere, wenn diese Listen schlagwortartig als “Merkliste” für ein eng begrenztes Thema dienen, dessen einzelne Punkte dann in sinnvoller Tiefe ausgeführt werden. Die traurige Wahrheit ist aber, dass die weitaus meisten dieser Listen – besonders die, die ‘schnellen’ Erfolg versprechen – oft nur aus einer sinnlosen Aneinanderreihung von inhaltslosen Banalitäten bestehen. Oder aus Schlagworten und Phrasen, die eigentlich genauer vertieft und erklärt werden müssten, wozu dann in einer solchen Liste aber gerade mal kein Platz ist. Sonst wäre es ja keine übersichtliche Liste mehr…Ich hoffe, Du verzeihst mir, dass ich Dich mit dieser Methode in meinem Blog gelockt habe. Solltest Du bis hierhin durchgehalten haben, habe ich zumindest die Hoffnung, dass ich Dich ein wenig unterhalten habe. Und wenn Du Dich – wo Du doch schon mal da bist – hier mal umsiehst, wirst Du feststellen, dass dieser Blog im Übrigen eher nicht aus Satire besteht, sondern überwiegend mit tatsächlich ernstgemeinten Ratschlägen, Tipps und Geschichten aus dem Bereich der Fotografie aufwarten kann.Viel Spaß beim Stöbern und Lesen. Und wenn Du magst, lass mir ein Feedback da, was Dir gefallen hat, was nicht, und worüber Du vielleicht gerne was lesen möchtest.

    Bis bald!

Oh, und ein “PS” noch:
Nein, ich habe auch nicht grundsätzlich was gegen Katzen. Nette Tiere. Aus meiner Sicht Allergenträger. Dieser Artikel geht aber gar nicht gegen Katzen oder andere Tiere. Es macht sich bloß (aber nur ein bißchen) über die gelegentlich in Fotoforen verbreitete Praxis lustig, mittels Katzenfotos die Tauglichkeit von Objektiven zu ‘beweisen’. Ich erkenne ausdrücklich an, dass es auch wirklich gute Fotos von Katzen geben kann, und wollte Dir – solltest Du anerkannter Katzenfotoprofispezialist sein – nicht auf die Füße treten. Was Du aber sowieso schon gemerkt hast, so als Profi, nicht wahr?

Entweder Studioblitz. Oder Kompaktblitz. Oder doch Beides?

Irgendwie war das immer so ein Gedankengang in meinem Kopf, wenn ich mir Gedanken über die Umsetzung eines Fotos gemacht habe, und dazu ein Blitzsetup erforderlich war: “Nimmst Du jetzt die großen Studioblitze ODER die kleinen Kompaktblitze dafür.”
Das waren für mich irgendwie immer getrennte Welten mit verschiedenen Vor- und Nachteilen.

Bei den Studioblitzensteht ja auf der “PLUS“-Seite vor allem eins:

  • POWERRRRRR.
    Portrait bei Blende 16 / ISO 100? – Kein Problem!
  • Die Möglichkeit, bei den Lichtformer auch die ganz großen Softboxen nutzen zu können. So eine 150er Octabox ist eben – je nach gefragtem Bildstil – besser als die 60x60er Kompaktblitz-Softbox.

Auf der “MINUS“-Seite der Studioblitze steht ganz eindeutig:

  • Die Abhängigkeit von Steckdosen (jedenfalls bei zwei meiner drei Studioblitze). Strom aus Steckdosen muss erstmal DA sein. Außerdem muss ich dann immer noch Verlängerungskabel und Mehrfachsteckdosen mitschleppen, die mir dann beim Fotografieren auch noch mehr oder weniger im Weg liegen.
  • Packvolumen und Gewicht: Große Blitze, große Lichtformer,  Mehrbedarf an Sandsäcken gegenüber den kleinen Kompaktblitzen….. und eben: viel großes Zeug = viel schwer.
  • unter Umständen ZU VIEL Power, selbst in der schwächsten Einstellung. Willst Du Blitzlicht in ein Foto einbetten, in dem das Umgebungslicht eine wesentliche Rolle spielt, kann zuviel Power auch mal ganz schön hinderlich sein.

Bei den Kompaktblitzgeräten steht auf der “PLUS“-Seite vor allem:

  • Portabilität. Klein, leicht, einfach mal schnell in der Fototasche verschwunden. Ein Traum.
  • AKKUBETRIEB. Keine Stromkabel mitschleppen und als Stolperfalle am Set auslegen.
  • kleinste Leistung abrufbar. Siehe beim letzten Nachteil der Studioblitze. 1/128-Leistung eines 50ws Kompaktblitzchens ist im Zweifel wenig genug.

Die Nachteile der Taschensonnen sind dann auch ganz klar. Im Prinzip die Umkehrung der Vorteile der Studioblitze:

  • Weniger POWERRRRRR:  Portrait bei Blende 16 / ISO 100?
    Öhm, ja, also, ohne Diffusor und aus 10cm Abstand geht das sowas von problemlos.
    Achso, mit Softbox und aus 2 Metern Distanz? Najaaaa…..
  • Richtig große Lichtformer? Naja, ein mittelgroßer Schirm geht ja noch. Aber eine wirklich große Softbox…..

Ungeachtet meiner schönen Auflistung der grundsätzlichen Vor- und Nachteile der verschiedenen Blitzlichtemittenten gilt natürlich: Ob ein grundsätzlicher Vorteil oder Nachteil eines Systems auch in der jeweiligen Situation ein Vorteil oder Nachteil ist, kommt eben sehr stark auf die Situation an. Wie immer.

Aber es wird deutlich: Studioblitze und Kompaktblitze sind völlig gegensätzliche Welten. Und deshalb waren sie auch irgendwie als getrennte Welten in meinem Kopf verankert. Bis ich neulich auf die eigentlich völlig naheliegende Idee kam, die Welten einfach mal zu kombinieren.

Etwas konkreter:

Bei dem Portrait meines Freundes Thorsten (über das ich hier schon mal kurz berichtet hatte) habe ich – für mich wirklich erstmalig – sowohl Studioblitze als auch Kompaktblitze zusammen eingesetzt.

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Wie ging das denn leistungsmäßig zusammen?

Mal umrechnen:
Das Hauptlicht [A], ein Studioblitz mit 500 ws Maximalleistung (bei Leistungsstufe 6) war auf Stufe 2 eingestellt. Der Blitz gab also gerade mal rund 31 Wattsekunden Lichtleistung ab:
Stufe 6 = 1/1 Leistung = 500 ws
Stufe 5 = 1/2 Leistung = 250 ws
Stufe 4 = 1/4 Leistung = 125 ws
Stufe 3 = 1/8 Leistung = 62,5 ws
Stufe 2 = 1/16 Leistung = 31,25 ws

Das Streiflicht [C], ebenfalls ein Studioblitz mit 500 ws war auf Leistungsstufe 3 eingestellt, nach der obigen Umrechnung also 62,5 ws.

Die beiden “großen” Blitze bewegten sich in puncto Leistungsabgabe schon absolut in einem Leistungsbereich, der auch mit Kompaktblitzen gut möglich (bzw. knapp möglich) ist.

Die Kompaktblitze haben also auf voller Leistung geschossen, um da mithalten zu können?

Nein. Großes NEIN. Sogar “Weit gefehlt”.

Der als Aufhelllicht fungierende Kompaktblitz [B] war auf 1/32 Leistung eingestellt, der Spot auf dem Hintergrund [D] sogar nur auf 1/64 Leistung. Das würde, von einer Maximalleistung von 50ws ausgehend (Ja, ich weiß, dass ist von der Reflektorstellung etc. abhängig. Ich pauschaliere hier einfach mal kräftig.), bedeuten, dass das Aufhellicht nur rund 1,5 ws und der Spot auf dem Hintergrund gar nur 0,75 ws Lichtleistung hatte. Was – ganz am Rande – auch bedeutet, dass ich diese zwei Jobs gar nicht an Studioblitze hätte vergeben können.

Also doch wieder eine erhebliche Differenz in der Lichtleistung.
Wie kann es denn dann sein, dass das zusammenpasste?

Nun, zunächst mal musste das Licht der großen Studioblitze ja  noch durch je zwei Lagen Diffusorstoff der jeweiligen Softboxen. Das frisst ordentlich Leistung. Je nach Größe und Bauart können in so einer Box gut und gerne zwischen 1 und 3 Blenden Lichtleistung verloren gehen. Gehen wir hier einfach mal von zwei Blenden aus, würden beim Hauptlicht (wir erinnern uns: rund 32 ws Leistungsabgabe direkt am Blitzkopf) gerade mal noch 8 ws aus dem vorderen Diffusortuch austreten und die Reise zum Fotosubjekt antreten. Beim Streiflicht  wären es immerhin noch rund 16 ws. (Ja, ich weiß, weit weg von wissenschafltich exakter Herleitung. Aber hier geht’s ja nicht ums Millimeter******, sondern um eine praxisnahe Erläuterung des Grundsatzes.)

Außerdem sind die Studioblitze für die hellsten Lichter im Foto verantwortlich, und das auf großer Fläche. Das Aufhelllicht hingegen verhindert ja bloß, dass die vom Hauptlicht verursachten Schatten in tiefem Schwarz versinken. Und der Spot für den Hintergrund erhellt aus kurzer Distanz durch seine Wabe nur einen kleinen Bereich, und hebt diesen auch nur von tiefdunkelgrau auf nicht mal mittelgrau. Dass für diese jeweiligen Tätigkeiten nicht viel Licht nötig ist, versteht sich insofern eigentlich von selbst.

OK, also gut: Es passt.
Aber warum hast Du denn jetzt plötzlich “die Welten” so gemischt?

Also das war so: Irgendwann zwischen dem achten und dem zehnten Espresso hatte ich eine Vision:
Ich stand auf einer grünen Insel inmitten eines großen Wassers, der Himmel teilte sich und eine Stimme sprach von den unentdeckten Wundern auf dem Gebiet der Licht-Emission…

JA, IST JA GUT. Ich hör ja schon auf.

Also….. es war eher….. tja….. wie soll ich sagen…. Bequemlichkeit.
Ja, tut mir leid, ich kann die Enttäuschung verstehen. Hochfliegender wissenschaftlicher Experimtentierwille kommt später, OK?

Also, ich hatte zuerst mit meinen großen Blitzen Hauptlicht und Streiflicht gesetzt. Dann mussten noch das Aufhellicht und der Hintergrundspot gesetzt werden. Und, naja, die Kompaktblitze lagen halt griffbereit, der letzte verbliebene Studioblitz lag noch in seinem Schrank im Keller. Am Ende – ich schrob es oben schon – hätte der mir auch gar nichts genutzt, weil seine Minimalleistung bei 12,5 ws liegt. Klar, ich hätte das Helligkeitsniveau des ganzen Setups erhöhen können und entsprechend die Blende am Objektiv weiter schließen müssen, dann wär’s gegangen. Aber wie ich schon sagte: Die Kompaktblitze lagen da, der andere war im Keller. Zwingenden Gründen muss man eben stattgeben… Und außerdem brauchte ich ja eh zwei und nicht nur einen.

Wie dem auch sei, am Ende hat die Geschichte aber dazu geführt, dass ich die beiden “Systeme” jetzt deutlich mehr als sich gegenseitig ergänzende Dinge sehe. Und das Schreiben dieses Blogposts hat dazu geführt, dass ich doch ziemlich gestaunt habe, wie wenig Lichtleistung da tatsächlich im Spiel war. Was wiederum zeigt, dass die Auseinandersetzung mit einem Thema beim Bloggen wiederum für den Blogger einen vertiefenden Lerneffekt hat.

So, ich hoffe, Du konntest von diesem Blogpost was mitnehmen. Es würde mich freuen, von Dir eine Rückmeldung zu bekommen. Oder Deine Geschichte zu hören, wo es bei Dir einfach mal Klick gemacht hat, und Du erstmalig was ausprobiert hast. Und wie immer: Teilen gibt gutes Karma :-)…

ein ‘einfaches’ Business-Portrait

Willkommen zurück.

Kürzlich war mein Freund und Fotobuddy Thorsten bei mir, weil er ein aktuelles Portrait brauchte. Und wie das dann so ist haben wir durchgeschaut, welchen Bildstil er denn gerne hätte, das entsprechende Setup aufgebaut und das Foto gemacht. Siehe oben.

Das eigentliche Shooting dauerte ganz genau 10 Minuten. Anhand der Metadaten der Fotos kann man das ja bestens nachvollziehen: Das erste “richtige” Foto – sprich das erste Foto nach den letzten Finessen in Sachen Lichteinstellung – habe ich um 21:10 Uhr geschossen und das letzte um 21:19 Uhr.

Toll. Also bloß 10 Minuten für ein gutes Business-Portrait. 
Das ist mal Geschwindigkeit.

Jaaaa…….. ähm, ….. also: NEIN. Nicht ganz. Denn jetzt kommt mal die Rahmenhandlung dazu. Das allererste Kontrollfoto vom Lichteinrichten datiert auf 20:27 Uhr.

Rechenpause…… 

Genau. Macht unterm Strich 43 Minuten Lichtaufbau (Stative hinstellen, Blitze startklar machen und draufsetzen) und Lichteinrichtung (Blitze ausrichten, Leistung einstellen, kontrollieren)

Uups. Wie kommt das denn? Ist doch nur ein einfaches Portrait. Oder etwa nicht?

Eben: Etwa nicht.

Vielleicht hast Du es dem Foto schon angesehen, aber falls nicht: Hier sind vier Leuchten am Werk. Ein Hauptlicht von halb rechts, ein Aufhelllicht, ein Streiflicht von hinten links und ein Spot für den Helligkeitsverlauf auf dem Hintergrund. Und das musste auf relativ engem Raum aufgebaut und eingerichtet werden. Hier mal eine kleine Skizze zum Foto:


Nun muss ich zu meiner Ehrenrettung allerdings sagen, dass wir uns natürlich nicht gerade abgehetzt haben. Wir sind ja beide Fotofreaks und deshalb gehörte das Feilen am Lichtsetup auch mal ganz einfach zum geplanten Abendprogramm. Wir haben zum Beispiel viel Zeit auf den Spot für den Hintergrund verwendet. Da haben wir verschiedene Standorte des Blitzes ausprobiert und mit der Stärke der Wabe herumgespielt, einfach um mal zu sehen, die sich der Lichtspot auf dem Hintergrund verändert.

Bei konzentriertem Arbeiten würde so ein Setup inklusive Aufbau der Leuchten vermutlich in der Hälfte der Zeit stehen. In einem Studio mit a) Platz und b) griffbereit aufgebauten Leuchten geht es noch schneller.

Hier und heute geht es mir aber einfach mal um die visuelle Verdeutlichung meiner Worte aus meinem kürzlich erschienenen Blogpost hier “Mach Dir aber bloß nicht so viel Arbeit“. Darin hatte ich angedeutet, dass auch ein ‘einfaches’ Portrait mitunter eben einen gewissen Mindestaufwand bedeutet. Jedenfalls dann, wenn man es “richtig” machen möchte.

Und das hier ist ja so ein ‘einfaches’ Portrait, dem ein fotografisch unbefangener Mitmensch den dahinter stehenden Aufwand wahrscheinlich nicht ansieht. Also: Quod erat demonstrandum.

Mach Dir aber bloß nicht so viel Arbeit…

Kennst Du das auch? Jemand aus dem Bekannten-, Freundes- oder Kollegenkreis fragt Dich, ob Du mal ein Foto von ihr/von ihm machen könntest. Zum Beispiel einen Headshot für die Fotogalerie im Büro. Oder für irgendeinen anderen Zweck, wo ein “einfaches Portrait” gebraucht wird. Du freust Dich, dass Du Deine fotografische Expertise für einen guten Zweck einsetzen kannst und sagst natürlich “Ja”.

Du sagst vielleicht sogar “OK, und weil ich dann sowieso ein bißchen Ausrüstung dabei habe, überleg Dir mal, was Du vielleicht noch für Fotos von Dir brauchen könntest.” So ganz einfach, weil Du Dein Zeug eh mitschleppen wirst und weil Du ein netter Mensch bist. Und weil Du für Deine Freundlichkeit diesen Headshot dann unter Umständen später mal in Deinem Portfolio verwenden kannst.

Und dann kommt er, dieser Satz:

“Mach Dir aber bloß nicht so viel Arbeit, es ist ja nur für XYZ.”

 Aaaargh.

Soll das jetzt ein vernünftiges Portrait werden oder nicht?

Wenn nicht, warum werde ich dann überhaupt gefragt?
Allein die Tatsache, dass ich angesprochen werde und der- oder diejenige nicht einfach irgendjemandem ihr Smartphone in die Hand drückt (oder gleich ein Selfie macht), lässt doch darauf schließen, dass meine Sachkunde als Fotograf gefragt ist.

Jaaa, ich weiß: Dieses Statement ist wirklich nicht “böse” gemeint.

Entweder ist es schlichtweg ein Ausdruck von Höflichkeit, weil man zwar einerseits schon gerne ein gutes Foto von sich hätte, aber andererseits dem Freund/Kollegen/whatever tatsächlich nicht übermäßige Umstände bereiten möchte.

Oder es ist dem Umstand geschuldet, dass in den Augen der meisten Menschen der Fotograf einfach “seine gute Kamera” mitbringt, diese grob in die Richtung der zu fotografierenden Person hält, den Auslöser durchdrückt und schon purzelt dort eine ganze Reihe der tollsten Bilder heraus.

Es ist nur: So geht das leider nicht.

Wenn ich ein handwerklich ordentliches oder vielleicht sogar ein richtig gutes Portrait machen soll, bedingt das je nach gewünschtem Ergebnis und der Situation vor Ort eben einen gewissen Minimaleinsatz von Equipment (und übrigens auch Zeit). Auch wenn ich Materialeinsatz kleinstmöglich halte, habe ich – davon ausgehend, dass ein als Hintergrund geeignetes neutrales Stück Wand vor Ort verfügbar sein wird und daher das Hintergrundsystem im Schrank bleiben kann – doch mindestens ein Licht (besser zwei oder drei) mit entsprechenden Stativen und Auslösern, einen Reflektor (mit Halter und Standfuß), Kamera und Objektiv im Gepäck.

Willkommen im Kampf der Realität gegen uralte Werbeversprechen. Denn wie war das noch – so ganz damals: “Sie drücken den Knopf, wir machen den Rest.” Und wenn das schon damals galt, dann muss es ja heutzutage angesichts des technologischen Fortschritts erst recht so sein. Da hat das Marketing einer längst untergegangenen Firma wirklich ganze Arbeit geleistet.

Und dagegen gilt es, anzugehen. Je nach Kunde zeige ich zum Beispiel den einen oder anderen Effekt, die diese oder jene Leuchte bringt, direkt auf dem Display der Kamera. Da geht dann dem einen oder anderen doch ein Licht auf – und zwar gleichermaßen im Kopfe wie im Wortsinn. Nur muss ich dazu die entsprechenden Lichter halt erstmal mitbringen, also doch ein bißchen Aufwand treiben.

 

Und es ist es halt ein Prozess, der eine gewisse Weile dauert, bis alle Lichter einer Portraitsitzung in der genau richtigen Weise aufgehen, insbesondere, wenn das Portrait individuell sein soll. Natürlich kann ich ein Portraitshooting beschleunigen, indem ich ein einmal ausgemessenens und funktionierendes Setup immer wieder in genau gleicher Art und Weise aufbaue. Dann kommen aber eben auch die immer gleichen standardisierten Ergebnisse raus. Die sind dann sicherlich auch OK, aber eben nicht mehr. Und sie sind schon gar nicht individuell auf die Person vor der Kamera zugeschnitten.

Solltest Du keine Fotografin/kein Fotograf, sondern vielmehr eine potenzielle Kundin/ein Kunde sein, gehe ein Portraitshooting bitte nicht mit der Erwartungshaltung an, dass der Fotograf ein handwerklich angefertigtes Portrait mit der Geschwindigkeit eines Passbildautomaten heraushaut. Und erwarte, dass auch ein “einfaches Portrait” durchaus komplexe Lichtsetups erfordern kann.

Und wenn Dir ein sachkundiger Freund oder Kollege ein kleines kostenfreies Portraitshooting zusagt, lass ihn einfach machen. Und sag ihm nicht, er soll sich keine Mühe geben. Erstens hört er sowieso nicht auf Dich und zweitens könnte er sich (oder Dich) fragen, ob Du jetzt ein schnelles oder ein gutes Portrait haben möchtest. Da müsstest Du Dich dann wohl entscheiden…. 😉

die Streulichtblende

Die Streulichtblende, auch bekannt als “Gegenlichtblende” (kurz: GeLi), auch bekannt als Sonnenblende. Dieses topf- oder tulpenförmig geformte Plastikdings am vorderen Ende des Objektivs. Vielen (wenn nicht den meisten) Objektiven liegt sie beim Kauf bei.

Dem Einen oder der Anderen scheint aber deren Nutzen nicht so ganz klar zu sein: Spätestens an der nächstgelegenen Touristenattraktion, wo man ja typischerweise zu Hauf auf gezückte Fotoapparate trifft, sehe ich immer mal wieder jemanden, der die Blende verkehrt herum – also in ‘Transportposition’ – auf dem Objektiv sitzen hat und dennoch fröhlich Fotos schießt.

Auch wenn mir das persönlich im Zweifel egal sein kann, und egal, ob es bei den jeweiligen Lichtverhältnissen vielleicht gar keinen Unterschied macht: Irgendwie kribbelt es dann in meinem Nacken. Schon allein deshalb hätte ich doch eine inständige Bitte an den Rest der Welt: BITTE setzt die GeLi entweder RICHTIG HERUM auf das Objektiv oder nehmt sie ganz ab.

Was macht das Ding denn eigentlich?

Naja, grundsätzlich soll so eine Streulichtblende verhindern, dass Licht – egal, ob Sonnenlicht oder das einer künstlichen Lichtquelle – direkt auf die Frontlinse trifft. Denn das führt in aller Regel zu Kontrastminderungen und/oder Flares.

Ja, ich weiß, es ist im Moment in einem Teilbereich der Portraitfotografie ziemlich in, diesen kontrastarmen Look absichtlich zu erzeugen. In diesen Fällen benutzt man im Zweifel auch absichtlich einfachere Objektive, weil eben deren Linsen nicht so toll vergütet und daher anfälliger für Flares sind. Man kann sogar mit viel Aufwand erstellte “Flare-Pakete” kaufen, und die Flares per Photoshop dem Bild hinzufügen, wenn die eigenen Objektive für diesen Look einfach zu gut sind..

Aber das ist eben ein Teilbereich der Fotografie. Und wie immer kann nicht von einem Teil auf das Ganze schließen, denn das ist eben ein künstlerisches und damit höchst individuelles Thema.

Aber mal davon ausgehend, dass ich eine Person, eine Landschaft oder ein touristisches Ziel in bestmöglicher Klarheit fotografieren möchte, steht – denke ich – außer Frage, dass eine Streulichtblende (richtig herum auf’s Objektiv gesetzt) generell eine sinnvolle Sache ist. Und die zwei Sekunden Zeit, die es braucht, um die Streulichtblende richtig herum zu drehen, sollte man doch im Regelfall haben. Bitte!

Ohne Streulichtblende zu fotografieren kann aber auch mal sinnvoll sein.

Warum? Darum:

Wie Du in den Vergleichsbildern siehst, kann so eine Streulichtblende ein Objektiv unter Umständen optisch gewaltig vergrößern. Und wenn Du Menschen vor der Kamera hast, die sich vielleicht sowieso ein wenig unwohl in ihrer Rolle fühlen, ist es durchaus sinnvoll, die Kamera optisch nicht noch durch eine Streulichtblende zu vergrößern und damit noch ‘bedrohlicher’ zu machen. In solchen Fällen habe ich in der Regel auch keinen Batteriegriff an der Kamera und nehme auch nicht das hier abgebildete 70-200, sondern vielleicht eine 50er oder 85er Festbrennweite. Alles, um die ‘Bedrohlichkeit’ der Kamera wirklich kleinstmöglich zu halten.

Immer dann also, wenn man möglichst nicht “professionell” aussehen möchte, oder/und besondere Rücksicht auf die Menschen vor der Kamera nehmen möchte/muss, ist es sinnvoll, die Streulichtblende gleich mal zu Hause oder in der Tasche zu lassen.

Aber eben “weglassen”, und nicht in Transportposition auf dem Objektiv stecken lassen, so dass man kaum noch an den Zoom- oder Fokusring kommt. Denn das ist a) unpraktisch und b) sieht es *Hust* aus.

Also, ein kleines visuelles Fazit:

Alles klar? Schön. Und immer daran denken: fleißiges Teilen ergibt gutes Karma ;-).

Bis bald.

Platz ist in der kleinsten Hütte…

So oder so ähnlich lautete der Untertitel des letzten Homeshootings im gerade erst vergangenen Jahr 2015. Ich hatte mich mit Daniela zu einem Boudoirshooting verabredet, und zwar in der Wohnung einer Freundin von ihr. Daniela schrieb mir vorher, das die Wohnung nicht sehr groß sei, sondern ein rund 30qm großes Einraum-Apartment. Auch ein Handyfoto fand vorab den Weg zu mir. Ich hatte also eine grobe Idee, in welchen räumlichen Verhältnissen das Shooting stattfinden würde.

Als ich dann das Apartment betrat, habe ich dennoch (rein innerlich natürlich) erstmal geschluckt. 30 Quadratmeter ist als Grundfläche für einen einzelnen Raum eigentlich gar nicht mal sooo klein. Aber wie das so ist: Wenn man erstmal die Stellfläche der diversen Möbel abrechnet, bleibt ja schon mal nur grob die Hälfte an nutzbarer Freifläche übrig – und da ist jetzt schon das Bett mit drin, denn das gehört bei einem Boudoirshooting ja zur nutzbaren Grundfläche dazu ;-). Dann braucht es ja aber noch etwas Platz für die mitgebrachte Kleidung des Models und noch etwas mehr für das mitgebrachte Fotozeugs.

Unterm Strich waren vielleicht 8 oder 9 Quadratmeter Shootingbereich übrig (wieder inklusive Bett). Das ist jetzt echt nicht soooo viel und mehr als einmal hätte ich eigentlich gerne mehr Spielraum für die Positionierung meines Lichtes (oder gar eines zusätzlichen Lichtes) gehabt.

Aber – und das ist das Wichtige: Es ging!

Wir haben selbst auf diesem engen Raum einige schöne Fotos in Szene gesetzt. Klar: großzügige Ganzkörperaufnahmen mit viel negativem Raum – Ideen solcher Art gingen gleich mal über Bord. Angesagt waren eher eng geschnittene Teilaufnahmen oder solche, die das Bett mit einbezogen.

Auch das war nicht immer bequem (also jetzt nicht für Daniela, die vorwiegend gemütlich auf dem Bett lag, sondern eher für mich als Fotograf und Daniela’s Freundin, die ich zum Helfen eingespannt hatte…), insbesondere beim Aufbau des Lichtes nicht, oder wenn man sich auf den verbliebenen 30cm zwischen Bett und Galgenstativ mit Blitzkopf und Softbox durchquetschen musste, um nochmal ein Kissen oder die Decke zurecht zu zuppeln. Aber wir waren ja nicht wegen der Bequemlichkeit dort, sondern wegen der Fotos, die wir machen wollten. Zum Beispiel haben wir das Foto oben gemacht, das zu meinen Favoriten aus dem Shooting zählt, und natürlich auch gleich mal in mein Boudoir-Portfolio gewandert ist.

anklicken für größere Ansicht

Und so sah das Setup für das Foto aus (jetzt weißt Du auch, warum ich fotografiere und nicht male…):

Was die Pose anging war es entscheidend, dass Danielas Po und Rücken unterhalb der Bettdecke mit zusätzlichen Kissen gestützt wurden. Dabei ging es vor allem darum, dass ihr Körper nicht in die Matratze einsank, sondern obenauf bzw. leicht erhöht lag. Dadurch fiel ihr Kopf auf ‘natürliche Weise’ leicht nach hinten (also zu meiner Fotografenposition hin) ab und überstreckte so ganz leicht den Hals. Und das betont dann wunderbar die Kinnlinie und sorgt für einen guten Blickwinkel auf das Gesicht.
Was das Hauptlicht angeht lag das Augenmerk vor allem darauf, es nicht zu hoch zu setzen. Die Softbox, ein 30x140cm großes Striplight mit Wabeneinsatz (eins von diesen hier), war der Lage des Models entsprechend quergestellt und nur leicht höher als Daniela. So erzielte ich die oben ersichtliche Schattenbildung.

Bei höherer Position würden die Schatten weniger stark sein und Danielas Kurven würden weniger gut zur Geltung kommen.

Die Szene diktierte also die Höhe des Blitzes.

Und das wiederum diktierte den Einsatz des Galgenstativs, denn die anderen vor Ort verfügbaren Stative wären schon mit ihrer Mindesthöhe zu hoch gewesen. Mit dem Galgen kann ich ja notfalls bis auf Bodennieau herunter gehen.

Der Einsatz des Galgenstativs wiederum diktierte den Einsatz des “Portys” als dem Blitzlicht der Wahl, denn das Gesicht des kleinen Portykopfes ist doch eine ganze Portion geringer, als das eines klassischen “Monobloc”-Studioblitzes. Und ich war halt zu faul, noch weitere Sandsäcke aus dem Auto zu holen und in das 2. OG zu schleppen. Dank des Porty bin ich mit einem kleinen Sandsack als hängendes Gegengewicht am anderen Galgenende prima ausgekommen.

Das nur mal so als kleines Beispiel dafür, wie ich mich für die Nutzung eines bestimmten Blitzes ganz einfach in Form einer kleinen Domino-Reihe von Wenn-Dann-Beurteilungen anhand der örtlichen Gegebenheiten entscheide.

Soviel also zum Hauptlicht.

Es gab noch eine Aufhellung der Schatten von rechts. Die hat mir allerdings nur sehr wenig Arbeit gemacht, denn sie war quasi in den Raum eingebaut. Wie hierzulande oft üblich waren die (sehr nahegelegenen) Wände nämlich weiß gestrichen und glücklicherweise passte der Grad der Aufhellung gut zum gewünschten Bildergebnis, so dass ich das einfach mal so lassen konnte. Wäre mir das zuviel Aufhellung gewesen, hätte ich zunächst versucht, Daniela inkl. Bett noch ein Stück in Richtung Hauptlicht zu schieben (40cm Spielraum hatte ich ja noch…); notfalls hätte ich rechts neben dem Bett noch meinen schwarzen Molton als Abschatter auf ein Stativ hängen können/müssen. Wahrscheinlich wären dann die Schatten aber wieder zu dunkel geworden und ich hätte doch noch ein “aktives” Aufhellicht von rechts …. ach, egal. War nicht nötig, und das hat mir das Leben bei diesem Set doch sehr einfach gemacht.
Dann noch eine schöne SW-Umwandlung und fertig ist ein tolles Foto, dass ich hier unten noch einmal in voller Schönheit einfügt habe – so ein Beitragsbild ist ja doch irgendwie zwingend immer im Panoramaformat…

Danke, Daniela!

Buchvorstellung: Frank Doorhof – MASTERING THE MODEL SHOOT

Es ist schon eine Weile her, dass ich zuletzt mal ein Buch vorgestellt habe. Heute ist mal wieder soweit, und ich habe mir natürlich wie immer ein Buch herausgenommen, dass ich im Moment wieder sehr häufig in der Hand habe. “MASTERING THE MODEL SHOOT” heißt es. Autor ist der niederländische Fotograf Frank Doorhof. Hier ist ein (nicht gesponsorter) Amazon-Link.

Wer ist Frank Doorhof?

Ich glaube, zum ersten Mal bin ich auf Frank Doorhof über das amerikanische Fotografie-Fortbildungsimperium von Scott Kelby gestoßen. Dort – bei KelbyOne – ist Herr Doorhof einer der Instructor und hat für KelbyOne ein paar Videotrainings aufgenommen. Unter anderem – und dafür ist er bekannt und berüchtigt – geht es da auch um den Einsatz des Handbelichtungsmessers. Im Gegensatz zu vielen anderen Fotografen verficht Frank Doorhof ausdrücklich den Einsatz dieses Werkzeugs und erläutert mit Nachdruck wie und wieso es sein Leben als Fotograf erleichtert, ein Fotoshooting beschleunigt und Ergebnisse reproduzierbar macht.

Fortbildung steht beim Studio Doorhof aber auch außerhalb des Kelby-Imperiums ganz oben. Er gibt Workshops, vertreibt eigene Videotrainings auf seiner Website, macht seit diesem Jahr (glaube ich) auch Live-Shows (genannt “Digital Classroom”), die im Internet übertragen werden und später als Konserve in seinem Youtube-Kanal landen.

Die Arbeit von Herrn Doorhof ist – jedenfalls, soweit er sie in seinem Buch präsentiert (um mal so langsam die Kurve zur Buchvorstellung zu bekommen) – im Wesentlichen geprägt von der Abwesenheit von Langeweile. Soll heißen, viele Bilder sind eher nicht das, was landläufig als typisches Fashion- oder Beautyportrait charakterisiert würde, sondern sie haben meist viel Spannung, Bewegung, Kontraste, Emotionen. Und oft ganz schön verrückte Stylings. Also sehr individuell, sehr spannend und einfallsreich. Ich mag das total.

Und was ist jetzt mit dem Buch?

Achso, ja, das Buch. Also, in einem Wort: SUPER. Es macht wirklich einen Rundumschlag durch alle Themenbereiche, die mit einem Fotoshooting mit Model zu tun haben.

Ich zitiere mal kurz die Kapitelnamen aus dem Inhaltsverzeichnis:

Chapter 1 – FINDING YOUR MODELS
Chapter 2 – LOCATIONS
Chapter 3 – PROPS & BACKGROUNDS
Chapter 4 – CHLOTHING & STYLING (THE MOST IMPORTANT THINGS)
Chapter 5 – COACHING YOUR MODELS ONCE THEY’RE ON THE SET
Chapter 6 – USING NATURAL LIGHT
Chapter 7 – LIGHTING WHEN YOU DON’T HAVE NATURAL LIGHT
Chapter 8 – LIGHTING FASHION ON LOCATION
Chapter 9 – STUDIO LIGHTING
Chapter 10 – GETTING THE FOUNDATION RIGHT: CALIBRATION, COLOR TARGETS & LIGHT METERS
Chapter 11 – RETOUCHING: PHOTOSHOP, CAMERA, OR BOTH
Chapter 12 – MARKETING YOUR WORK
Chapter 13 – A PHOTO SHOOT FROM START TO FINISH
Chapter 14 – MORE CONCEPTS & IDEAS

Also, wer da noch Themen vermisst, muss schon sehr spezielle Anforderungen haben. Natürlich kann man auch auf fast 350 Seiten bei so vielen Themen nicht jedes Thema bis zur ultimativen Erschöpfung ausnudeln. Zumal das Buch auch noch von grandiosen Fotos überquillt. Das Text/Foto-Flächenverhältnis geht auf so einigen Seiten deutlich zugunsten des Bildmaterials aus, was ich persönlich toll finde. Denn mit guten Bildern drumherum macht das Lesen interessanten Inhalts gleich noch mehr Spaß. Und zu jedem Bereich gibt es wertvolle Tipps und Hinweise, bzw. schlichtweg die Erzählung der “Best Practice” eines erfahrenen Fotografen.

Also, von mir gibt’s hier einen ganz klaren Daumen hoch. Ganz hoch. Dieses Buch finde ich top.