Moin. Ich bin ja ein bekennender Fan von eng geschnittenen Portraits vor neutralem Hintergrund. Sowas in der Art hier. Typischerweise nehme ich dafür ein Zangenlicht aus einer aktiven Lichtquelle (also Blitz oder Dauerlicht) oben und einem Silberreflektor zur Schattenaufhellung von unten.

Nun war ich auf in 2016 an Shootingevents mit drei weiteren Fotografinnen/Fotografen-Kollegen beteiligt und habe dort auch mal mit einem Ringlicht spielen können. Das fand ich vom Licht her einfach nur genial: Eine richtig rundherum gleichmäßige Ausleuchtung des Gesichts, aber dennoch mit Tiefe aufgrund des Lichtabfalls auf der Richtung der Kamerachse. Ideal für Menschen mit „Struktur“ im Gesicht – ausgeprägten Wangenknochen zum Beispiel.

Hier mal ein Beispiel, damit Du siehst, was ich meine:

Freundlicherweise hat mir das Christkind – lieben Dank dafür nochmal – zum letzten Weihnachtsfest ein ebensolches Ringlicht unter den Baum gelegt (bzw. knapp davor, anders wär ja blöd gewesen…), so dass ich inzwischen auch bei meinen eigenständig arrangierten Shootings mal das eine oder andere Model damit beleuchten konnte – Spiel, Spaß, Spannung sozusagen; meist aber ohne Schokolade….

Besonders nett finde ich am Ringlicht auch, dass es so ein „Einzelteil-Setup“ ist. Auch wenn der Aufbau eines Zangenlichts absolut nicht unter „gewaltiger Aufwand“ fällt, ist doch der Aufbau einer einzelnen Lichtquelle natürlich immer noch ein Stückchen simpler.

Hier hätte ich noch ein paar Tipps für ein Ringlicht-Portrait:

1. Galgenstativ

Nutze ein Galgenstativ, um das Ringlicht zu halten. Du wirst ja typischerweise einigermaßen dicht an der Rückseite des Ringlichts stehen. Solltest Du das Ringlicht dann auf einem normalen Lichtstativ geparkt haben, werden sich Deine Füße und die des Stativs ständig in die Quere kommen. Außerdem wird das Kabel des Ringlichts noch zu Deinen Füßen herumlungern. Da besteht also in mehrfacher Hinsicht Stolper- und Unfallgefahr.
Mit einem Galgenstativ kannst Du das Ringlicht schön seitlich in den „Fotobereich“ herein- und das Stromkabel entsprechend seitlich herausführen. Und die Stativfüße sind auch seitlich von Dir. Das Stichwort ist hier „Arbeitssicherheit“, selbst wenn es Dein Hobby ist und/oder viel Spaß macht.

Hier mal ein BTS-Foto vom Shooting mit Kerstin Sunshine, auf dem das hochkomplexe Gesamtsetup zu sehen ist:

Hier sieht man auch, dass als Hintergrund die silberne Seite eines simplen Pop-up-5-in-1-Reflektor im Spiel ist. Vorne links siehst Du das Ringlicht auf dem Galgen stecken. Dazwischen siehst Du Sunshine, ein unglaublich tolles Model aus Köln mit absolut treffendem Namen (wie Du siehst, hatte sie grad nen Clown gefrühstückt) .

2. Abstand Ringlicht <> Modell

Über den Abstand des Motivs von der Lichtquelle kann man bekanntermaßen den Lichtabfall auf dem Motiv – hier also dem Gesicht des Modells – regulieren. Je näher das Modell am Ringlicht ist, desto größer werden die Unterschiede zwischen des hellsten Bereichen im Gesicht (zentraler Stirnbereich, Nasenrücken) und den dunkleren Bereichen (Schläfen, Ohren, hinterer Wangenbereich). Über den Abstand kannst Du also auch die „Dramatik“ des Lichts regulieren; es grüßt das quadratische Abstandsgesetz.
Außerdem ist der individuelle Fingerabdruck des Ringlichts im Foto der donutförmige (hmmm, lecker…) Lichtreflex im Auge des Models. Dessen Größe wird natürlich auch vom Abstand des Modells zum Ringlicht bestimmt: je näher, je größer.
Ich mag das, wenn der Reflex nicht zu klein wird, sondern sich im Bereich der Iris auf-hält, als Mindestgröße also einmal um die Pupille herum geht. Für freie Arbeiten mit Modellen finde ich diesen Lichtreflex ganz cool. Für ein Business Portrait ist mir das zu allerdings zu offensiv; da wäre für mich dann doch eher das bewährte Zangenlicht mein Mittel der Wahl.

3. Apropos Iris

Die Iris sind (ja, „Iris“ ist laut Duden neben „Iriden“ und „Irides“ eine zugelassene Form des Plural der singulären Iris) dank des Blicks in eine Dauerlichtquelle natürlich auch schön groß. Das ist ja gerade einer der wesentlichen Vorteile der Arbeit mit Dauerlicht generell: Die Pupille bleibt schön klein, die Iris also schön groß und das Auge somit schön bunt. Mag ich.

4. Abstand Model <> Hintergrund

Bei „nicht glatten“ Hintergründen – so wie mein Faltreflektor oben im Bild – kannst Du ja bekanntermaßen über (die Blende und) den Abstand des Models vom Hintergrund steuern, wie stark dessen Strukturen im Bild sichtbar sind. Schau mal oben im Beitragsbild. Sowohl das links Foto von Kerstin als auch das mittlere von Miss Lauryi sind mit dem gleichen Hintergrund-Setup gemacht; nur war der bei Lauryi viel näher am Hintergrund dran. Welche Variante nun besser oder schlechter gefällt ist schlichtweg Geschmackssache. Ich wollte beides mal probieren und hier zeigen.

5. Augenschonung

Bevor Du reihenweise Modelle vor das Ringlicht zerrst, solltest Du Dich selber davor gestellt haben – vor die helle Seite meine ich. Dann weißt Du nämlich, dass der offene Blick in so eine Lichtquelle als Dauerbeschäftigung nicht zwingend vergnügungssteuerpflichtig ist. Und ich finde, man sollte als Fotograf/Fotografin schon selber mal erfahren haben, was man den Menschen vor der Kamera da zumutet.

Nimm also Rücksicht auf die Augen Deiner Modelle. Idealerweise hast Du ein dimmbares Ringlicht und drehst nur soweit auf, wie es wirklich nötig ist. Da kann man auch ruhig mal den ISO-Regler der Kamera bemühen, das birgt ja nun auch keinen wirklichen Schrecken mehr. Zudem ist idealerweise der Bereich hinter Dir als Fotografin/Fotograf ebenfalls hell. Denn dann haben Deine Modelle nicht nur diesen sehr hellen Ring vor dunklem Hintergrund – und damit einen sehr schwierig zu meisternden Kontrast – vor den Augen, sondern schauen in einen (immer noch) sehr hellen Ring, der in eine helle Umgebung eingebettet ist. Das ist für die Augen der Modelle meist deutlich angenehmer.

6. Größe des Ringlichts

Das ist so ein Thema, über das ich mir ehrlich gesagt überhaupt keine Gedanken gemacht habe, bevor ich beim Shooting mit Kerstin ihr Ringlicht und mein Ringlicht nebeneinander gesehen habe. Erst da wurde mir klar, was an sich völlig logisch ist: Es gibt Ringlichter in verschiedenen Durchmessern, zum Beispiel werden Ringlichter mit 12, 14 und 18 Zoll Durchmesser angeboten. Was man da bevorzugt ist reine Herzenssache. Meins ist so ein 18 Zoll-Gerät, ein 14er wäre für mich zu klein. Das liegt daran, dass ich gerne im Querformat fotografiere. Da geht dann der Bildwinkel beim bevorzugten Abstand des Models vom Ringlicht (siehe oben) und dem bevorzugten 85mm-Objektiv an der Vollformat-Kamera für ein Kopf-Schulter-Portrait so gerade eben durch den Ring. Nur, wenn ich nicht aufpasse, habe ich dann eine „Ringlicht-Vignettierung“ an den Bildecken (also das Ringlicht mit im Bild). Mit einem kleineren Ringlicht käme ich da also wirklich nicht klar.

Das ist aber wie gesagt Geschmackssache. Ich wollte an dieser Stelle nur darauf hinweisen, dass es verschiedene Größen gibt, damit Du beim Einkauf darauf achten kannst.

Als Fazit kann ich also festhalten:

Mir macht ein Ringlicht richtig Spaß. Es ist meines Erachtens nicht unbedingt was für Business Portraits, sondern eher im Bereich der Modell-Fotografie angesiedelt. Aber genau da macht es eben Laune. Und das für vergleichsweise wenig Geld.

Fragen? Hier entlang, bitte.

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