Einfach natürlich – natürlich einfach? Kinder-Fotoshooting im Park

Hallo. Heute wollte ich einfach mal kurz von einem kleinen Shooting am vergangenen Sonntag erzählen. Das heißt, ob die Episode den Begriff „Shooting“ verdient, weiß ich gar nicht so genau. Man könnte auch sagen, dass wir auf dem Weg zum Café mal eben ein paar Fotos gemacht haben. Mit dem Begriff „Shooting“ ist ja oft die Erwartung von viel (technischem) Aufwand verbunden, was aber hier nicht der Fall war und eben auf nicht zwingend sein muss.

Das genau ist der Punkt dieses Blogposts. Einfach mal die Kirche im Dorf (bzw. die Blitzanlage im Haus) lassen, und einfach mal relativ unbeschwert nur mit Kamera und Objektiv und dem Model (in dem Fall gleich mal zwei) losgehen.

Die Fotos oben sind genau so entstanden, es war noch nicht einmal ein Reflektor oder Diffusor im Spiel (die ich allerdings gleichwohl mitgenommen hatte). Einfach nur im Park ein schattiges Plätzchen aufgesucht und bei 85mm oder 50mm mit ziemlicher Offenblende fotografiert – fertig. Das Licht war einfach das natürliche Licht im offenen Schatten eines großen Baumes. Übrigens um etwa 13:00 Uhr – also zu genau der Zeit, wo man im Sommer nach überlieferter (veralteter) Fotografenweisheit ja sowieso nicht draußen fotografieren kann… 😉

Diese fotografische Begleiterscheinung auf dem Weg zum Kaffeetrinken hat insgesamt gerade mal 40 Minuten in Anspruch genommen; und da waren dann schon Fotos an drei verschiedenen Stellen innerhalb des Parks inklusive.

Ich liebe diese „einfachen“ Shootings ja, gerade bei Kindern. Deren Geduld und Kooperationsbereitschaft leidet durchaus sehr, wenn man erst jedesmal 10 Minuten lang das Licht einrichten will, und sie sich danach am besten immer nur in einem sehr eng begrenzten Bereich mit optimaler Belichtung aufhalten sollen. Solche restriktiven Szenarien funktionieren mit Kindern einfach nicht so gut, weil sie eben Kinder sind, also am liebsten Quatsch machen und Herumtoben.

Wenn ich also Wert darauf lege, die Persönlichkeit des Kindes zu fotografieren, muss ich zusehen, dass das Kind die ganze Geschichte als Spiel empfindet und dann eben das „Spiel“ mit der Kamera verfolgen und einfangen. Mein Fokus liegt also ganz klar voll auf der Interaktion mit dem Kind, was dazu führt, dass ich mich auf die Technik schlichtweg verlassen muss. Denn eine genaue Festlegung des idealen Bildschnitts und eine zielgenaue Fokussierung mittels Blick durch den Sucher und perfekter Anpassung des Fokuspunkts kann man dabei nämlich vergessen. Denn dann stünde die Kamera wieder zwischen mir und dem Kind und behindert meine Interaktion. Viel häufiger habe ich also die Kamera gar nicht erst am Auge, sondern ziele grob in Richtung des Kindes und muss mich darauf verlassen, dass der Autofokus es schon richten wird.

Das führt dann zwar – je nach Aktivitätslevel des Kindes – und offener Blende mitunter zu herben Ausschussraten, aber die „Treffer“ sind immer Gold wert, weil eben immer echte Emotionen des Kindes eingefangen werden.

So ganz „natürlich einfach“ sind diese „einfach natürlichen“ Shootings dann halt doch nicht. Zwar fällt viel technischer Kram weg, der einfach nur der Interaktion mit dem Kind im Weg stehen würde, insofern also wird es „einfacher“. Auf der anderen Seite erfordert das „aus der Hüfte schießen“ doch etwas Übung und man ist auf einer ganz anderen Ebene – der Kommunikation mit der Model – erheblich gefordert. Gut, wenn man dann ein Kind vor sich hat, das sowieso gerne aus sich heraus geht…

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Prinzessinnen am Strand

Moin. Manchmal ist es ja schon ganz praktisch, zwei kleine Fotomodelle im Gepäck zu haben, auch wenn die gelegentlich mal von „Süß“ auf „Sauer“ umschalten.

Aber die beiden befinden sich jedenfalls ziemlich oft im Prinzessinnenmodus. Und nachdem sie in diesem Jahr für ihren Job als Blumenmädchen bei einer Hochzeit mit regelrechten Ballkleidchen ausgestattet wurden, schwebten sie kleidermäßig sozusagen auf Wolke 7. Und das musste natürlich im Urlaub fotomäßig ausgenutzt werden. Und zwar sowohl im letzten Urlaub am Ostseestrand und nun schon wieder an der Nordsee.Im ergebnis sieht das dann aus wie das Bild oben über dem Blogpost.Das Setup war dabei denkbar einfach. Neben der Kamera war einfach nur ein Diffusor bzw. Reflektor im Einsatz, und zwar der „Mini“ von California Sunbounce. Einmal mit einer 2/3-Diffusor-Bespannung und einmal mit einer gemischten Gold/Silber-Bespannung („Zebra“).

Meine Assistentin (zugleich zuständig für Hairstyling, Catering und Model-Entertainment) hielt einfach den Diffusor zwischen Sonne und die beiden Prinzessinnen (siehe oben), so dass beide in wunderbar weiches Licht getaucht wurden und harte Schatten keine Chance hatten. Hier eine künstlerisch wertvolle Skizze davon:

Oder sie reflektierte zusätzliches Licht mit dem nun zebrabespanntem Sunbouncer auf die Modelle, so dass aus Sonne und Reflektion ein Zangenlicht entstand.

hier mal das Zangenlicht: Sonne von hinten links, Licht vom Reflektor mit Zebra-Bespannung von rechts

Ein wunderbar unaufwendiges Shooting. Ich mag das ja, wenn ich die Hampelei mit einem Blitz vermeiden kann, denn das bringt ja immer Kompromisse mit sich (Stichwort: Blitzsynchronzeit).

Mit so einem handgehaltenen Diffusor/Reflektor kann man ganz einfach durchfotografieren und ultra-flexibel auf die Modelle reagieren. Bewegt sich das Kind, bewegen sich eben auch Fotograf und Lichtformer. Die einzige Schwierigkeit war eigentlich, dass der „Mini“ für zwei Kinder schon mal etwas knapp mit dem Schattenwurf war, obwohl die Bezeichnung „Mini“ bei einer Rahmengröße von 90x125cm ja schon ein kleiner Euphemismus ist.

Aber sobald sich die Kinder mal etwas auseinander bewegten, war eben schon die Grenze des Schattenwurfs erreicht. Was natürlich spontan mit dem Einkauf eines Sunbounce „Pro“-Rahmens mit Diffusorbespannung kuriert wurde. Denn weil wir ja zum Umweltfotofestival in Zingst waren, wo California Sunbounce einer der allgegenwärtigen Hauptsponsoren ist und seine Produkte an Teilnehmer der firmengesponsorten Fotoworkshops natürlich mit einem kleinen Messerabatt verkauft, war der Pro sozusagen fast quasi ein Schnäppchen. Also, naja, jedenfalls etwas günstiger. OK, sagen wir, es tat halt nicht ganz so weh…

Mehr über den Besuch des Umweltfotofestivals in Zingst bzw. den dort besuchten Workshop hatte ich übrigens hier (Fotofestival) und hier (Workshopbericht) geschrieben.

Ich bin dann jetzt mal weg und organisiere mir für den nächsten Urlaub den zusätzlichen Assistenten zum Halten des PRO-Segels…

Bis bald.

Theorie und Praxis: eine Fotocollage

Moin. Kennst Du das auch? Da hat man mal in den unendlichen Weiten des Internets eine coole Idee für ein Foto gesehen. Man macht sich daran, die Idee selber umzusetzen. Und obwohl man schon beim Shooting selber sieht, dass die Umstände vor Ort nicht ganz ideal für das gewünschte Ergebnis sind, macht man trotzdem weiter. Schließlich will man das ja mal ausprobieren…

Es ging dabei um Folgendes: Ich hatte eine Fotocollage gesehen. Die Mitglieder einer Familie haben sich in unterschiedlichsten Besetzungen und Posen in einen festen Rahmen gestellt und sind darin fotografiert worden. Die dabei entstandenen Einzelfotos hat der Künstler dann in einer Anordnung von – ich glaube – 3 Reihen á 6 oder 7 Bildern zu einem Gesamtbild zusammengefügt.

Sah cool aus – wollte ich auch mal machen – und habe ich jetzt gemacht, siehe oben.

Und ich habe dabei viel gelernt!
Der Fachbegriff dafür heißt, glaube ich, „Lernen durch Schmerz“. Im konkreten Fall war es der Schmerz stundenlanger Arbeit in Photoshop, die erforderlich wurde, um die Problemchen auszukurieren, die die für diese Fotocollage suboptimalen Gegebenheiten vor Ort so mit sich gebracht haben.

Als da wären:

Der Hintergrund

Der Hintergrund ist, wie oben ersichtlich, eine gefrostete Glastür. Durch diese konnte man natürlich die Helligkeitszonen des dahinter liegenden Raumes als Umrisse oder Schemen erkennen. Mit anderen Worten der hinter der Tür stehende Esstisch war als dunklelbrauner Fleck erkennbar, der Fussboden als hellbraune Fläche und so weiter. Deshalb war sofort klar, dass ich hinter der Tür einen eigenen Hintergrund aufbauen und beleuchten musste, um die Einflüsse des Raums hinter der Tür auszublenden.
Also – so war der Plan – schnell ein Stück weißes Molton aufgehängt und mit einem Blitz von hinten durchleuchtet, und schon sollte mein gleichmäßiger Hintergrund fertig sein.

Soweit die Theorie.

Aufgrund der räumlichen Verhältnisse – die Tür war in einem kleinen Wandstück eingebaut, das zu den angrenzenden Wänden im 45-Grad-Winkel stand – konnte ich aber mein richtiges Hintergrundsystem nicht aufstellen, sondern musste hilfsweise ein Galgenstativ nehmen.

Dankenswerter Weise war das stabil genug für diese Aufgabe. Man glaubt ja gar nicht, was so ein Stückchen Stoff für eine Belastung sein kann… aber es ging. So gerade.

Dann musste der Hintergrundstoff natürlich noch sehr nah und exakt von hinten an die Türe herangelegt werden, weil man sonst im unteren Bereich der Tür den Holzfussboden gesehen hätte.

Nunja, alles etwas fummelig, aber machbar. Und vor allem ohne Nachwirkungen in Bezug auf spätere Bildverarbeitung.

Nächstes Problem: Nicht gerade „unendliche Weiten…“

Auf der anderen Seite Tür, dort, wo schließlich die Bilder entstehen sollten, war natürlich der Flur. Und so ein Flur ist in einem normalen deutschen Einfamilien-Reihenhaus ja schon mal nicht unbedingt ein Ballsaal. Mit anderen Worten: Da war so gut wie kein Platz. Und deshalb hockte oder kniete ich mehr oder weniger direkt vor einer Wandecke unterhalb meines Hauptlichts und hatte dort vielleicht gerade mal einen knappen Meter Distanz zur Tür und zu meinen Fotosubjekten.

Warum war das ein Problem?

Nunja: Erstens musste ich mit einem extremen Weitwinkel arbeiten, um überhaupt den ganzen Türrahmen + Boden auf das Foto zu bekommen. Das zog dann dank des hochkantigen Aufnahmeformats den Türrahmen und die Familienmitglieder teils deutlich in die Länge. Besonders die am unteren Bildrand gelegenen Füße….

Zweitens war nicht daran zu denken, ein Kamerastativ aufzustellen, um die Perspektive der Kamera auf die Tür festzunageln. Das hätte ganz einfach nicht gepasst.

Das Ergebnis:
Mangels festgezurrter Kameraposition hatte ich Schwankungen im Bildwinkel, die – bedingt durch die extreme Brennweite – teils zu deutlich unterschiedlichen Bildanteilen von Fußboden zu Türrahmen führten. Gerade beim starken Weitwinkel wirken sich ja schon kleinste Änderungen im Bildwinkel ziemlich krass aus.

Daher musste ich zunächst einmal für jedes Bild einzeln die Perpektivkorrektur vornehmen, damit der Türrahmen nachher horizontal und vertikal auch schön gerade war. Das sollte zwar in der Theorie die Upright-Funktion von Lightroom vollautomatisch erledigen können, aber das ist eben auch nur eine Theorie…. Da war nix mit flächendeckender Automation oder dem Übertragen von Einstellungen, sondern es hieß „jedes Bild bitte einzeln zur manuellen Korrektur antreten“

Dann musste ja in der Collage der Türrahmen möglichst immer auf der gleichen Höhe enden. Aufgrund der Schwankungen der Kameraposition und -ausrichtung war das aber eben nicht automatisch der Fall. Und ich konnte ja auch nicht einfach an der Unterkante des Türrahmens schneiden, weil ich dann den Leuten ja ständig die Füße amputiert hätte. Ein bißchen Fußboden brauchte ich also schon. Und folglich musste ich die Türrahmen- und Fußbodenanteile jedes Bildes unabhängig voneinander von Bild zu Bild angleichen.

Teilweise hatte ich zu viel Boden, dann wurde der geschnitten und/oder gestaucht, was den durch das Weitwinkel lang gezogenen Füßen im Einzelfall sicherlich gut tat. Aber natürlich durfte nur der reine Fußbodenteil gestaucht werden, denn der Türrahmen musste ja die an den Nachbarbildern ausgerichtete Länge behalten.

Teilweise hatte ich aber auch zu wenig Boden. Also raus mit dem Kopierstempel und anderen Clone-Werkzeugen und fröhlich Fliesenfußboden hinzu erfunden… Und weil öfters mal keine frei sichtbare Fuge im richtigen Winkel verfügbar war, kann ich jetzt auch richtig gut mit der Winkeleinstellung im Kopierstempel-Werkzeug umgehen…

Unterm Strich bedeutete das Zusammenstellen der Collage lockere 8 bis 10 Stunden Photoshop-Arbeit.
Die Quintessenz des Ganzen:

Sowas mache ich nur nochmal bei optimalen Bedingungen.

Das heißt:

  1. Es ist genug Platz für ein Kamerastativ. Das ist – glaube ich – das Wichtigste: Perspektive festnageln!!! Dann kann man nämlich nachher einmal(!) in einem Bild die nötigen Perspektivkorrekturen vornehmen und diese auf alle anderen Bilder übertragen. Mit anderen Worten: Schon bei der Aufnahme schaffe ich die Voraussetzungen, damit ich es bei der Bildverarbeitung später einfacher habe.
  2. Es ist genug Platz, um mit einer mittleren Brennweite zu arbeiten. Kein Problem mehr mit Weitwinkel-Verzerrungen in Form von langen Füßen. Am besten gleich eine Festbrennweite, damit man direkt auch ein versehentliches Verstellen der Brennweite ausschließen kann.
  3. Ich habe idealerweise einen vollständigen (=vierseitigen) Rahmen, in den sich die Leute komplett hereinstellen können. Das eliminiert das Fußboden-Problem vollständig. Kein Strecken oder Stauchen von Bildanteilen mehr, damit der Türrahmen auf allen Bildern an gleicher Stelle endet. So kann ich schon in Lightroom genau auf die äußeren Kanten des Rahmens schneiden, und die Bilder vor der Verarbeitung zur Collage in Photoshop mit festgelegter Bildhöhe exportieren, und schon sind alle Einzelfotos automatisch exakt gleich hoch.

Damit sollten dann alle Bilder weitestgehend automatisiert verarbeitbar sein und die gleichen Abmessungen haben. Damit müsste ich es dann beim Zusammensetzen zur Collage auch bedeutend(!) einfacher haben – denke ich mir. Werde ich bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit herausfinden.

Bis bald.

Minimalinvasives Familienshooting…

Moin zusammen.

Ich war kürzlich wieder einmal in Sachen Familienfotografie unterwegs, und hatte die Ehre ein paar Fotos für eine Familie mit einem Kindergartenkind und einem wenige Wochen alten Säugling zu machen. Wie (fast) immer fand das Shooting bei der Familie zu Hause statt. Das heißt: Fotostudio ins Auto packen, rüberfahren, und dann – ganz wichtig – erstmal umschauen, welche fotografischen Gelegenheiten sich denn vor Ort ergeben. Dann erst Sachen aus dem vollgepackten Auto holen, und zwar ganz gezielt nur die, die ich auch wirklich brauche.

Hintergrundsystem? Hab ich nicht gebraucht, weil die vorhandenen weißen Wände des Wohnzimmers mit den vorhandenen weißen, leicht transparenten Vorhängen einen schönen neutralen Hintergrund boten. Wir haben einfach nur den Wohnzimmertisch ein Stück beiseite gerückt, über eine Couch ein Stück meines weißen Moltons geworfen, und schon war in einem wirklich nicht gerade supergroßen Wohnzimmer eine ganz neutrale, unaufdringliche Foto-Location entstanden, die trotzdem noch wohnlichen Charakter hatte. Das mag ich gerade für Familienfotos sehr. Da ist mir nämlich die Neutralität eines Studiohintergrundes gerne auch mal ein bißchen zu steril. Und außerdem blieb mir der Kampf mit potenziellen Falten im Stoffhintergrund erspart.

Studioblitze? Habe ich auch nicht gebraucht. Alle Fotos, wo Blitz zum Einsatz kam, wurden mit einem einsamen Aufsteckblitz + großem Durchlichtschirm (120cm) erledigt. Die Komination lieferte mir bei 1/4-Leistung genug Power, um die vierköpfige Familie auf der Couch mit Blende 5.0 / ISO 800 zu fotografieren. Blende 5.0 gab mir bei den mittleren Brennweiten genug Schärfentiefe für die ganze Familie, und so ein Aufsteckblitzchen auf dem Stativ ist schon rein vom Gewicht her um Welten einfacher zu handhaben, als ein dicker Studioblitz. Vom fehlenden Stromkabelgewirr mal ganz zu schweigen.

Und ja, ich weiß: „Warum denn ISO 800 und den Blitz auf 1/4? Das wär doch auch mit ISO 200 und Blitz auf 1/1 gegangen.“ Stimmt. Wäre gegangen.

ABER außer für 200%-Pixel-Peeper sieht ISO 800 an einer aktuellen Kamera genau so gut aus, wie ISO 200, da mache ich mich bei meiner D800 nun wirklich absolut keine Gedanken. Durch die reduzierte Leistungsabgabe beim Blitz hatte ich aber eine erheblich schnellere Ladezeit bzw. Blitzfolgezeit, und DAS war mir dagegen wirklich wichtig. Gerade wenn Kinder mit im Spiel sind, können nämlich auch mal schnellere Fotosalven angebracht sein.

Das gibt dann z.B. Ergebnisse, wie das hier links. Schön offen und weich ausgeleuchtet von einem einzelnen Blitzchen. Und ein richtig echtes Familienfoto: Die kleine Maus knatscht etwas vor sich hin, und der ganze Rest der Familie schaut rüber und versucht sie aufzuheitern. Richtig aus dem wirklichen Leben und kein „Jetzt-schau-doch-mal-in-die-Kamera-und-lächel-mal-schön-Foto“. Gut, auch die braucht man natürlich, und die haben wir natürlich auch an diesem Tag fotografiert, aber ich finde SOLCHE Fotos hier, wo die Interaktion in der Familie auf dem Bild sichtbar wird, eigentlich viel schöner.

Ein Großteil der Fotos entstand sogar mal wieder ganz schlicht und ergreifend mit Fensterlicht. Wie das Foto hier, dass auch das Beitragsbild geworden ist:

Einfach die Mutter mit ihren beiden Kindern vor einem großen Fenster im langen Flur des Hauses platziert und mit 100mm Brennweite aus der Küche heraus fotografiert. Ich brauchte aufgrund der weißen Wand gegenüber vom Fenster (ca. 1m jenseits des rechten Bildrandes) nicht mal einen Aufheller für die Schattenseite. Und zur Aufhellung der Kinder reichte das weiße Oberteil der Mutter. Das Leben kann ja manchmal so einfach sein. Kein Kampf mit Blitzladezeiten, kein Kampf mit irgendwelchen Blitzsynchronzeiten, sondern einfach nur die Familie, eine Kamera und los geht’s.

Von genau dieser Stelle gibt’s dann auch noch einen weiteren, kleinen Lernpunkt mitzunehmen: Selbst kleine Änderungen des Blickwinkels vom Fotograf auf die Person können zu ganz krassen Unterschieden im Bildergebnis führen.

Schaut mal hier:

Im Bild links wird der Hintergrund vom Fensterrahmen und den weißen, transparenten Vorhängen gebildet.
Und dann bin ich einfach einen Schritt nach links gegangen, weshalb ich bei unveränderter Position der Mutter die Kamera leicht nach rechts geschwenkt habe. Folge: Fensterrahmen und Vorhänge bildeten nicht mehr den Hintergrund, sondern die Wände des unbeleuchteten Flures (siehe Bild oben rechts).
Ergebnis: Ein ganz anderes Bild mit nur einem Schritt nach links.

Also: Wenn ihr irgendwo „On Location“ seid, schaut euch genau um. Wo kommt Licht her? Was bieten sich für Möglichkeiten an? Wie könnt ihr den Aufbauaufwand und Materialeinsatz möglichst gering halten? Und wenn ihr dann fotografiert, ändert mal geringfügig euren Blickwinkel. Ihr könntet möglicherweise mit minimalstem Aufwand den Output einer Location verdoppeln.

Im Ergebnis hatte ich – wie immer –  für den Fall der Fälle alles (na gut, FAST alles), was das heimische Fotozeuchmateriallager her gab, ins Auto geladen aber nur einen Bruchteil davon wirklich gebraucht. So konnte ich an diesem Tag innerhalb von rund 3 Stunden ohne große Materialschlacht eine ziemliche Vielfalt an Fotos erstellen – ich habe in der Tat bloß ein (also: 1) Galgenstativ mit Aufsteckblitz, Funkauslöser und Schirm und natürlich meine Kamera mit 3 verschiedenen Objektiven benutzt. Hätte ich erstmal noch das Hintergrundsystem aufgebaut, hätten wir erstmal noch mehr Mobiliar aus dem Wohnzimmer räumen müssen, womöglich noch einen Blitz zur Aufhellung des Hintergrunds gebraucht, tendenziell aufgrund der räumlichen Verhältnisse noch Probleme mit der sauberen Trennung der Hintergundbeleuchtung von der Beleuchtung der Familie gehabt und so weiter…  Unterm Strich hätte mir auf jeden Fall deutlich weniger Zeit zum Fotografieren zur Verfügung gestanden.

So aber war es ein ziemlich minimalinvasives und auch dadurch erfolgreiches Shooting.
Bis bald.

Fensterlicht

Irgendwie ist ja immer das gleiche: Wenn ich zu einem Shooting fahre, ist mein Auto in der Regel ganz schön vollgepackt. Hintergrundsystem, Blitze, Lichtstative, Schirme, Softboxen, Reflektoren, Sandsäcke etc.. Eine Riesenschlepperei.

Und dann vor Ort? Oft genug entstehen die besten Fotos ganz einfach mit dem Licht, dass ohnehin durch die Fenster in die Wohnung meiner Kunden fällt. Wie oben zum Beispiel.

Superschönes, weiches Licht von der Seite, so dass das Gesicht schön modelliert wird.

In der Wand links vom Model (vom Fotografen aus gesehen), waren drei relativ kleine Fenster, die diese Szene für die Aufnahmewerte von ISO 800, f/2.8, 1/100sec. absolut hinreichend ausgeleuchtet haben – und zwar bei relativ diesigem Wetter.

Klar, über eine große Softbox von links oder einen größeren Diffusor, hinter dem ein Blitz steht, hätte ich ein genauso weiches Licht künstlich setzen, und damit meinen ISO-Wert in den Keller drücken können. Mit einer solchen  Fensterlichtsimulation hätte ich aber nur ein vergleichsweise kleines Stück Raum ausleuchten können.  Zudem wäre noch ein zusätzlich ein Aufhelllicht für die Schattenbereiche nötig gewesen. Ich hätte also mein Model nur in einem sehr begrenzten Stück Raum fotografieren können – na herzlichen Dank. Erklärt ihr mal einem kleinen Kind, dass es jetzt mal kurz genau „DA“ stehen bleiben muss, damit der Fotograf ein gut ausgeleuchtetes Foto machen kann… Wünsche viel Erfolg dabei.

Die Fenster hingegen sorgten im kompletten Wohnbereich für eine super weiche Ausleuchtung; ich musste nur die Empfindlichkeit meiner Kamera ein bißchen aufdrehen, und schon konnte ich einfach drauf los fotografieren. Aufbau und Einrichtung der Fensterlichtsimulation zuzüglich der Positionierung meines Modells im „Sweet-Spot“ hätten dagegen wieder mehr Zeit erfordert und die Geduld meines Models vermutlich weit über Gebühr strapaziert. Und dass ich mein Modell nicht an einer bestimmten Stelle im Raum festnageln muste, machte dieses Foto überhaupt erst möglich.

Und die Moral von diesem Blogpost? Den ganzen Kram zu Hause lassen und nur noch mit Fensterlicht fotografieren? Besser mal nicht darauf verlassen, den Murphy ist ein … und schlägt immer wieder zu. Also sollte man schon für alle Eventualitäten gerüstet sein, aber eben auch einfach mal durch den Raum schauen und auf das ohnehin vorhandene, natürliche Licht achten. Vielleicht seid ihr dann schon mit allem versorgt, was ihr braucht…

Viel Spaß beim Fotografieren und bis bald.

Fotopraxis: Vater und Kind

Die kleine Tabea mit ihren Eltern hatte ich vor nicht allzu langer Zeit im Studio zu Gast. Und wenn ich klein schreibe, meine ich auch klein. Sie war da gerade mal wenige Wochen alt.

Wer sich mit diesen kleinen Menschen auskennt weiß, dass sie in dieser Zeit noch Schwierigkeiten haben, ihren Kopf selber zu halten. Der ist ganz einfach zu schwer für die Halsmuskulatur der Babys. Da ist für das Kind zur Stärkung der Muskeln noch etwas Bodybuilding angesagt. Typischerweise können Babys ihren Kopf dann so ab einem Alter von  ca. 3 Monaten selber halten. Bis dahin muss der Kopf von demjenigen, der das Kind hält, gestützt werden.

Wie also habe ich diese Aufnahme gemacht, in der der Vater das Kind senkrecht hochzuhalten scheint, ohne dass seine Hand das Köpfchen stützt?

Ganz einfach: Das Kind wurde gar nicht hochgehalten. Es lag. Und zwar auf den Beinen der Mutter, die auf dem Boden hockte. Der Vater hockte ebenfalls auf dem Boden und hatte dann die geringfügig anstrengende Aufgabe, sich über sein liegendes Kind zu beugen. Die Kamerahaltung wurde der Lage des Kindes angepasst, den Bildschnitt so gesetzt, dass Beine der Mutter nicht mit im Bild sind, et voilà: Fertig ist das Bild.

Dabei sollte man sich dann natürlich im Interesse des Vaters etwas beeilen, denn wer sich als Normalbürger hinkniet und so vorbeugt, ohne sich wirklich abstützen zu können, der kriegt nach kürzester Zeit prächtig „Rücken“. Also: Mutter und Kind platzieren (die beiden haben es ja einigermaßen gemütlich), Kamera und Licht einstellen, dann erst den Vater zum Vorbeugen animieren und in Sekundenschnelle ein paar Bilder machen.

Stichwort „Licht einstellen“: Wie man sieht, kommt hier das einzige Licht vom Hintergrund, einem weißen Standard-Papierhintergrund, der per Blitz zum Ausbrennen gebracht wurde. Kein Frontlicht auf dem Motiv, nicht mal ein Reflektor. Das einzige Licht auf dem Motiv kommt von der Reflektion des Hintergrundes nach vorne, auch der Studio-Raum hat nur geringfügig reflektiert, weshalb die beiden nach vorne hin nicht völlig schwarz wurden. Hätte das gedroht, wäre ein Reflektor von vorn zum Einsatz gekommen, damit ich die Tonwerte unter Kontrolle gehabt hätte.

Bis bald.