Es geht weiter in meiner kleinen Reihe mit Tipps für ein Babyshooting. Heute geht es um DEINE Grundeinstellung. Solltest Du den Anfang verpasst haben der Reihe verpasst haben und Nachholbedarf verspüren: Hier geht es zum ersten Beitrag.

Jetzt aber zum Thema „Grundeinstellung“. Es ist noch gar nicht sooo lange her, da bedeutete ein Familienfoto-Sitzung die „ordentliche und gesittete Aufreihung“ von Eltern und Kindern – natürlich in der jeweils besten Kleidung – auf einer Sitzgelegenheit, und alle hatten adrett in Richtung Kamera zu lächeln.

Um es vorsichtig zu sagen: Das ist nicht MEIN Ansatz.

Ich bin eher ein Fan davon, lebendige Fotos von Kindern und Familien zu machen. Zu Versuchen, das Wesen der Kinder einzufangen, und die Familie als lebendige, interagierende Gemeinschaft zu fotografieren. Dafür ist auf Deiner/eurer Seite folgender Leitsatz als Grundhaltung hilfreich:

Ein Familienshooting ist für die Kinder ein Spiel und für die Eltern eine Auszeit vom Alltag!

Denn das Wichtigste bei einem Familienshooting ist es, sich im Vorfeld klarzumachen, dass man die Kooperation eines Kindes absolut nicht erzwingen kann. NIEMALS.

A) Babys

Bei Babys ist sowieso klar: Deren Universum besteht aus der eigenen Person und Mama, die immer spürbar in der Nähe sein muss. Alles andere existiert für diese kleinen Menschen buchstäblich nicht. Man kann sich also für ein Babyshooting immer viele Dinge vornehmen und tolle Bildideen umsetzen wollen. Und man kann sich riesig freuen, wenn das dann tatsächlich klappt.
Wenn sich das Baby aber ausschließlich auf Mamas Arm wohlfühlt, ist das eben die einzige verfügbare Posingoption. Da kann ich noch so sehr das Foto mit dem Baby auf dem Schaffell haben wollen; das wird dann nicht gelingen. Klar können wir probieren, ob sich im Verlauf des Shootings die Grundzufriedenheit des Babys soweit gesteigert hat, dass es auch in eine der angedachten Posen oder Sets gelegt werden kann und dabei glücklich und zufrieden bleibt. Ist das aber nachhaltig trotz aller Bemühungen nicht der Fall, können wir eben maximal die Posingmöglichkeiten des Babys auf Mamas Arm, Bauch, Schoß, Bein durchgehen. Haben wir diese Möglichkeiten ausgereizt und ist nicht zu erwarten, dass sich die Lage ändern wird, können wir besser das Shooting vorzeitig beenden und an einem anderen Termin einen neuen Anlauf nehmen.

B) Klein- und Schulkinder

Bei älteren Kindern – eigentlich jeder Altersstufe – ist es wichtig, dass sie selber Spass an der Sache haben, dass das Shooting für sie ein Spiel ist, bei dem sie gerne mitmachen. Elterlicher Druck der Marke „Jetzt guck doch mal ordentlich.“ / „Zappel da nicht so rum.“ / „Nein, Du kannst jetzt nicht Dein Krönchen tragen.“ sind tödlich für authentische Fotos der Kinder. Man kann vielleicht ein Kind mit Druck dazu bewegen, sich an die vorgesehene Stelle im Foto zu bewegen. Man kann aber keinesfalls mit Druck ein strahlendes Kinderlachen und echte, aus den Augen blitzende Freude hervorrufen.

DAS. FUNKTIONIERT. EINFACH. NICHT.

Insofern ist es wirklich überaus wichtig, dass Du als Mutter bzw. ihr als Eltern eine wirklich entspannte Grundhaltung gegenüber dem Verhalten Deines bzw. eures Kindes beim Shooting einnehmt. Dazu gehört dann auch, dass sonst übliche Konventionen gelockert werden. Die weitaus besten Kinderfotos entstehen dann, wenn man mit den Kindern einfach spielt oder Quatsch mach – sie eben einfach Kind sein lässt. Irgendwann wird sich das Kind hinreichend ausgepowert oder einfach genug vom Quatschmachen haben, und sich an Mama und/oder Papa kuscheln. Oder wir spielen das beliebte Spiel, dass ich Mama und Papa in geeigneter Pose in Position bringe, dann das Kind ein paar Runden drum herum laufen lasse und es sich dann mit Schwung ein tolles Plätzchen auf Papas (oder Mamas) Schoß oder dazwischen sucht. Das ist gerade für aktive Kinder, die sich gerne bewegen und nicht gerne stillsitzen, eigentlich IMMER ein Erfolgsrezept. Und schon haben wir auch das tolle Familienfoto für die Oma fertig. So – und meiner Meinung nach NUR so – kommt man an echte, authentische Fotos von Kindern und Familien.

Und dabei ist das Spielen mit dem Kind, das Herauslocken aus dem Schneckenhaus oder das Anfeuern des Kindes im Wesentlichen MEIN Job. Klar greife ich immer mal auf Deine Hilfe zurück, schließlich kennst Du Dein Kind deutlich besser als ich. Keinesfalls aber ist es Dein Job, für ein „Wohlverhalten“ des Kindes zu sorgen, insbesondere dann nicht, wenn Du selber auf dem Foto bist. DU HAST DANN IN BEZUG AUF DIE KINDERERZIEHUNG EINFACH MAL FREI!

WAS ALSO TUN?

Das Beste (und Einzige), was du tun kannst, ist es, günstige Rahmenbedingungen zu schaffen. Dazu zählt, dass alle Teilnehmer ausgeruht und entspannt in das Shooting starten können, dass sich alle wohl fühlen, kein Stress herrscht. Das betrifft auch insbesondere DICH als Mutter. Tu Dir bitte vor dem Shooting keinen unnötigen Stress an, zum Beispiel „noch mal schnell die Bude zu putzen, damit auch alles ordentlich ist, wenn der Fotograf kommt“. Wenn Dich das entspannt, meinetwegen. Wenn nicht: Finger weg. Wir werden im Zweifel sowieso ein paar Möbel verrücken und ein wenig Chaos verbreiten (das ich übrigens nachher auch wieder mit aufräume…). Und dass ein Wohnzimmer einer jungen Familie im Zweifel wie ein Spielzeugladen aussehen kann, in dem eine Konfettikanone gezündet wurde, weiß ich als Vater zweier Kinder auch. Also: relaxt bleiben. In Ruhe ein paar Kleidungsstücke vorbereiten, auch an das eigene Styling denken, gemütlich den Tag beginnen und abwarten.

Und was Dein Baby angeht: Bloß nicht mit Druck daran arbeiten, dass das Baby pünktlich zum vereinbarten Zeitpunkt satt ist und schläft. Denn erstens muss ich sowieso erstmal mit ein paar fototechnischen Dingen zur Türe herein kommen. Und zweitens werden wir dann erstmal klären, wie die allgemeine Lage bei euch ist und womit wir beginnen. Es gibt also noch eine kleine Vorlaufphase, zwischen Ankunft und Shootingbeginn. Gut: Sollte Dein Baby zu den Kindern gehört, die alle 2 Stunden eine Mahlzeit von 1 ¾ Stunden Dauer brauchen, wäre es natürlich ungünstig, damit erst nach meinem Eintreffen zu beginnen. Aber Du weißt, was ich meine: Keinen Stress erzeugen, damit das Baby auch „schön fertig“ ist damit es „gleich losgehen kann“. Das gilt in ähnlicher Form auch für Kleinkinder. Bei einer typischen Dauer von ca. zwei bis drei Stunden für so ein Familienshooting müssen wir sowieso mit einer kleinen Esspause für das Baby/das Kind rechnen. Das sind dann die Zeiten, wo ich zum Beispiel Fotos vom Geschwisterkind mache oder dir oder Deinem Mann zu einem neuen Facebook-Profilfoto verhelfe oder ganz einfach das nächste Set vorbereite.

Ideal ist es auch, wenn das Shooting nicht durch andere Termine eingegrenzt ist, sondern es an einem terminlich entspannten Tag stattfindet. Mir ist natürlich klar, dass sich das nicht immer einrichten lässt. Vielleicht konntest Du Dir für das Shooting nur ein begrenztes Zeitfenster freigeschaufeln, oder ein Nachmittagstermin nach der Arbeit war die einzig mögliche Option. Umso wichtiger ist es dann im Vorfeld zu wissen, dass von den Eltern nichts erwartet wird, außer, dass sie sie selbst sind und den Shootingtermin als Auszeit vom Alltag sehen, bei dem sie sich einfach nur mit sich selbst und der Familie beschäftigen können.

Denn wenn das gelingt kommen die schönsten Familienfotos bei so einer Fotositzung heraus: Das Zusammentreffen von entspannten Eltern und glücklichen Kindern.