Moin miteinander. Kürzlich habe ich hier auf diesem Blog kleine Reihe zum Thema „Babyshooting“ gestartet, in der ich allerlei Wissenswertes anspreche, dass Dich als Mutter oder Vater eines Babys interessieren könnte, falls Du Dich mit dem Gedanken trägst, ein professionelles Familienshooting mit dem neuen Erdenbürger anzugehen. Heute steht die Location, also der Ort des Geschehens, auf dem Themenzettel.

Was also ist der optimale Ort für ein Babyshooting?

Gehen wir zunächst mal davon aus, dass das Shooting in geschlossenen Räumlichkeiten stattfinden soll, was der typische Anwendungsfall bei Shootings mit Neugeborenen ist. Ich gehe zwar für ein Familien- oder Kinderfoto auch einfach gerne mal raus in den Hausgarten oder in einen Park, aber in der Regel ist das erst dann opportun, wenn  die Kinder sich selbsttätig fortbewegen können. Bei den ganz frisch geschlüpften Babys ist demzufolge „indoor“ ganz einfach mal gesetzt. Stellt sich also die Frage, von welchem Räumlichkeiten wir denn hier reden. Dazu gibt es verschiedene Betrachtungswinkel:

Zunächst einmal wäre da der Aspekt der Praktikabilität. Wenn ihr euch zu einem Familienshooting mit Baby auf den Weg zu einem Fotografen macht, müsstet ihr unweigerlich eine Auswahl an Garderobe für euch und euer Baby sowie die diversen Babyzubehörteile zusammensammeln und mitnehmen. Ihr seid dann unweigerlich auf diese Auswahl festgenagelt. Außerdem gleicht ja gerade mit einem Baby sowieso jede noch so kleine Fahrt einem mittleren Umzug. Machen wir das Shooting bei euch zu Hause, habt ihr eure kompletten Kleiderschränke im Zugriff – was insbesondere dann wichtig ist, wenn das Baby just am Tag des Shootings zum Beispiel besonders intensiv aufstößt und dies in ungeahnt schneller Folge seine Kleidung und womöglich auch die der Eltern in Mitleidenschaft zieht. Außerdem sind natürlich sämtliche Servicestationen für das Baby in gewohnter Qualität und ohne Einschränkung verfügbar. Auch das ist „auf Reisen“ ja immer mit Unbequemlichkeiten verbunden.

Angesichts dieser Lage bist du sicherlich geneigt mir zuzustimmen, wenn ich sage, dass es für euch als Familie deutlich einfacher ist, wenn der Fotograf zu euch nach Hause kommt, statt dass ihr zum Fotografen fahrt.

Ein anderer Aspekt wäre die Sache mit der Eingewöhnung in fremde Orte. Zugegeben, das trifft jetzt weniger die ganz frischen Babys, denn für die ist ja typischerweise die Welt völlig in Ordnung, solange Mama dabei ist. Aber wenn es so in Richtung Kleinkindalter geht, beginnt die Phase, wo je nach Persönlichkeit des Kindes erst mal eine Akklimatisierung in Sachen Umgebung stattfinden muss, bevor das Kind sich wohl fühlt und es sich „ganz normal“ verhält. Das ist dann auch ein Faktor, der bei der (Zeit-)planung eines Shootings einfach mal zu berücksichtigen ist.  Auch unter diesem Aspekt wäre euer Haus oder eure Wohnung einfach mal der beste Ort für ein Shooting.

Und last but not least ist da noch die Frage des Platzbedarfs. Anders formuliert: Wie viel Raum braucht denn so ein Fotoshooting. Die Antwort darauf ist leider einigermaßen vielschichtig und lautet zunächst mal lapidar: es kommt darauf an. Vor allem kommt es nämlich darauf an, wie viele Personen gleichzeitig im Foto abgebildet sein sollen, wie die Gegebenheiten vor Ort sind, und welche Fotoideen denn umgesetzt werden sollen. Ich habe das mal nachfolgend in ein paar „Regeln“ herunter gebrochen:

Regel 1: Je weniger Menschen in ein Foto sollen, desto weniger Platz brauche ich beim Fotografieren.

Angenommen, es soll ein Portrait vor neutralem Hintergrund aufgenommen werden und in Deiner Wohnung gibt es keine Möglichkeit, mein mobiles Hintergrundsystem aufzubauen und nur ein einzelnes freies Wandstück mit neutraler Farbe von gerade mal einem Meter breite. Alles andere ist mit Schränken oder Regalen „verstellt“ oder mit nicht beweglichen Wandkunstwerken geschmückt. Für ein Portrait einer einzelnen Person käme das (knapp) hin. Schon für ein Paarfoto würde es aber eng, weil ganz einfach der Hintergrund nicht ausreicht und links und rechts an den Bildrändern störende Elemente (hier: das Mobiliar) ins Bild herein rutschen.

Für ein reines Babyfoto braucht es dementsprechend ebenfalls nicht viel Platz. Da reicht ein Esstisch in Familiengröße mit ein bisschen Platz drumherum völlig aus – siehe Bildbeispiel weiter unten. Bei einem Familienfoto sieht es dann eben wieder anders aus. Da muss ich als Fotograf dann bei gleicher Brennweite (also gleichem Bildwinkel) einen größeren Abstand von der Familie haben als zuvor von der Einzelperson und zugleich muss der Hintergrund breiter sein, damit er alle Personen aufnehmen kann. Mit anderen Worten: Für ein Familienfoto braucht es sowohl in der Raumbreite als auch in der Raumtiefe mehr Platz als für ein Einzelfoto eines Babys.

Platzbedarf für ein reines Babyfoto: Ein handelsüblicher Esstisch (oder eine Couch) mit etwas Platz drumherum reicht allemal.

Regel 2: Kunstlicht braucht Stellfläche.

Das A und O bei jedem Foto ist nunmal das Licht. Lichtmenge, Lichtfarbe, Lichtqualität und vor allem Lichtrichtung sind die wesentlichen Grundfaktoren jedes einzelnen Fotos. Die gezielte Kontrolle über diese Parameter ist es, was das Foto eines Fotografen von einem Schnappschuss unterscheidet. Und wenn nicht eine günstige Lichtsituation mit einer geeigneten räumlichen Situation zusammentrifft (dazu unten mehr), komme ich meist nicht umhin wenigstens eine (gerne auch mal zwei) Fotolampe(n) oder ein Blitzlicht auf ein Stativ zu pflanzen und in eine geeignete Position zu bringen. Das bedeutet, dass ich vor dem gewählten Fotohintergrund auch freie Fläche benötige, um mein Licht stellen und bewegen zu können. Denn von wo genau mein Licht kommen muss und welchen Abstand es zu der Person oder den Personen im Foto haben muss, ist immer sehr von dem jeweiligen Foto abhängig.

Auch ohne jetzt hier in aller Tiefe über das quadratische Abstandsgesetz zu schwadronieren – das ist die physikalische Regel, die beschreibt in welchem Maße die Lichtmenge mit zunehmenden Abstand von der Lichtquelle abnimmt – ist völlig offensichtlich, dass Dinge (oder eben Personen), die näher an einer Lichtquelle sind als andere, im Foto natürlich heller beleuchtet sein werden als die anderen. Dieser Effekt tritt umso deutlicher zutage, je näher die Lichtquelle an einer Personengruppe positioniert ist. Daraus folgt, dass ich meine Lichtquelle bei einem Foto mit mehreren Personen idealerweise mit etwas Abstand aufstellen muss, damit der Helligkeitsabfall zwischen den Personen möglichst minimiert wird. Und das wiederum bedeutet, dass ich schon ein wenig Raum benötige, um eine sachgerechte Lichtsetzung vornehmen zu können. Auch dazu habe ich mal ein Bildbeispiel:

Regel 3: Tageslicht braucht keine Stellfläche, dafür aber andere Grundvoraussetzungen

Überaus gerne spare ich mir den Aufbau und Einsatz künstlicher Lichtquellen, schon allein, weil es einfach ein Stück Technik mehr ist, auf das ich beim Fotoshooting zu achten habe und was folglich Gehirnkapazität von meiner Befassung mit dem Wesentlichen – nämlich Dir und Deiner Familie – abzieht. Ein Foto rein mit Tageslicht, dass durch ein Fenster fällt ist schlichtweg die einfachste und unkomplizierteste Art und Weise, ein Foto zu schießen. Dazu hatte ich mich auch hier und hier in meinem Blog schon mal ausgelassen. Im Kontext dieses Blogposts hier – Platzbedarf – wirkt es einerseits minimierend, weil ich natürlich keinen Platz für künstliche Lichtquellen brauche. Andererseits allerdings muss schon entlang der Wand, in der das Fenster eingelassen ist, vor und hinter dem  Fenster freier und gut nutzbarer Raum vorhanden sein. „Gut nutzbar“ bezieht sich dabei insbesondere auf den Hintergrund, der dann im Hintergrund erscheint. Der sollte tendenziell nicht aus einem kribbelbunt vollgepackten offenen Regal  bestehen, sondern besser ruhig und neutral sein. Auch dazu gleich mal ein Bildbeispiel:

Platzbedarf wegen des Abstands der Leuchte von den Kindern: Damit beide Kinder in etwa gleich hell beleuchtet wurden, musste die Lichtquelle mit etwas Abstand zu den beiden aufgestellt werden, damit der Helligkeitsabfall von dem links sitzenden Kind zu dem rechts sitzenden Kind in Grenzen gehalten wurde.

Bildbeispiel für einen ruhigen Hintergrund. Zwar sieht man sowohl die Fensterrahmen (links) als auch den Wohnzimmerschrank (rechts) ins Bild kommen, aber alles spielt sich in einer einheitliche Farbpalette ab, es gibt keine chaotischen Strukturen und der Hintergrund ist weit genug von der Mutter mit ihrem Baby entfernt, um bereits leicht unscharf zu werden. Mit anderen Worten: Ein sehr gut nutzbarer Hintergrund, der dem Bild einen individuellen, wohnlichem Charakter verleiht.

Zudem muss das Licht, das durch das Fenster fällt, „fotografierbar“ sein. Fällt also gerade direkter Sonnenschein durch das Fenster, ist das meist nicht ideal. Liegt das Fenster hingegen im Hausschatten oder ist sowieso nach Norden ausgerichtet oder ist es sowieso gerade bewölkt, kommt das Fenster als Lichtquelle infrage. Alternativ kann ich direkte Sonneneinstrahlung natürlich durch einen Diffusor – im Prinzip ein weißes, halbdurchsichtiges Stück Stoff – abmildern und nutzbar machen; dann bin ich aber schon wieder dabei, zusätzliches Equipment aufzustellen und brauche dafür eben Standfläche.

Halten wir also fest: Fotografieren mit Tageslicht ist super und unaufwendig – wenn die räumlichen Verhältnisse es zulassen.

Regel 4: Der Hintergrund muss aufgeräumt sein.

Auf das Thema des Hintergrunds im Foto bin ich jetzt schon mehrfach gekommen. Um das nochmal auf den Punkt zu bringen: Kaum etwas Anderes kann ein Bild so schnell zerstören wie ein unruhiger Hintergrund. Das bedeutet jetzt nicht, dass ein Hintergrund immer steril und einfarbig sein muss, er darf schon Elemente und Muster enthalten, die einen Anflug – aber eben nur einen Anflug – von Wohnlichkeit vermitteln. Wenn hingegen im Hintergrund das Chaos tobt oder schreiende Farben dominieren, geht das halt gar nicht. Natürlich kann die professionelle Kameratechnik – namentlich offenblendige Objektive – helfen, Hintergründe in Unschärfe versinken zu lassen, aber auch das erfordert dann Platz zwischen der fotografierten Person und dem Hintergrund.

Plan B wäre es, einen Studiohintergrund aufzubauen. Das löst jegliche Diskussionen über die Geeignetheit des Hintergrunds in Wohlgefallen auf, bringt aber eine sehr explizite Neutralität des Hintergrunds mit sich. Das kann gewünscht und damit positiv sein. Nur muss man sich dann darüber klar sein, dass das spätere Foto eben keine Elemente der eigenen Wohnstätte enthält, was ich persönlich immer recht schätze. Aber das ist Geschmackssache. Und natürlich hat so ein Studiohintergrund an sich schon immer einen gewissen Platzbedarf, damit einher geht in der Regel auch immer der Aufbau eines Kunstlichts zur Beleuchtung des Hintergrundes. Folge: noch mehr Platzbedarf. Hier mal ein Bildbeispiel mit Hintergrundsystem.

Regel 5: Lass Dich nicht verrückt machen.

Solltest Du beim Lesen der vorherigen Absätze immer mehr den Eindruck gewonnen haben, dass irgendwie ALLES problematisch ist und man keinesfalls in Deiner Wohnung genug Platz für ein Fotoshooting hat, liegst Du damit vermutlich richtig falsch.

JA, es stimmt schon: Je mehr unverstellter Raum zur Verfügung steht, desto einfacher ist es für mich, zügig zu arbeiten. Eine Villa mit einem 150qm großen Wohnzimmer bietet da einfach mehr Möglichkeiten, als eine 75qm-3-Zimmer-Wohnung, die notwendigerweise mit Mobiliar mehr oder weniger voll gestellt ist. Ein einfaches Beispiel dazu: wir haben Bildidee A fotografiert und wollen zu Bildidee B übergehen. Habe ich reichlich Platz, rolle ich mein Lichtstativ einfach an die nächste Stelle und fange an, zu fotografieren. Habe ich keinen Platz, muss ich im Zweifel erst mal wieder Möbel rücken, um überhaupt, mein Licht an die richtige Stelle zu bringen zu können.

Das heißt aber nicht, dass ein Shooting in einer normalen Wohnung nicht möglich wäre. Es ist halt nur mitunter kniffeliger in der Umsetzung.

Und ja: Manche Bildideen lassen sich eben nur in bestimmten Umgebungen realisieren. Wenn Du ein tolles Foto von Deinem Baby vor Deinem geistigen Auge siehst, wie es in einem Körbchen liegt, das auf spiegelnd poliertem Parkett am Fuße eines gewaltigen Panoramafensters mit 3,50 Meter Höhe, dicken Sprossen und einem geschwungenen Rahmen steht, Du aber nicht in einer Jugendstilvilla wohnst, haben wir halt ein Problem. Dann wäre es jedenfalls gut, wenn Du jemanden kennst, der jemanden kennt. Oder das Budget zur Verfügung stellst, eine entsprechende Immobilie anzumieten.

Am Ende ist es immer eine Frage der Bildideen und der Örtlichkeiten. Es passt nicht immer alles zusammen. Und mitunter leben die Bildideen, die man so im Internet findet, eben von der besonderen Umgebung. Alles andere, insbesondere natürlich die eigentlichen Babyfotos mit neutralem Hintergrund, lässt sich normalerweise in einem Haus oder einer Wohnung, das oder die groß genug für Deine Familie ist, auch umsetzen. Dafür braucht es dann oft nicht mehr als einen zur Seite gerückten Esstisch oder die Couch eures Wohnzimmers.

Wie ein berühmter Autor schon einmal völlig zu Recht feststellte: KEINE PANIK. Wir kriegen das schon hin. Schreib mir einfach eine Nachricht, und schick mir notfalls ein paar Fotos oder ein kleines Handyvideo mit einem Rundgang durch Deine Wohnung. In bisher 100% aller Fälle war die Antwort: Das passt schon 🙂