Es ist wieder DIESE Zeit im Jahr. Wer sich im Feld der Familienfotografie tummelt, wird wohl die eine oder andere Anfrage nach weihnachtlich angehauchten Fotos von Familien und/oder Kindern bekommen. Und da dachte ich mir, ich erzähle einfach mal ein bißchen was zu dem einen oder anderen weihnachtlichen Foto.

Wie unschwer zu erkennen ist der Inhalt des obigen Beitragsfotos – neben der Familie versteht sich – der dunkle Hintergrund mit den Lichtpunkten.

Und so habe ich das gemacht:

Man nehme zunächst einen schwarzen Molton-Hintergrund. Dann bastele man sich ein Gestell, über das man einen beliebige – vorzugsweise nicht allzu dunkel leuchtende – Lichterkette in losen Schlaufen hänge. Ich habe dazu zwei Lampenstative mit Superclamps bestückt, in die ich dann eine gut 2m lange Querstange geklemmt habe. Darüber wurde dann die Lichterkette drapiert, so dass große Schlaufen in relativ regelmäßigen Abständen entstanden sind. Damit die Schlaufen der Lichterkette beim Hochfahren der Angelegenheit nicht verrutschen, habe ich sie jeweils mit einem kleinen Stückchen Klebeband gesichert.

Dann musste zunächst mal die Belichtung der Kamera auf die Lichterkette abgestimmt werden, damit die Birnchen überhaupt eine Chance haben, als Lichtpunkt im Bild zu erscheinen. Allerdings müsst ihr bei so etwas darauf aufpassen, dass vorzugsweise wirklich nur die leuchtenden Birnchen sichtbar werden und nicht das ganze Kabelgewirr der Lichterkette. Weshalb ihr auch idealerweise zu einer Lichterkette mit möglichst dunklen Birnchenfassungen und Kabeln greifen solltet – aber ein dunkles Grün ist ja sozusagen ohnehin der Standard bei vielen Lichterketten.

Ein weiterer Punkt, der die Kameraeinstellungen in gewisser Weise diktiert, ist die Frage, wie groß ich denn die Lichtpunkte gerne haben möchte. Wer schon einmal bewußt seine Kamera in Richtung einer Lichterkette gehalten und unscharf gestellt hat, um ein „Weihnachts-Bokeh-Bild“ zu erzeugen (zum Beispiel als Hintergrund für die Weihnachtsseite im Familien-Fotobuch…), wird voraussichtlich festgestellt haben, dass die Lichtpunkte größer werden,

  • je weiter die Blende geöffnet ist
  • je länger die Brennweite ist und
  • je mehr Abstand die Lichterkette zur Kamera hat.

Anhand dieser „Vorgaben“ bin ich für das obige Bild bei f/2.8, 1/100sec. bei ISO 100 und einer Brennweite von 160mm gelandet.

Und? Sieht da schon jemand ein potenzielles Problem?

Genau: Blende 2.8 bei 160mm Brennweite bedeutet nicht gerade üppige Schärfentiefe. Und das bei einem Familienfoto. Das war mit ein Grund dafür, dass die Eltern beim Foto oben die Kinder seitlich auf der Hüfte sitzen haben, denn dadurch steigen die Chancen, dass Kinder und Eltern auf einer Ebene sind. Aber wie man oben vielleicht auch sieht ist es nicht 100-prozentig gutgegangen, da der Vater bei diesem Foto leicht nach vorn gekommen ist. Es ist halt noch so gerade im Rahmen.

Nachdem jedenfalls auf diese Weise die Belichtungswerte für das bestmögliche Erscheinungsbild der Lichterkette gefunden waren, kam der Blitz für die Beleuchtung der Familie hinzu. Dessen Leistung habe ich an die zuvor gefundenen Belichtungswerte der Kamera angepasst. Außerdem musste ich natürlich darauf achten, dass der Blitz nicht zu sehr in Richtung Hintergrund streut, denn sonst wird unter Umständen doch wieder das ganze Kabelgebaumel der Lichterkette sichtbar und nicht nur die einzelnen Lichtpunkte. Das wollt ihr nicht, denn dann habt ihr viel Arbeit in Photoshop gewonnen, um das ganze Gekabel mittels Retusche wieder verschwinden zu lassen. Schaut nochmal genau auf das Foto oben, das ich ja bewußt herausgesucht habe, um potenzielle Problemfelder zu illustrieren: Je nachdem, wie euer Monitor eingestellt ist könnt ihr die Kabelstränge vor dem schwarzen Hintergrund nämlich noch erkennen.

Dieses Problem ist jedenfalls der Grund dafür, dass das Licht im heutigen Beispielfoto ziemlich seitlich kommt. Wenn ich mich recht entsinne, hatte ich da eine relativ große Octabox am Start. Eine große Softbox war angebracht, weil ich ja ein bißchen Abstand zur Familie einhalten musste. Denn wenn ich das Licht sehr stark von einer Seite auf eine Personengruppe kommen lasse, brauche ich Abstand, damit der Helligkeitsabfall zwischen der am Nächsten zur Lichtquelle stehenden Person und der am weitesten von der Lichtquelle entfernten Person nicht zu groß wird. Es grüßt freundlich das quadratische Abstandsgesetz.

Nachdem im oben gezeigten Foto dann ja doch noch Kabelstränge sichtbar waren, habe ich der Softbox noch einen Wabeneinsatz verpasst. Dadurch blieb das Licht auf der Familie genauso weich wie zuvor, es streute jedoch noch weniger in Richtung Hintergrund, so dass ich danach mein Ziel erreichte, die Familie weich auszuleuchten, den Hintergrund aber dunkel zu lassen.

Rechts stand dann zur Aufhellung der Schattenseite ein großer Reflektor, und das war es dann auch schon.

Foto fertig, Familie happy, Blogpost erledigt.

Bis bald.
Und viel Spaß bei den Weihnachtsfotoshootings…