Dies ist die Fortsetzung von Teil 1, wo ich beleuchtet habe wie und unter welchen Umständen man es schon beim Fotografieren schaffen kann, Falten im Stoffhintergrund verschwinden zu lassen.
In diesem Teil geht es nun darum, im Foto sichtbare Falten eines Stoffhintergrundes per Bildbearbeitung zu eliminieren.

Auch dazu gibt es mehrere Tipps:

 

A) Wegschneiden

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber gerade in Sachen Familienfotografie mit Kindern lasse ich beim Fotografieren gerne ein bißchen „Rand“, nehme also ein bißchen mehr Raum auf, als meine Subjekte eigentlich bräuchten. Denn bei so einem Shooting geht es ja schon mal einigermaßen dynamisch zu, und durch die Zugabe an Bildwinkel bin ich gegen einen unbeabsichtigten Anschnitt von Personen gewappnet, sollte ich das Bild nachträglich ausrichten müssen o.ä..

Liegen die störenden Falten dann in einem entbehrlichen Bereich des Bildes, ist die simpelste und schnellste aller Methoden zu Falteneliminierung ein passender Bildschnitt.

Kommt leider nicht allzu oft zu Anwendung.

B) Leichtes Bügeln in Lightroom

Hinweis: Hierzu habe ich inzwischen auch ein Videotutorial aufgenommen, daß ihr hier ansehen könnt. Ihr dürft den Blogpost hier aber natürlich trotzdem erst zu Ende lesen… Sind die Falten nicht allzu tief oder z. B. wegen beginnender Unschärfe nicht mehr allzu kräftig, kommt eine Bearbeitung mittels des Korrekturpinsels in Lightroom in Frage. Der Korrekturpinsel wird dann auf negative Klarheit und ggfs. noch negative Schärfe gestellt, und los geht’s mit dem fröhlichen Falten wegpinseln. Wenn einmal drüber pinseln nicht reicht, einfach nochmal auf „neu“ klicken und mit den gleichen Einstellungen nochmal drüber gehen. So kann ich mit dem Pinsel gezielt einen immer stärker werdenden Weichzeichnungseffekt in die gewünschten Bildbereiche malen. Dabei natürlich darauf achten, dass ich nicht Haare oder Kleidung der Personen in Mitleidenschaft ziehe. Ich lasse mir dann immer mittels der Taste „o“ (wie „Overlay“) die Farbüberlagerung der Bereiche anzeigen, in denen sich der Pinselstrich auswirkt. Habe ich übergemalt, drücke ich die <ALT>-Taste und erhalte dann einen „Negativ-Pinsel“, mit dem ich Pinselstriche an unerwünschter Stelle wieder zurücknehmen kann.

Problematisch wird es vor allem an den Stellen, wo die Falten auf die Personen treffen. Die Automaskierung des Korrekturpinsels kann da helfen, wenn die Übergänge zwischen Person und Hintergrund einigermaßen glatt sind.

Es kommt natürlich auch darauf an, in welcher Größe das Bild nachher verwendet werden soll. Leichte Maskierungsfehler, die bei 100%-Ansicht sichtbar sind, werden auf einem 10x15cm Bild oder in Webgröße nicht auffallen. Geht es um richtige Großformate und genauestes Arbeiten, greife ich aber in der Regel zum nächstgrößeren Bügelbrett (siehe C).

C) kräftiges Bügeln in Photoshop

Hinweis: Hierzu habe ich inzwischen auch ein Videotutorial aufgenommen, das ihr hier ansehen könnt. Ihr dürft den Blogpost hier aber natürlich trotzdem erst zu Ende lesen…

Hier geht es ein bißchen ans Eingemachte.

Die Zusammenfassung ist: Die Personen und der Hintergrund werden auf verschiedene Ebenen gebracht, und der Hintergrund dann extrem weichgezeichnet. Ich arbeite hier übrigens mit Photoshop CS6.
Zunächst einmal dupliziere ich nach dem Öffnen des Bildes in Photoshop die Hintergrundebene mit <CMD><j> (bzw. <STRG><j> auf Windows-Rechnern). Dann kommen die folgenden Arbeitsschritte, die ich nachfolgend noch genauer erläutere:

C.1 Personen auswählen und auf eine eigene Ebene duplizieren

C.2 Personen aus der vorherigen Ebene ausschneiden

C.3 Schnittkanten von eventuellen Resten per Stempel säubern

C.4 Ebene mit großem Radius weichzeichnen oder Durchschnitt berechnen

C.5 Nachbearbeitung von Übergängen

C.6 Boden aus Hintergrundebene auf eigene Ebene duplizieren in Gesamtbild einblenden

C.7 FINISH

Im Einzelnen:

C.1 Personen auswählen und auf eine eigene Ebene duplizieren

Mit dem Schnellauswahlpinsel bei eingeschalteter automatischer Verbesserung der Auswahl male ich bei Vollbildansicht und großer Pinselspitze grob über die Personen im Bild, so dass diese vollständig innerhalb der Auswahlmarkierung liegen. Wo ich dabei übergemalt habe, korrigiere ich mit einem entsprechend kleineren Pinsel. Dazu fahre ich die Pinselgröße zurück, vergrößere die Bildansicht und schalte dann die Funktion des Auswahlpinsels per gedrückt gehaltener <ALT>-Taste von „zur Auswahl hinzufügen“ auf „von Auswahl abziehen“ um. Damit wird möglichst genau über die Bereiche gemalt, die zuviel ausgewählt wurden.
Bei Haaren oder Textilien mit feinen abstehenden Fasern bemühe ich dann noch die Funktion „Kanten verbessern“, indem ich mit dem dortigen Pinsel über die kritischen Bereiche fahre. In aller Regel ist die Auswahl für diese Zwecke dann völlig zufriedenstellend und vergleichsweise einfach.

Nach Fertigstellung der Auswahl werden die Personen auf eine neue Ebene dupliziert, indem ich einfach die Tastenkombination <CMD><j> bzw. <STRG><j> bemühe.

Im Ergebnis habe ich jetzt drei Ebenen: die Hintergrundebene mit dem vollständigen Bild, darüber eine weitere Ebene mit dem vollständigen Bild, und die oberste Ebene nur mit den Personen.

C.2 Personen aus der vorherigen Ebene ausschneiden

Mit dem Duplizieren der Personen in eine neue Ebene am Ende von C.1 ist leider auch meine Auswahl verschwunden. Wenn ich aber bei gedrückter <CMD> bzw. <STRG>-Taste in der Ebenenpalette die oberste Ebene anklicke, ist die Auswahl wieder da.

Bei aktivierter Auswahl klicke ich in der Ebenenpalette die mittlere Ebene an, denn hier möchte ich den Hintergrund bearbeiten.

Mit der Tastenkombination <CMD><x> bzw. <STRG><x> schneide ich in dieser Ebene die Personen aus.

C.3 Schnittkanten von eventuellen Resten per Stempel säubern

Ich blende die oberste Ebene und die Hintergrundebene aus, um zu überprüfen, ob das Ausschneiden der Personen in der mittleren Ebene irgendwelche markanten Spuren hinterlassen hat. Oft bleiben an den Schnittkanten Farbreste von Kleidung oder Haaren zurück.
Wenn diese sich kräftig vom übrigen Hintergrund abheben, werden sie grob(!) und zügig mit dem Stempel-Werkzeug entfernt, damit später keine Farbüberreste meinen Hintergrund kontaminieren.

Bei unauffälligen Kanten (z.B. blonde Haarreste vor hellen Hintergrund) kann man sich diesen Schritt auch getrost sparen! Das geht dann in der Weichzeichnung einfach unter.
Ob die Stempelei harte Übergänge in den Tonwerten des Hintergrundes hervorruft ist aufgrund der späteren Weichzeichnung dabei im Zweifel völlig egal, solange die grundsätzliche Farbe des HG bleibt. Da muss also nicht im Mikrometerbereich gearbeitet werden. Vollbildansicht, schnell mal über die Kanten mit Farbresten gestempelt und gut ist.

Im Ergebnis habe ich nun in der mittleren Ebene nur noch den Hintergrund.

C.4 Ebene mit großem Radius weichzeichnen oder Durchschnitt berechnen

Jetzt haben wir die Personen vom Hintergrund getrennt, so dass jetzt das eigentliche Bügeln kommen kann. Dafür wende ich je nachdem unterschiedliche Filter auf die mittlere Ebene an.

C.4.1 Gauß‘scher Weichzeichner

Eine Möglichkeit ist der Gauß’scher Weichzeichner mit großen Radius, da nehme ich meist so 500 Pixel. Sorgt für einen wunderbar weichen Verlauf der verschiedenen Tonwerte des Hintergrundes ineinander.
ABER: Je nachdem, wie groß der Tonwertumfang ist, den der originale Hintergrund aufwies kann es zu feinen, sichtbaren Tonwertstufungen kommen, die sich über den Hintergrund schlängeln.

Unter Umständen kann man dem mit nachträglich hinzugefügten, geringfügigen und monochromatischem Bildrauschen entgegen wirken, oft genug hilft das aber nach meiner Erfahrung nicht vollständig.

Deshalb gehe ich oft auch zur Methode C.4.2 über:

C.4.2 Durchschnitt berechnen

In den Weichzeichnungsfilteroptionen gibt es auch den Punkt „Durchschnitt berechnen“.
Wenn man den anwählt, wird über das ganzen Tonwert- und Farbspektrum der ausgewählten Ebene der Durchschnitt berechnet, und man erhält eine solide, einheitlich helle und einheitlich gefärbte Fläche.

Hier auch wieder ein wenig(! ich nehme oft nur 0.5 %) monochromatisches Bildrauschen hinzufügen, das führt gleich zu einem etwas natürlicherem Eindruck der bis dahin soliden Fläche.

Und um dem Hintergrund zusätzlich etwas „organischer“ wirken zu lassen, reduziere ich geringfügig die Deckkraft der weichgezeichneten Ebene, meist so auf 85% bis 90%. Das lässt dann einen ganz dezenten Anflug der unterschiedlichen Helligkeiten des ursprünglichen Hintergrundes wieder durchscheinen, und es sieht einfach natürlicher aus.

C.5 Nachbearbeitung von Übergängen

Insbesondere mit der Methode „Durchschnitt berechnen“ wird der Hintergrund in der Bildmitte etwas dunkler. Das liegt daran, dass dort oft noch Streulicht meines auf die Personen gerichteten Hauptlichtes ankommt, dass dann zu den Bildrändern hin nachlässt. Durch die grobe Weichzeichnung werden die Bildränder dann meist aufgehellt und die Bildmitte abgedunkelt.
Wenn ich nun die Personen aus meiner obersten Ebene wieder einblende, kann es je nach Güte der Auswahl zu einem helleren Saum um die Person herum kommen. Und deshalb wende ich noch mittels Einstellungsebene eine Tonwertkorrektur auf die Ebene mit meinem weichgezeichneten Hintergrund an, so dass sich die Tonwerte des Saums mit dem des Hintergrundes entsprechen, und der Saum folglich verschwindet.

Ist das ohne Erfolg – weil z. B. im ursprüngliche Bild sehr starke Helligkeitsunterschiede im Hintergrund vorhanden waren und eine generelle Tonwertkorrektur nicht ausreicht, füge ich der weichgezeichneten Ebene eine Ebenenmaske hinzu und gehe dort mit einem kleinen, weichen Pinsel mit geringer Deckkraft die Übergänge nach. Dadurch blende ich im Bereich der Übergänge mehr und mehr von der ursprünglichen Hintergrundebene ein. Im Gesamtbild werden die Übergänge so verbessert.

C.6 Boden aus Hintergrundebene auf eigene Ebene duplizieren in Gesamtbild einblenden

Die nächste Baustelle ist der „Boden“ – wenn denn einer im Bild ist, heißt das. Denn es sieht ziemlich merkwürdig aus, wenn die Personen statt auf einem Boden zu sitzen/hocken/stehen auf einmal schwerelos im Raum schweben.
Also mache ich in der ursprünglichen Hintergrundebene, in der ja das originale Bild noch erhalten ist, eine hinreichend große, rechteckige Auswahl des Bodens und dupliziere diese wiederum in eine eigene Ebene, die dann im Ebenenstapel zwischen die Ebenen mit dem weichgezeichneten Hintergrund und den Personen geschoben wird.

Diese Bodenebene bekommt dann eine Ebenenmaske verpasst und wird darüber mit dem Verlaufswerkzeug weich in den Hintergrund übergeblendet.

C.7 Finish

Zu guter Letzt werden alle Ebenen in eine neue Ebene vereint, und zwar mit der mega-Tastenkombination <CMD><ALT><SHIFT><e> (PC: <STRG><ALT><SHIFT><e>). Bei Verwendung der Methode mit dem Gauß‘schen Weichzeichner können möglicherweise noch Reste von Hintergrundfalten im Bild sein, die sich dann in der Regel super einfach wegstempeln lassen.

Ist man sich dann seiner Sache sicher, kann man auch alle Ebenen auf eine reduzieren und speichern. Das spart dann mächtig Festplattenkapazität.
Schon. Fertig.

Es liest sich jetzt aufwendiger, als es eigentlich ist. Hat man erst ein paarmal gemacht, ist das pro Bild eine 5 bis 10-Minuten-Sache.

Ein abschließender Hinweis:

Insbesondere am Anfang, wenn man vielleicht mit den Filtereinstellungen für die Weichzeichnung und das Bildrauschen noch etwas experimentieren möchte, würde ich noch empfehlen, die Filter als Smartfilter anzuwenden, damit man auch im Nachhinein die Filtereinstellungen immer noch anpassen kann. Dazu nach Auswahl der zu filternden Ebene einfach im Filter-Menü als erstes die Option „für Smartfilter konvertieren“ anklicken, und danach erst die Filter anwenden.

Das soll’s dann auch erstmal gewesen sein. Bis bald.