Warum eigentlich ein Homeshooting?

Wie ich in diesem Blog ja schon mehrfachst schrieb, unterhalte ich kein eigenes Fotostudio, sondern mache den Großteil meiner Shootings bei meinen Kunden zu Hause als sogenanntes Homeshooting. Alle Fotos oben über diesem Beitrag sind bei Homeshootings entstanden. Heute wollte ich mal ein paar Worte darüber verlieren, warum das für Dich – meiner Kundin/meinem Kunden – viele Vorteile hat.

Vorteil 1:

Du musst Dich nicht auf den Weg machen.

Das meine ich zunächst mal ganz buchstäblich: Du bleibst einfach gemütlich daheim, in Deiner gewohnten Umgebung, bei Deiner gewohnten Kaffeemaschine, Deinem Lieblingssessel, etc.. Für viele meiner Kunden – in 99,9 v.H. der Fälle sind das ja „Nicht-Modelle“ –  ist die gewohnte Umgebung ein ganz entscheidender Wohlfühl-Faktor. Denn Du begibst ja schon völlig absichtlich in eine absolut ungewohnte Situation, indem Du Dich zum „fotografiert-werden“ vor meine Kamera stellst. Da ist es gleich mal deutlich angenehmer, dies ‚wenigstens‘ in der gewohnten Umgebung zu tun. Zudem entfallen Anfahrtzeiten, entsprechender zeitlicher Vorlauf, Staugefahr, Parkplatzsuche und was eben noch so mit einer eigenen Anreise zusammenhängt.

Im Falle eines Familienshootings mit Babys und Kleinkindern musst Du Dir keine Gedanken machen, wie sich die ungewohnte Umgebung auf die Laune Deines Nachwuchses auswirkt. Vor allem entfällt die oft mit erheblichem Stress verbundene Notwendigkeit, den Nachwuchs zeitgerecht abgefrühstückt, angezogen und ins Auto gepackt zu haben.

Vorteil 2:

Du musst nicht packen und schleppen.

Die Frage des „Was ziehe ich denn an“ ist – je nach Art des Shootings sicherlich in unterschiedlicher Intensität – eine der größeren Herausforderungen, die Dich (bzw. uns) vor dem Shooting beschäftigen. Dazu gibt es von mir natürlich im Vorfeld auch immer ein paar hilfreiche Tipps, aber den Inhalt Deines Kleiderschranks kennst zunächst mal nur Du. Das bleibt auch bestehen und entfällt nicht dadurch, dass wir das Shooting bei Dir zu Hause machen. Der entscheidende Punkt ist nur: Du musst Deine Auswahl nicht im Vorfeld packen und schleppen. Du musst Dir keine Sorgen um die Knitterfreiheit der Kleidung machen. Vor allem aber bist Du beim Shooting nicht auf Deine Auswahl festgenagelt. Wenn wir bei Dir zu Hause fotografieren, ist es immer nur ein kurzer Weg zum Kleiderschrank, Schmucktresor oder dem Schuhlager.

Im Falle eines Familienshootings mit kleinen Kindern oder Babys musst du zudem nicht den ganzen Kram einpacken, der bei jeder noch so kleinen Fahrt mit den Kindern nötig ist. Kuschelsachen und Wickeltasche müssen nicht zusammengesucht werden. Und die Frage, wieviel Prozent der Spielzeugabteilung mitgenommen werde müssen, steht auch nicht zu Diskussion. Das nimmt für Dich eine ganze Menge Stress aus dem unmittelbaren zeitlichen Vorlauf des Shootings heraus.

Fazit der ersten beiden Punkte:

Packen, Schleppen, Anreisen und Parkplatzsuche sind bei einem Homeshooting allein meine Sache 🙂

Vorteil 3:

Die Fotos sind persönlicher.

Ganz oft nutze ich Elemente der jeweiligen Wohnung als Kulisse. Diese Kulisse hält sich zwar dezent im Hintergrund, drückt dem Foto aber eben doch den Stempel der Wohnlichkeit auf. Infolgedessen findest nicht nur Du Dich in meinen Fotos wieder, sondern auch Auszüge Deiner Behausung. Das verleiht den Fotos automatisch Individualität und Spuren von DEINEM Wohnstil. Die oft etwas sterile oder künstlich wirkende Studioatmosphäre passt ja nicht unbedingt zu jedem Foto und wird dadurch von vornherein vermieden.
Aber natürlich kann ich – wenn das denn gewünscht ist – mittels eines Hintergrundsystems auch bei einem Homeshooting in Deinem Refugium einen Studiolook erzeugen, also jeglichen individuellen, räumlichen Kontext ausblenden und dadurch eine neutrale Basis für die Fotos schaffen. Damit stehen uns bei einem Homeshooting alle Möglichkeiten offen; das Beste aus beiden Welten sozusagen.

Vorteil 4:

Die Pausenzeiten sind optimaler nutzbar.

Bei jedem Fotoshooting gibt es Pausen. Egal, ob gerade ein anderes Set aufgebaut werden muss, oder ob im Falle einer Familie oder Gruppe gerade Einzelporträts dran sind, und der Rest der Familie/Gruppe dementsprechend gerade ein wenig Auszeit hat: Bist Du in so einer Situation in einem Studio, stehen Dir in der Regel nur sehr begrenzte Möglichkeiten zur Entspannung und/oder Zerstreuung zur Verfügung. Zuhause ist das anders: Da kannst Du – was Deine Pausengestaltung angeht – aus dem Vollen schöpfen. Das fördert das Wohlbefinden und die Entspannung und trägt zum Gelingen des Shootings bei.

Um den Blick nochmal auf ein Familienshooting mit Kindern zu lenken: Die Kinder haben in den Pausenzeiten das volle Programm der gewohnten Beschäftigungsmöglichkeiten zur Verfügung. Mal eben eine Mahlzeit für das Baby zubereiten oder eine Runde stillen? Was „on Tour“ auch bei guter Vorbereitung oft suboptimal ist, wird auf einmal völlig unproblematisch. Das trägt in aller Regel deutlich zur Entspannung von Kindern und Eltern bei.

Vorteil 5:

Es ist mehr Flexibilität möglich

Vielleicht möchtest Du ja nicht nur Fotos von Dir, sondern auch zusätzlich mit einem Freund/einer Freundin. Oder mit der erweiterten Familie. Oder wem auch immer. Jedenfalls wäre das bei einem Homeshooting absolut kein Problem. Wir klopfen den Zeitrahmen des Shootings halbwegs fest, und Du sagst den Freundinnen/Freunden/Familienmitgliedern einfach, wann sie denn idealerweise mal vorbeikommen sollen. Und während mit einem Teil noch die letzten Fotos gemacht werden und ich dann das Fotozeug wieder aus Deinem Heim zusammensammle, kannst Du mit Freunden und/oder Familie schon den Grill anwerfen oder die Kaffeetafel richten, oder was auch immer ihr nach dem gemeinsamen Erlebnis eben so noch vorhabt. Auch das wäre bei Besuch eines Fotostudios umständlicher zu organisieren und vor allem wären die Übergänge von „Fotoshooting mit Freunden“ zu „Grillen mit Freunden“ (oder was auch immer) nicht so flüssig.

Du siehst, es spricht wirklich viel für ein Shooting bei Dir zu Hause. Und mach Dir keine Sorgen, ob Dein Haus/Deine Wohnung wohl für ein Shooting geeignet ist. Natürlich erfordern manche Fotos ein gewisses Maß an verfügbarem Raum: ein Gruppenfoto mit 25 Personen geht halt schlecht in einem 5-Quadratmeter-Raum. Aber im Prinzip gilt auch hier der Spruch „Platz ist in der kleinsten Hütte“.
Ich muss natürlich im Vorfeld so ungefähr wissen, worauf ich mich einlasse. Ab dann ist alles andere nur noch eine Sache der richtigen Planung.

Und falls Du Dich fragst, wie es denn überhaupt möglich sein soll, bei Dir zu Hause Fotos in „Studio-Qualität“ anzufertigen, habe ich eine ganz einfache Antwort für Dich:

Das Studio kommt zu Dir nach Hause. Mit allem, was dazugehört.  Ein ‚Fotostudio‘ an sich ist ja kein magischer Raum, der Grundvoraussetzung für gelungene Fotos ist. Ein Fotostudio ist halt einfach nur ein Raum, in dem ein gewisses Maß an fotografischem Equipment vorhanden ist, das von jemandem bedient wird, der damit auch etwas anzufangen weiß. Nicht mehr, und nicht weniger. Und das geht eben grundsätzlich in jedem Raum, auch in Deinem Wohnzimmer.

Und wenn Du noch mehr Lesen möchtest, habe ich hier mal ein paar Links zu weiteren Blogbeiträgen zusammengestellt, die im Zusammenhang mit Homeshootings stehen, und zwar:

> über ein ‚einfaches‘ Business-Porträt

> über ein minimalinvasives Familienshooting

> über ein Dessous-Shooting auf engstem Raum

Also dann: Bis bald, hier im Blog oder/und mit meinem portablen Fotostudio bei Dir zu Hause.

Blitzlicht und Kinderaugen – Ist das nicht schädlich?

Gelegentlich fragen mich Eltern bei der Vorbesprechung für ein Babyshooting, ob ich ihren kleinen Sonnenschein mit Blitzlicht fotografieren würde.
Hintergrund dieser Frage ist die Sorge, dass das Blitzlicht den Augen des Kindes schaden könnte.

Klar, jeder hat das schon mal erlebt: Unversehens wird man fotografiert, der Blitz (bzw. die LED-Leuchte des Mobiltelefons) flammt auf und es wird unangenehm hell in den Augen. Oft sogar begleitet von einem Blitzgeflacker unmittelbar vor dem eigentlichen Foto, weil diese Funktion zur automatischen Reduktion des „Rote-Augen-Effekts“ ja soooo praktisch und daher ständig aktiviert ist, oder dank Motiverkennung automatisch anspringt.

Ja, tatsächlich: Das ist unangenehm.

Und zwar vor allem deswegen, weil einem hierbei eine winzige aber leuchtstarke Punktlichtquelle direkt auf der Kameraachse mitten in die Pupillen leuchtet. Als Fotografierte(r) schaut man also unmittelbar in die Lichtquelle hinein.
Auf diesem allseits bekannten und als unangenehm empfundenen Erlebnis, gepaart mit der generellen Sorge um das Wohlergehen des Nachwuchses und gefördert von den auf solidem Halbwissen basierenden Internet-Ratschlägen, lieber doch vorsichtig zu sein, gedeiht die blitzlichtbezogene Sorge um das Augenlicht des Nachwuchses natürlich prächtig.

Es ist also einfach mal sehr gut nachvollziehbar, dass sich Eltern darum Gedanken machen.

Aber stimmt es denn nun, dass Blitzlicht für Kinderaugen ein Problem ist?

Ganz klare Antwort: Nein.

Denn erstens ist „unmittelbares Anblitzen“ absolut NICHT der Standard bei einem professionellen Fotoshooting.

Da wird das Blitzlicht meist über Schirme, Softboxen oder andere Lichtformer gestreut, so dass sich der oder die Fotografierte keinem extrem hellen Lichtpunkt gegenüber sieht, sondern eher einer großen, leuchtenden Fläche. Als Vergleich kann man sich den direkten Blick in die Sonne (= unangenehm helle Punktlichtquelle) gegenüber dem Blick auf eine leichte Wolkendecke (= gestreute, diffuse Lichtquelle) vorstellen. Das trifft es ganz gut.

Dazu kommt, dass das Licht meist nicht unmittelbar auf der Kameraachse – also tendenziell der Blickrichtung der/des Fotografierten – sitzt, so dass eine ganze Menge Licht gar nicht erst durch die Pupille ins Auge gelangt.

Und zweitens ist selbst ein direkter, unverstellter Blitz eines handelsüblichen Blitzgerätes zwar im Zweifel unangenehm (und wird deshalb von Profis eher vermieden), aber immer noch weit weg von gesundheitsschädlich.

In diesem Artikel der Internet-Aufklärer von mimikama – einer Seite übrigens, die jede(r) Internetnutzer(in) kennen sollte – kommt zu diesem Thema unter Anderem Dr. Arndt Gutzeit vom Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. zu Wort:

Blitzlicht ist ein sehr helles Licht und trifft, weil man es meist in der Dunkelheit gebraucht, auf Augen mit weiten Pupillen. Kinderpupillen sind weiter als Erwachsenenpupillen.

Es kommt also eine recht große Lichtmenge in die Augen des abzulichtenden Säuglings, da besteht kein Zweifel, aber nur für einen extrem kurzen Zeitraum. Die Pigmentschicht des Säuglingsauges ist weniger intensiv gefärbt, absorbiert also weniger Strahlen als die eines älteren Auges.

Die Dauer der Lichtexposition ist extrem kurz.

Diese beiden Faktoren limitieren die Gefährdung für die Säuglingsaugen.
Bei Augenoperationen, besonders, wenn die Netzhaut angegangen wird, muss man mit sehr grellem Licht arbeiten, welches der Helligkeit von Blitzlicht entspricht. Eine Operation dauert zwischen 30 und 90 Minuten. Einen Dauerschaden wegen zu langem und zu hellem Licht können wir nach solchen Operationen nicht beobachten, obwohl die Lichtmengen 1000fach größer sind als bei einer Blitzlichtaufnahme.

Kurze, blitzartige Lichtmengen können durchaus die Augen schädigen. Dann muss das Licht aber noch 100-500mal stärker sein als Blitzlicht. Dies ist der Fall bei Laserlicht. In der Augenheilkunde benutzen wir Laserlicht um punktförmige Verbrennungen an der Netzhaut zu erzeugen, die eine Heilwirkung haben. Die Energie des Laserlichtes ist 100 bis 500mal stärker als das Fotoblitzlicht.
Man hat viele und gute Erfahrungen, welche Lichtmengen notwendig sind, um eine Verbrennung an der Netzhaut zu erzeugen. Solche Lichtmengen werden von Blitzlichtgeräten nicht erzeugt. Sie können Ihren Säugling also mit ruhigem Gewissen auch mit Blitzlicht fotografieren.

Also, ganz klar: Entwarnung für das Augenlicht.

Kinder mit Blitzlicht zu fotografieren hat keinerlei gesundheitliche Folgen. Außer ein Blitzgerät fällt vom Stativ und einem Kind auf den Fuß. Das ist jetzt hier aber mal nicht das Thema.

Natürlich kann es dennoch vorkommen, dass ein Kind vom Blitzlicht irritiert wird oder den Blitz als unangenehm empfindet.
Das ist halt von Mensch zu Mensch ganz unterschiedlich. Aber dann wird der Blitz halt ausgeschaltet und mit Dauerlicht oder ganz einfach natürlichem Licht fotografiert. Der Grund dafür liegt dann jedoch ganz einfach darin, dass sich das Kind vor der Kamera möglichst wohl fühlen soll und nicht in einer potenziellen Gesundheitsgefahr.

Denn diese Gesundheitsgefahr gibt es nicht – allen Internetgerüchten zum Trotz.

Hast Du Fragen zu dem Thema? Oder einen anderen Standpunkt? Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse? Schreib mir! Das würde mich nämlich sehr interessieren.

ein ‚einfaches‘ Business-Portrait

Willkommen zurück.

Kürzlich war mein Freund und Fotobuddy Thorsten bei mir, weil er ein aktuelles Portrait brauchte. Und wie das dann so ist haben wir durchgeschaut, welchen Bildstil er denn gerne hätte, das entsprechende Setup aufgebaut und das Foto gemacht. Siehe oben.

Das eigentliche Shooting dauerte ganz genau 10 Minuten. Anhand der Metadaten der Fotos kann man das ja bestens nachvollziehen: Das erste „richtige“ Foto – sprich das erste Foto nach den letzten Finessen in Sachen Lichteinstellung – habe ich um 21:10 Uhr geschossen und das letzte um 21:19 Uhr.

Toll. Also bloß 10 Minuten für ein gutes Business-Portrait. 
Das ist mal Geschwindigkeit.

Jaaaa…….. ähm, ….. also: NEIN. Nicht ganz. Denn jetzt kommt mal die Rahmenhandlung dazu. Das allererste Kontrollfoto vom Lichteinrichten datiert auf 20:27 Uhr.

Rechenpause…… 

Genau. Macht unterm Strich 43 Minuten Lichtaufbau (Stative hinstellen, Blitze startklar machen und draufsetzen) und Lichteinrichtung (Blitze ausrichten, Leistung einstellen, kontrollieren)

Uups. Wie kommt das denn? Ist doch nur ein einfaches Portrait. Oder etwa nicht?

Eben: Etwa nicht.

Vielleicht hast Du es dem Foto schon angesehen, aber falls nicht: Hier sind vier Leuchten am Werk. Ein Hauptlicht von halb rechts, ein Aufhelllicht, ein Streiflicht von hinten links und ein Spot für den Helligkeitsverlauf auf dem Hintergrund. Und das musste auf relativ engem Raum aufgebaut und eingerichtet werden. Hier mal eine kleine Skizze zum Foto:


Nun muss ich zu meiner Ehrenrettung allerdings sagen, dass wir uns natürlich nicht gerade abgehetzt haben. Wir sind ja beide Fotofreaks und deshalb gehörte das Feilen am Lichtsetup auch mal ganz einfach zum geplanten Abendprogramm. Wir haben zum Beispiel viel Zeit auf den Spot für den Hintergrund verwendet. Da haben wir verschiedene Standorte des Blitzes ausprobiert und mit der Stärke der Wabe herumgespielt, einfach um mal zu sehen, die sich der Lichtspot auf dem Hintergrund verändert.

Bei konzentriertem Arbeiten würde so ein Setup inklusive Aufbau der Leuchten vermutlich in der Hälfte der Zeit stehen. In einem Studio mit a) Platz und b) griffbereit aufgebauten Leuchten geht es noch schneller.

Hier und heute geht es mir aber einfach mal um die visuelle Verdeutlichung meiner Worte aus meinem kürzlich erschienenen Blogpost hier „Mach Dir aber bloß nicht so viel Arbeit„. Darin hatte ich angedeutet, dass auch ein ‚einfaches‘ Portrait mitunter eben einen gewissen Mindestaufwand bedeutet. Jedenfalls dann, wenn man es „richtig“ machen möchte.

Und das hier ist ja so ein ‚einfaches‘ Portrait, dem ein fotografisch unbefangener Mitmensch den dahinter stehenden Aufwand wahrscheinlich nicht ansieht. Also: Quod erat demonstrandum.

Ich bin einfach nicht fotogen…

Als Fotograf im Privatkundenbereich kennst Du das sicher. Als die Person vor der Kamera mit nur sehr gelegentlichem Kontakt zur Fotografie unter Umständen auch. Nur eben aus unterschiedlichen Blickwinkeln:

Das Unwohlsein oder gar eine gewisse Angst, vor dem gläsernen Ende einer Kamera zu stehen.

Oft äußert sich das ja bloß in einer mehr oder weniger deutlichen Anspannung, die man dann als Fotograf zu überwinden sucht. Manchmal ist da aber mehr. So war das bei meinem Shooting mit dem Team von Entheos-Coaching in meinem Lieblings-Outdoor-Studio, dem Burgpark der Burg Linn. Das Team brauchte Fotos für die Website ihrer neu gegründeten Firma. Der Kontakt kam über eine Freundin aus Schulzeiten zustande, die Teil des Coaching-Teams ist. Diese stand ganz offen dazu, dass sie ein Problem damit hat, fotografiert zu werden. Sie fragte mich, was sie denn tun könne, um ihre „Fotophobie“ zu überwinden.

Das hier habe ich ihr dann im Zuge unseres E-Mail-Verkehrs vor dem Shooting geschrieben:

So, nun mal (…) ein paar Worte zum Thema „Unbehagen beim Fotografiert-werden“. Ohne, dass wir jetzt großartig mal darüber gesprochen hätten, warum Du glaubst(!), dass Du ein Problem damit hast, fotografiert zu werden (in Wirklichkeit hast Du da nämlich kein Problem, Du weißt das nur noch nicht…), hier mal ein paar Ansätze und Ideen:

„Ich bin einfach nicht fotogen“

Es gibt ja wirklich viele Leute, die glauben, sie wären nicht „fotogen“ oder sie würden generell auf Fotos nicht gut aussehen. Der Hintergrund dafür – und damit die Lösung – ist eigentlich ganz simpel: Die allermeisten Menschen sind noch nie „fotografiert“, sondern immer nur „geknipst“ worden. Deshalb kennen die Leute nur Schnappschüsse von sich selber – nach dem Motto „Schatz, guck doch mal“ – Klack. Und das am besten noch mit einem Weitwinkel aus 15cm Abstand und einem Blitz direkt auf der auf Kamera, frisch nach dem Aufstehen am Montagmorgen in den besten Schlabberklamotten. Das bei solchen Fotoüberfällen nie ein wirklich schmeichelhaftes Foto herauskommt, versteht sich quasi von selbst. Und selbst, wenn man sich sorgfältig gestylt hat – für eine Party zum Beispiel – und damit die Auswahl der Kleidung und die Augenringe des frühen Montagmorgen schon mal kein fotografisches Problem darstellen – kommen eben trotzdem meist nur Schnappschüsse ohne Rücksicht auf die Pose, Haltung, das Licht, die Brennweite etc. zustande.
Und wenn DAS dann der vorherrschende Eindruck ist, den man von sich selbst auf seinen Fotos hat, ist eine gewisses Unbehagen in Sachen Foto völlig verständlich.Die Lösung dafür ist grundsätzlich recht simpel und heißt ganz einfach: Wir lassen uns mit dem Foto ein bißchen Zeit.

  • Zeit für die eigene Vorbereitung in Sachen Kleidung und ggf. Makeup.
  • Zeit, eine geeignete Location aufzusuchen.
  • Zeit, das Licht zu formen und zu optimieren
  • Zeit für Dich zum „Warmwerden“, damit Du Dich ein bißchen an die Situation gewöhnen kannst
  • Zeit für mich, herauszufinden, was für Dich die optimale Haltung ist

Lässt man sich nämlich beim Fotografieren einfach mal ein bißchen Zeit und erarbeitet ein Foto – so wie wir das machen werden – kommen in aller Regel ganz andere Ergebnisse zustande, als man das von den diversen Schnappschüssen gewohnt ist.

Spieglein, Spiegeln…

Ein weiterer Aspekt, warum sich viele Leute auf Fotos „komisch“ vorkommen, ohne dass sie sagen könnten, woran das genau liegt, ist ganz banale Physik: Jeder Mensch kennt sein eigenes Gesicht nur aus dem Spiegel – und deshalb nur als seitenverkehrtes Spiegelbild! Ein Foto zeigt Dich aber stets so, wie der Rest der Welt Dich sieht und entspricht genau deswegen nicht der eigenen Wahrnehmung.
Da kann man ehrlicherweise nix dran machen, denn wenn man das Foto spiegelt, passt es zwar vielleicht besser zur eigenen Wahrnehmung, aber auf einmal findet der Rest der Welt das Foto unter Umständen etwas merkwürdig. Die einzige Hilfe ist, sich diesen Umstand mal vor Augen zu führen, wenn man mal wieder ein Foto von sich selbst sieht, auf dem „irgendetwas merkwürdig ist“.

Fokussierung auf die Kleinigkeiten

Und last but not least sieht man sich selbst viel zu häufig, als dass man bei der Beurteilung des eigenen Aussehens objektiv sein könnte. Das heißt, der Eindruck, den man von sich selber hat, ist nicht mehr vom objektiv vorhandenen, allgemeinen Gesamteindruck geprägt, sondern vielmehr von den paar Details, die einen selber an sich stören. Man macht sein Bild von sich selbst meist an irgendwelchen „störenden“ Kleinigkeiten fest, die unser Umfeld im Zweifel überhaupt gar nicht wahrnimmt oder völlig anders gewichtet.
Hierzu hat die Firma Dove mal ein nettes Video veröffentlicht, dass – unabhängig davon, ob das dort gezeigte Experiment nun tatsächlich so stattgefunden hat oder nicht – mal eine ziemlich eindeutige und wahre Nachricht transportiert.

Was ist zu tun?

Du hast mich gefragt, was Du tun könntest, um Deine „Fotophobie“ zu überwinden. Nun, das Wesentlichste tust Du schon: Du vertraust mir. Das ist schon mal eine geniale Grundvoraussetzung, denn Du weißt, dass da hinter diesem schwarzen Kasten jemand ist, der keinen Mist mit Deinen Fotos anstellt und der auf Dich acht gibt.Versuche bitte nicht mit aller Gewalt, auf den Punkt genau „entspannt zu sein“, das wird nicht funktionieren. Versuche eher entspannte Rahmenbedingungen für den Termin zu schaffen, damit Du nicht schon von allen möglichen anderen Einflüssen her völlig angenervt bist. Alles andere ist eine Frage der Zeit und Ruhe beim Shooting selber. Wir kriegen das schon hin!

Liebe Grüße,

Nach der Antwort auf diese E-Mail zu schließen hat das schon mal eine ganze Ecke weitergeholfen, die Perspektive auf das anstehende Fotoshooting zu korrigieren. Natürlich war es für meine Freundin immer noch mit Überwindung verbunden, tatsächlich vor die Kamera zu treten, aber am Ende hat sie es mit Bravour geschafft und wirkte dabei auch durchaus entspannt.

Ich habe sie dann nach dem Fotoshooting mal ein bißchen mit Fragen zu dem Thema behelligt. Ich wollte von ihr vor allem wissen, was ihr geholfen hat, sich vor die Kamera zu trauen. Daraufhin schrieb sie mir, dass ihr in allererster Linie das Wissen geholfen habe, dass sie mir vertrauen konnte. Und dass meine Anleitungen in Sachen Posing und Haltung dazu beigetragen hätten, das Vertrauen in meine Fähigkeiten als Fotograf zu stärken. Weiterhin sei hilfreich gewesen, dass wir mit einem Gruppenbild mit dem ganzen Entheos-Team angefangen hätten.

Am Ende war es also zu einem guten Teil die alte Verbundenheit aus Schulzeiten, die sie von vornherein mit einem guten Maß an Vertrauen in mich ausgestattet haben. Diese Startsituation hat man ja nun als Fotograf nicht immer, sondern dahin muss man im Zweifel erstmal im Zuge der ersten Kontaktaufnahmen kommen. Das allein wäre aber natürlich dann nicht ausreichend gewesen, wenn ich nicht beim Shooting selber sehr achtsam gewesen wäre, was und wie ich Ideen und Hinweise für das Posing kommuniziert habe. Am Ende ist das also keine Magie, sondern einfach nur ein bißchen Einfühlungsvermögen und das Bewußtsein, dass sich der Mensch vor der Kamera in einer sehr ungewohnten und verletzlichen Position befindet.

Im Prinzip bin ich damit also thematisch wieder bei diesem Blogpost hier, wo ich mich ein bißchen dazu ausgelassen hatte, wie wichtig die Verbindung zwischen dem Mensch vor und dem Mensch hinter der Kamera ist.

 

Ganz besonders gefreut hat mich ihre Antwort auf die folgende Frage, da hatte ich ehrlich gesagt, ein kleines Tränchen der Rührung im Auge:

 

Q.     Nach 2 Wochen hast Du die Fotos das erste Mal gesehen. Wie war Deine Reaktion?

 

A.      Erst war ich freudig gespannt. Als sie dann da waren hatte ich kurzen Anflug von Panik, ob ich wieder so vollkommen andere Bilder vor meinem geistigen Auge haben werde und: Was mache ich, wenn meine Bilder gruselig sind und sie aber auf die (Web-)Seite müssen? Nach dem Öffnen der Datei hab ich mich dann einfach nur noch gefreut!   Nicht nur über meine Bilder, auch über die Bilder der anderen und der Kinder. Ich habe alle Menschen darauf erkannt, also ich meine in Ihrer Energie und Ausstrahlung. Die Bilder sind „wahr“, so hat es sich angefühlt, das habe ich auch gesehen. Verstehst Du, was ich meine? Es geht mir dabei nicht um schön im Sinne der Schönheitsstandards. Ich kann visuell wahrnehmen, welche Energie die Menschen ausstrahlen, dass sie sich wohlfühlen, Spass haben und eine positive Stimmung herrscht.  Wobei ich grade denke, es muss gar nicht nur positiv sein, aber eben authentisch! Ja, ich denke, dass beschreibt es am besten. Das Gesicht und die Körperhaltung, passen zu dem was da aus den Augen kommt.

 

Mission erfolgreich, würde ich dazu mal sagen. Ein größeres Lob kann man wohl als Portrait-Fotograf nicht bekommen. Danke!So, das war jetzt irgendwie wieder ein ziemlich langer Blogpost. Ich hoffe er kann Dir (als Fotograf/in) eine Hilfe im Bekämpfen der Ängste und Sorgen Deiner Kunden sein. Und ich hoffe er kann Dir (als Kunde eines Fotografen) schon mal die eine oder andere Sorge erleichtern oder gar nehmen. Deine Erfahrungen in diesem Zusammenhang würden mich sehr interessieren. Schreib mir doch mal, wie Du (als Fotograf/in) erfolgreich einen Kunden mit Fotophobie ‚behandelt‘ hast. Oder wie Du (als Fotografierte(r)) gute oder schlechte Erfahrungen im Umgang mit Deinen Sorgen gemacht hast.

 

Bis bald!

„Ich hole dann mal die Handschellen…“

Also ehrlich. Wenn Fotografen und Models aufeinander treffen ergeben sich ja manchmal Situationen und Unterhaltungen, die, wenn man sie nachher Außenstehenden erzählt, unter Umständen leichte Sprachlosigkeit erzeugen und/oder gewisse Hintergedanken auslösen, während Model und Fotograf in der Situation selbst eigentlich nur völlig entspannt das nächste Foto im Sinn haben. Den als Überschrift dieses Blogposts dienenden Satz sprach unlängst Christin, ein Model aus Velbert, als sie im Zuge eines Boudoir-Shootings in reizende Wäsche gekleidet vor mir stand, und wir an den Punkt unseres Shootings angelangt waren, an dem ihre kleidsamen Handfesseln als ergänzendes Accessoire mit in die nächste Bildserie hinein sollten.

Dass die beim Shooting entstehenden Bilder ein gewisses Kopfkino erzeugen, war im konkreten Fall letztendlich der Sinn des Fotoshootings. Aber die Atmosphäre beim Shooting selber war eben ganz einfach nett-freundlich-professionell. So soll das ja auch sein. Und so war der eingangs zitierte Satz eben ganz einfach eine völlig unaufgeregte sachliche Information.

In der Rückschau fand ich diese Differenz zwischen der Bildwirkung einerseits und der Atmosphäre beim Shooting andererseits irgendwie total faszinierend.

Aber mal der Reihe nach:

Im Vorfeld war ich sehr gespannt auf das Shooting, denn es beinhaltete mehrere „Erstmaligkeiten“ für mich.

Erstens hatte ich bis dahin noch nie ein professionelles Model selber gebucht. Entweder hatte ich „normale Privatpersonen“ vor der Kamera, oder reine „Hobbymodelle“, also Leute, die wirklich nur sehr gelegentlich mal vor einer Kamera stehen.

Mit professionell arbeitenden Modellen war ich bisher immer nur im Rahmen von Workshops zusammengetroffen. Einfach mal auf das Jobangebot von Christin in einer Model-Börse hin ihren Stundensatz anzufragen und schließlich das Shooting zu vereinbaren, war durchaus von etwas Nervosität meinerseits begleitet. Denn sie modelt seit 11 Jahren und hat offenkundig eine ganze Menge Erfahrung und tolle Fotos angesammelt. Fast 500 (ausschließlich!) positive Shootingbewertungen sprachen da eine deutliche Sprache.
Würde ich da als Fotograf mithalten können? War ich ‚würdig‘?

Ein blöder Gedanke eigentlich, denn schließlich kann ich ja nun doch vorne und hinten bei meiner Kamera unterscheiden. Aber trotzdem kribbelte es etwas beim Abschicken der Nachricht in der Modelbörse.

Als zweiter Punkt war das Thema für mich neu. Den Bereich der Boudoirfotografie hatte ich bis dahin noch nicht wirklich betreten.
Da ich aber auch in diesem Bereich meine fotografischen Dienste anbieten wollte, brauchte in natürlich zwei Dinge: Erfahrung und werbewirksame Fotos. Und beides bekam ich, indem ich Christin für das Shooting buchte. Ich habe sie als Model dabei auch mit Bedacht ausgesucht. Aufgrund ihrer jahrelangen Erfahren würde sie vom Posing her ein ziemlicher Selbstläufer sein. Zweitens machte sie einfach einen sympathischen und netten Eindruck. Und drittens bot sie mit ihren Home-Shootings eine hervorragende und vielseitige Shootinglocation an. Und das alles zu einem vertretbaren Preis.

Schlußendlich war das von Beginn bis Ende ein absolut angenehmes Shooting. Es war einfach völlig entspannt. Beginnend beim Einstiegsschwätzchen zum Kaffee, über das Einstiegsportrait, die ersten leichter bekleideten Fotos bis hin zu den Fotos mit leichten Anleihen aus dem verspielten Fetisch-Bereich.

Stets war die Atmospäher locker, nett und professionell.
Und meine Grundannahmen bezüglich des Posing, des Umgangs und der Location wurden absolut bestätigt.

Aus meiner Sicht ein hervorragender Einstieg in diesen Themenbereich. Und eine Investition, die sich absolut gelohnt hat.

Unterm Strich kann ich zu der Differenz zwischen der Bildwirkung des fertigen Fotos und der Atmosphäre bei der Erstellung des Fotos nach dieser Erfahrung eigentlich festhalten: Ein Shooting ist ein Shooting, ein Mensch ist ein Mensch und Licht ist Licht. Und solange allen Beteiligten klar ist, was das Ziel des Shootings ist, ist es eigentlich völlig egal, ob man gerade ein Portrait oder ein sinnliches Boudoir-Foto schießt. Es geht am Ende doch immer „nur“ darum, den Menschen vor der Kamera bestmöglich in Szene zu setzen – wenn auch in durchaus unterschiedlicher Art und Weise.

Eigentlich ist das eine beruhigende Erkenntnis. Nicht nur für mich als Fotograf, sondern insbesondere auch für diejeinigen, die sich vielleicht mit dem Gedanken tragen, von sich selber sinnliche Fotos machen zu lassen. Oh, und nur für den Fall: Hier ist mein Kontaktformular 😉

In diesem Sinne: Bis bald.

Es weihnachtet sehr…

Es muss wohl auf Weihnachten angehen. Nicht nur, dass die Bahn sich nach dem alljährlich unerwarteten Herbstlaub auf den Schienen nun auch nicht auf den überraschenden Wintereinbruch vorbereitet (dieses Jahr noch mit ein paar Warnstreiks garniert), auch die Zahl der Anfragen nach Terminen für Familienfotos, die natürlich alle noch bis Weihnachten abgearbeitet sein sollen, steigt exponentiell an.

Erstmalig musste ich dieses Jahr Anfragen ablehnen und auf das nächste Jahr vertrösten, weil einfach kein Termin mehr möglich war.

Einerseits freut und ehrt es mich natürlich, dass die Nachfrage meine zugegebenermaßen bescheidenen Kapazitäten übersteigt. Andererseits ist es ein blödes Gefühl, nicht sagen zu können: „Klar doch, machen wir.“
Aber so ist das nunmal leider, wenn man die Fotografie als Hobby und Nebenberuf ausübt: Da bleiben eben nur die Wochenden, und dass die dann gerade vor Weihnachten mit allen möglichen Terminen beladen werden, ist einfach der Lauf der Dinge.
Da bleibt aus meiner Sicht nur der Appell, früher im Jahr einen Fototermin zu vereinbaren. Weihnachtliche Studiofotos kann man im Zweifel auch im Sommer machen. Wobei ich allerdings auch sehr gut verstehen kann, dass Familien mit kleinen Kindern die „Weihnachtskartenfotos“ nicht allzuweit ins Jahr vorverlegen wollen, denn gerade die kleineren Kinder verändern sich ja nun doch in einem durchaus rasanten Tempo.
In diesem Sinne meine Entschuldigung an alle, denen ich in diesem Jahr leider nicht weiterhelfen konnte. Meldet euch bitte frühzeitig im nächsten Jahr, dann seid ihr auf der sicheren Seite.  Ich freue mich auf unseren Fototermin im nächsten Jahr…

Minimalinvasives Familienshooting…

Moin zusammen.

Ich war kürzlich wieder einmal in Sachen Familienfotografie unterwegs, und hatte die Ehre ein paar Fotos für eine Familie mit einem Kindergartenkind und einem wenige Wochen alten Säugling zu machen. Wie (fast) immer fand das Shooting bei der Familie zu Hause statt. Das heißt: Fotostudio ins Auto packen, rüberfahren, und dann – ganz wichtig – erstmal umschauen, welche fotografischen Gelegenheiten sich denn vor Ort ergeben. Dann erst Sachen aus dem vollgepackten Auto holen, und zwar ganz gezielt nur die, die ich auch wirklich brauche.

Hintergrundsystem? Hab ich nicht gebraucht, weil die vorhandenen weißen Wände des Wohnzimmers mit den vorhandenen weißen, leicht transparenten Vorhängen einen schönen neutralen Hintergrund boten. Wir haben einfach nur den Wohnzimmertisch ein Stück beiseite gerückt, über eine Couch ein Stück meines weißen Moltons geworfen, und schon war in einem wirklich nicht gerade supergroßen Wohnzimmer eine ganz neutrale, unaufdringliche Foto-Location entstanden, die trotzdem noch wohnlichen Charakter hatte. Das mag ich gerade für Familienfotos sehr. Da ist mir nämlich die Neutralität eines Studiohintergrundes gerne auch mal ein bißchen zu steril. Und außerdem blieb mir der Kampf mit potenziellen Falten im Stoffhintergrund erspart.

Studioblitze? Habe ich auch nicht gebraucht. Alle Fotos, wo Blitz zum Einsatz kam, wurden mit einem einsamen Aufsteckblitz + großem Durchlichtschirm (120cm) erledigt. Die Komination lieferte mir bei 1/4-Leistung genug Power, um die vierköpfige Familie auf der Couch mit Blende 5.0 / ISO 800 zu fotografieren. Blende 5.0 gab mir bei den mittleren Brennweiten genug Schärfentiefe für die ganze Familie, und so ein Aufsteckblitzchen auf dem Stativ ist schon rein vom Gewicht her um Welten einfacher zu handhaben, als ein dicker Studioblitz. Vom fehlenden Stromkabelgewirr mal ganz zu schweigen.

Und ja, ich weiß: „Warum denn ISO 800 und den Blitz auf 1/4? Das wär doch auch mit ISO 200 und Blitz auf 1/1 gegangen.“ Stimmt. Wäre gegangen.

ABER außer für 200%-Pixel-Peeper sieht ISO 800 an einer aktuellen Kamera genau so gut aus, wie ISO 200, da mache ich mich bei meiner D800 nun wirklich absolut keine Gedanken. Durch die reduzierte Leistungsabgabe beim Blitz hatte ich aber eine erheblich schnellere Ladezeit bzw. Blitzfolgezeit, und DAS war mir dagegen wirklich wichtig. Gerade wenn Kinder mit im Spiel sind, können nämlich auch mal schnellere Fotosalven angebracht sein.

Das gibt dann z.B. Ergebnisse, wie das hier links. Schön offen und weich ausgeleuchtet von einem einzelnen Blitzchen. Und ein richtig echtes Familienfoto: Die kleine Maus knatscht etwas vor sich hin, und der ganze Rest der Familie schaut rüber und versucht sie aufzuheitern. Richtig aus dem wirklichen Leben und kein „Jetzt-schau-doch-mal-in-die-Kamera-und-lächel-mal-schön-Foto“. Gut, auch die braucht man natürlich, und die haben wir natürlich auch an diesem Tag fotografiert, aber ich finde SOLCHE Fotos hier, wo die Interaktion in der Familie auf dem Bild sichtbar wird, eigentlich viel schöner.

Ein Großteil der Fotos entstand sogar mal wieder ganz schlicht und ergreifend mit Fensterlicht. Wie das Foto hier, dass auch das Beitragsbild geworden ist:

Einfach die Mutter mit ihren beiden Kindern vor einem großen Fenster im langen Flur des Hauses platziert und mit 100mm Brennweite aus der Küche heraus fotografiert. Ich brauchte aufgrund der weißen Wand gegenüber vom Fenster (ca. 1m jenseits des rechten Bildrandes) nicht mal einen Aufheller für die Schattenseite. Und zur Aufhellung der Kinder reichte das weiße Oberteil der Mutter. Das Leben kann ja manchmal so einfach sein. Kein Kampf mit Blitzladezeiten, kein Kampf mit irgendwelchen Blitzsynchronzeiten, sondern einfach nur die Familie, eine Kamera und los geht’s.

Von genau dieser Stelle gibt’s dann auch noch einen weiteren, kleinen Lernpunkt mitzunehmen: Selbst kleine Änderungen des Blickwinkels vom Fotograf auf die Person können zu ganz krassen Unterschieden im Bildergebnis führen.

Schaut mal hier:

Im Bild links wird der Hintergrund vom Fensterrahmen und den weißen, transparenten Vorhängen gebildet.
Und dann bin ich einfach einen Schritt nach links gegangen, weshalb ich bei unveränderter Position der Mutter die Kamera leicht nach rechts geschwenkt habe. Folge: Fensterrahmen und Vorhänge bildeten nicht mehr den Hintergrund, sondern die Wände des unbeleuchteten Flures (siehe Bild oben rechts).
Ergebnis: Ein ganz anderes Bild mit nur einem Schritt nach links.

Also: Wenn ihr irgendwo „On Location“ seid, schaut euch genau um. Wo kommt Licht her? Was bieten sich für Möglichkeiten an? Wie könnt ihr den Aufbauaufwand und Materialeinsatz möglichst gering halten? Und wenn ihr dann fotografiert, ändert mal geringfügig euren Blickwinkel. Ihr könntet möglicherweise mit minimalstem Aufwand den Output einer Location verdoppeln.

Im Ergebnis hatte ich – wie immer –  für den Fall der Fälle alles (na gut, FAST alles), was das heimische Fotozeuchmateriallager her gab, ins Auto geladen aber nur einen Bruchteil davon wirklich gebraucht. So konnte ich an diesem Tag innerhalb von rund 3 Stunden ohne große Materialschlacht eine ziemliche Vielfalt an Fotos erstellen – ich habe in der Tat bloß ein (also: 1) Galgenstativ mit Aufsteckblitz, Funkauslöser und Schirm und natürlich meine Kamera mit 3 verschiedenen Objektiven benutzt. Hätte ich erstmal noch das Hintergrundsystem aufgebaut, hätten wir erstmal noch mehr Mobiliar aus dem Wohnzimmer räumen müssen, womöglich noch einen Blitz zur Aufhellung des Hintergrunds gebraucht, tendenziell aufgrund der räumlichen Verhältnisse noch Probleme mit der sauberen Trennung der Hintergundbeleuchtung von der Beleuchtung der Familie gehabt und so weiter…  Unterm Strich hätte mir auf jeden Fall deutlich weniger Zeit zum Fotografieren zur Verfügung gestanden.

So aber war es ein ziemlich minimalinvasives und auch dadurch erfolgreiches Shooting.
Bis bald.