von knitterfreien Stoffhintergründen – Teil 1

Ich hasse es, zu bügeln. Auch in Photoshop. Jedenfalls, wenn es bergeweise Wäsche Fotos betrifft.

Wovon ich spreche? Naja, Stoffhintergrund halt.

Neulich hatte ich ein Familienshooting, das – wie bei mir üblich – bei meinen Kunden im Wohnzimmer stattfand.
Und leider war dort nicht genug Platz verfügbar, um das Hintergrundsystem in voller Breite aufzubauen, damit ich meine Rolle Hintergrundkarton aufhängen konnte. Also wurde das Hintergrundsystem etwas reduziert aufgebaut, und der weiße Bühnen-Molton drangehängt.

Und damit hatte ich einen Hintergrund mit Knickfalten im Bild, was dann eben eine Bügelorgie in Photoshop nach sich zog.

Um den Punkt zu illustrieren, hier mal ein kleiner Bildvergleich – nicht vom letzten Shooting, aber vom gleichen Problem.

Folgende Frage möchte ich in diesem Blogpost beleuchten:

Was hatte ich vor Ort für Optionen, um die Falten im Hintergrundstoff verschwinden zu lassen?

A) Hintergrund per Blitz zum Ausbrennen bringen

Klar: Blitze auf den Hintergrund richten und den Hintergrund knapp überbelichten, so dass er keine Struktur mehr hat, sondern eine reinweiße Fläche bildet. Auf Fotodeutsch: Der Hintergrund ist ausgebrannt. (Nicht abgebrannt. Das ist was anderes. Dann sind die Falten zwar auch weg, aber im Zweifel nicht nur die.) Ergebnis: Keine Falten mehr im Bild sichtbar.

Das haben wir beim oben genannten Shooting auf ein paar Bildern auch gemacht, aber es sollte ja ein wenig Variation in der Helligkeit des Hintergrund sein. Außerdem bedingt dies einen gewissen Mindestabstand zwischen dem Hintergrund und den Fotosubjekten, damit die auf den Hintergrund gerichteten Blitze genug Platz für eine gleichmäßige Streuung haben und zudem die Personen kein direktes Blitzlicht von den Hintergrund-Blitzen abbekommen.

Das kann dann vor Ort je nach den räumlichen Verhältnissen schon mal eng werden. Hier war das so gerade eben noch möglich.

B) Falten im Hintergrundstoff durch offene Blende in Unschärfe versinken lassen

Auch eine gute Idee. Ich öffne einfach meine Blende, vorzugsweise bei langer Brennweite, und schon verringert sich meine Schärfentiefe dramatisch, so dass Falten im Hintergrund in Unschärfe untergehen. Dabei sollte man natürlich nicht vergessen, die Blitzleistung auf die geöffnete Blende anzupassen.

Habe ich bei dem ein oder anderen Einzelportrait auch gemacht, indem ich mit Brennweiten von an die 200mm und f/2.8 fotografiert habe. Sobald aber wieder Familienfotos angesagt waren, hatte ich zwei Dinge zu bedenken:

Die Raumtiefe reichte nicht mehr, um eine Personengruppe mit diesen längeren Brennweiten zu fotografieren und

die durch die offene Blende sehr geringe Schärfentiefe ist bei einer Personengruppe recht hinderlich. Da müsste man dann schon sehr penibel die Augen aller Fotobeteiligten in die gleiche Ebene bringen, was gerade bei einer Familie mit kleinen Kindern unter „unmöglich“ fällt.

C) Falten im Hintergrundstoff auch bei mittlerer Blende durch mehr Abstand der Personen zum Hintergrund in Unschärfe versinken lassen

Klaro: Auch wenn ich mit eher mittleren Brennweiten von 50 bis 70mm und gleichfalls mittleren Blendenwerten von 5.6 bis 8 fotografiere, kann ich (theoretisch) den Hintergrund unscharf werden lassen, indem ich den Abstand von der Personengruppe zum Hintergrund erhöhe. Und durch die mittleren Blendenwerte bei mittleren Brennweiten ist die Gefahr, dass mir einzelne Personen aus der Schärfeebene rausfallen, einigermaßen gering – wenn auch bei weitem nicht gebannt.

Rein praktisch gibt es hier aber wiederum zwei Probleme:

1. Die erforderliche Raumtiefe ist meist nicht vorhanden.

Damit der Hintergrund so unscharf wird, dass die Falten verschwinden, müsste der Abstand zwischen Personen und HG schon richtig groß werden. Ich habe hierzu noch keine Messreihe veranstaltet, aber ich schätze mal, dass mindestens 3-4 Meter, besser 5-6 Meter angebracht wären.
Dazu käme dann jetzt noch der Abstand, den ich von der Personengruppe haben müsste, um mit einer angemessenen Brennweite zu fotografieren.

2. Die Breite des Hintergrundes reicht nicht aus.

Je weiter ich die Personengruppe vom Hintergrund entferne, desto mehr Hintergrund erfasse ich bei gleicher Brennweite, sprich gleichem Bildwinkel. Da ist dann sehr schnell der Punkt erreicht, wo ein Hintergrundsystem einfach aufhört, und der Raum links und rechts des Hintergrundsystem mit ins Bild kommt. Gegensteuern könnte ich da nur mit einem engeren Bildwinkel, also längerer Brennweite, was wiederum bedeutet, dass mein Abstand zur Personengruppe steigen muss, was also nochmals höhere Anforderungen an die Raumtiefe stellt. Und die war ja eben schon am Ende der Fahnenstange angelangt. Gut, hätte es nicht in Strömen geregnet, hätte ich vielleicht noch von draußen durch ein Fenster ins Wohnzimmer hinein fotografieren können, aber irgendwo ist dann doch vielleicht mal Schluss…

D) Hintergrundstoff vor Verwendung bügeln

Kein Scherz, habe ich schon mal als ernsthaften Tipp gelesen. Und das ist natürlich auch unbestritten ein extrem wirkungsvoller Tipp. Aber da ich meinen HG-Stoff wohl kaum ungefaltet bis zu meinen Kunden bringen kann, und dort nicht wirklich erstmal eine Bügelorgie starten werde, ist das für mich keine wirklich anwendbare Methode.

Fassen wir mal zusammen:

Ja, es ist möglich, Falten im Stoffhintergrund beim Fotografieren verschwinden zu lassen, indem man den HG zum Ausbrennen bringt oder genügend Abstand zwischen das Fotosubjekt und den Hintergrund bringt. Letzteres erfordert dann aber im Falle eine Personengruppe nahezu ballsaalartige Raumverhältnisse und/oder einen unendlich breiten Hintergrund.

Unter normalen, häuslichen Verhältnissen ist dann eben am Ende doch „Bügeln“ in Photoshop angesagt.

Wie ich das mache, erzähle ich euch dann in Kürze in Teil 2 dieses Blogs.

Bis dahin.

Fotopraxis: Crosslight

Sommerabend, so richtig mit tiefstehender Sonne der Marke „ich-bin-gleich-mal-weg“, ein Freund, der den Assistenten mimt und den Blitz hält, und natürlich Desi, eine Freundin jenes Freundes, die gerne auch schon mal vor der Kamera steht.

Das wären dann auch schon die Zutaten für dieses eigentlich einfache, aber nette, sommerliche Foto.

Wir waren im Rheinhafen Krefeld an der alten Drehbrücke verabredet. Der Rhein, die Uerdinger Brücke und die Hafengebäude bildeten den Hintergrund und schon konnte es losgehen. Desi lehnte sich gemütlich – naja jedenfalls so gemütlich es halt ging – an das Geländer oben an der Brückenzufahrt und die Sonne zauberte ihr einen wunderbaren goldenen Schimmer und Lichtkanten ins Gesicht und an den Arm. Genau in der Verlängerung der Linie Sonne-Desi stand mein Freund +Thorsten Kleemann und hielt das Licht am Stiel. Das war genauer gesagt ein portabler Studioblitz, der DC-600 von Jinbei, den ich vor nicht allzu langer Zeit bei +Foto-Morgen GmbH gekauft hatte, und der sich hier excellent bewährte. Einfach durch einen Schirm geschossen und schon war das Kreuzlicht aus Sonne und Blitz fertig.

Worauf habe ich insbesondere geachtet? Neben der Balance der Lichtintensität von Sonnenlicht und Blitzlicht vor allem auf den Einschlagwinkel des Blitzes. Der durfte nicht zu weit nach vorne kommen. Schaut mal in Desi’s linke Gesichtshäflte. Seht ihr den Schatten zwischen dem schmalen Streifen goldenen Sonnenlichtes und dem Blitzlicht, das von rechts kommt? Wäre der Blitz zu weit herum gekommen in Richtung Fotograf, wäre der Schatten kleiner geworden oder gar ganz verschwunden.

Hätte ich gerne noch etwas anders gemacht? Naja, ich hätte gerne die Blende weiter zumachen können, damit die Uerdinger Brücke noch etwas mehr verschwimmt. Aber da war dann meine Blitzsynchronzeit davor. Meine ISO war schon im Keller, meine Belichtungszeit kürzestmöglich bei 1/250 sec. . Und da das Umgebungslicht hier ja einen erheblichen Anteil an der Belichtung ausmacht, musste ich meine Belichtung hierauf eben über die Blende einstellen.

Ja ich weiß: Graufilter. Lag zu Hause. Davon ab habe ich aber eh‘ nur einen 1.000er-Graufilter, also 10 Blenden Abdunklung; das wäre dann vielleicht doch etwas zuviel des Guten gewesen. Vielleicht sollte ich mal einen leichteren Filter auf meine ewige Foto-Wunschliste setzen….

Bis bald.

Fotopraxis: Vater und Kind

Die kleine Tabea mit ihren Eltern hatte ich vor nicht allzu langer Zeit im Studio zu Gast. Und wenn ich klein schreibe, meine ich auch klein. Sie war da gerade mal wenige Wochen alt.

Wer sich mit diesen kleinen Menschen auskennt weiß, dass sie in dieser Zeit noch Schwierigkeiten haben, ihren Kopf selber zu halten. Der ist ganz einfach zu schwer für die Halsmuskulatur der Babys. Da ist für das Kind zur Stärkung der Muskeln noch etwas Bodybuilding angesagt. Typischerweise können Babys ihren Kopf dann so ab einem Alter von  ca. 3 Monaten selber halten. Bis dahin muss der Kopf von demjenigen, der das Kind hält, gestützt werden.

Wie also habe ich diese Aufnahme gemacht, in der der Vater das Kind senkrecht hochzuhalten scheint, ohne dass seine Hand das Köpfchen stützt?

Ganz einfach: Das Kind wurde gar nicht hochgehalten. Es lag. Und zwar auf den Beinen der Mutter, die auf dem Boden hockte. Der Vater hockte ebenfalls auf dem Boden und hatte dann die geringfügig anstrengende Aufgabe, sich über sein liegendes Kind zu beugen. Die Kamerahaltung wurde der Lage des Kindes angepasst, den Bildschnitt so gesetzt, dass Beine der Mutter nicht mit im Bild sind, et voilà: Fertig ist das Bild.

Dabei sollte man sich dann natürlich im Interesse des Vaters etwas beeilen, denn wer sich als Normalbürger hinkniet und so vorbeugt, ohne sich wirklich abstützen zu können, der kriegt nach kürzester Zeit prächtig „Rücken“. Also: Mutter und Kind platzieren (die beiden haben es ja einigermaßen gemütlich), Kamera und Licht einstellen, dann erst den Vater zum Vorbeugen animieren und in Sekundenschnelle ein paar Bilder machen.

Stichwort „Licht einstellen“: Wie man sieht, kommt hier das einzige Licht vom Hintergrund, einem weißen Standard-Papierhintergrund, der per Blitz zum Ausbrennen gebracht wurde. Kein Frontlicht auf dem Motiv, nicht mal ein Reflektor. Das einzige Licht auf dem Motiv kommt von der Reflektion des Hintergrundes nach vorne, auch der Studio-Raum hat nur geringfügig reflektiert, weshalb die beiden nach vorne hin nicht völlig schwarz wurden. Hätte das gedroht, wäre ein Reflektor von vorn zum Einsatz gekommen, damit ich die Tonwerte unter Kontrolle gehabt hätte.

Bis bald.