Wie Du vielleicht weißt, mache ich den Großteil meiner Shootings bei meinen Kunden zu Hause, insbesondere, was den Bereich „Kinder und Familie“ angeht. Und so war ich neulich wieder im Haus von Kunden, bei denen die Geburt des ersten Kindes kurz bevorstand, um den Babybauch meiner Auftraggeberin Steffi zu fotografieren.
Wie immer schaute ich mich im Haus einmal um, um die besten Fotospots des Hauses auszumachen.

Sozusagen obligatorisch war ja erst einmal das Foto im künftigen Kinderzimmer am noch leeren Babybettchen.

Gleich beim Betreten des Hauses war mir aber auch der Flur/Eingangsbereich aufgefallen. Dort war nämlich eine Wand mit dunklen, schmalen Schiefersteinen verklinkert, die unterschiedlich dick waren und folglich unterschiedlich weit von der Wand vorstanden. Ein hervorragender Fotohintergrund, siehe rechts. Durch die nahegelegene Haustüranlage mit reichlich Glaseinsatz kam einiges vom restlichem Tageslicht, obwohl wir den Fototermin auf den Abend gelegt hatten.

Wie das oft so ist war es auch in diesem Hausflur ein bißchen eng. Aber glücklicherweise lag das Gäste-WC genau gegenüber der Foto-Location. Also: Türe auf und rein mit dem Fotografen. Und weil der Abend ja schon etwas fortgeschritten war, bis wir an dieser Location Fotos machten, war nicht mehr so wahnsinnig viel Tageslicht über. Deshalb habe ich die WC-Tür dann erstmal ganz aufgemacht (Pos. 1 in der Skizze), um
möglichst viel Tageslicht auf die Fotolocation fallen zu lassen.

Dann kam Steffi hinzu.
Sie stand direkt vor der Wand, und natürlich wollte ich sie im Profil fotografieren. Da wirkt so ein Babybauch schließlich am Besten. Ich hatte also die werdende Mutter im Profil vor einem klasse Hintergrund stehen und mit halbwegs reichlichem, vor allem aber schön weichem Licht von rechts ausgeleuchtet. „Halbwegs reichlich“, weil ich für eine gerade noch akzeptable Belichtungszeit von 1/60 sec. bei Blende 1.8  auf ISO 1250 gehen musste.

Aber was sah ich nach dem ersten Foto in diesem „Profil-Setup“?

Ich hatte zuviel Licht! Oder besser gesagt: Ich hatte Licht, wo ich es nicht haben wollte.
Das durch dieTür fallende Licht legte sich nämlich wie ein Tuch um Steffi herum und leuchtete nicht nur ihr Profil aus, sondern auch ihre mir zugewandte Seite. Eigentlich ganz logisch, denn die Haustüre mit dem nebenstehenden bodentiefen Fenster war ja schließlich eine riesige Lichtquelle von ca. 2 x 1,5 Meter. Zudem waren die Wand gegenüber der Fotolocation und die komplett aufgeklappte WC-Tür weiß und so wurde das durch die Tür einfallende Licht sozusagen von der Fotografenposition aus in das Foto hinein reflektiert. Und das ergab dann halt nicht nur frontales Licht auf Steffi (von meiner Position aus gesehen also 90° von rechts kommend), sondern auch sehr viel Licht auf ihrer mir zugewandten Seite. Folglich gab es keine richtige Schattenbildung auf ihrer Wange und ihrem Bauch. Und Schatten brauche ich ja nunmal, um Formen so richtig sichtbar zu machen. So war Steffi einfach viel zu „flach“ ausgeleuchtet – siehe das linke Bild im Fotovergleich weiter unten.

Ich musste also das Licht blocken, das auf Steffi’s mir zugewandte Seite fiel.Nun hätte ich dafür verschiedene Optionen im Gepäck gehabt. Zum Beispiel hätte ich einen Sunbouncer mit einer lichtundurchlässigen Bespannung aufstellen oder ein Stück meines schwarzen Moltons auf ein Galgenstativ hängen können. Alles sinnvolle und zielgerichtete Möglichkeiten, die aber eines gemeinsam hatten: Ich hätte noch ein paar Stücke Equipment aufbauen müssen, was wiederum Zeit gekostet hätte. Und die ging – ebenso wie das restliche Tageslicht – allmählich zur Neige.

Warum also kompliziert, wenn es auch ganz einfach geht?

So eine Zimmertür ist nämlich auch eine wunderbare Lichtbremse. Also habe ich einfach die WC-Tür aus ihrer „ganz auf-Position“ soweit herumgeholt, dass sie im 90°-Winkel in den Flur hineinstand und dadurch genau den unerwünschten Teil des Lichtes blockierte (Pos. 2 in der Skizze). Übrig blieb dann – um bei den Lichtformern zu bleiben – im Prinzip ein Striplight, also eine schmales aber hohe Lichtfenster, das frontal auf Steffi gerichtet war und keine Chance hatte, unerwünschtes Streulicht zu produzieren.

Et voilá: Wunderbare Schattenbildung, eine schöne Tiefe und Dimension im Bild. Und das Ganze ohne irgendein Stück Foto-Equipment. Manchmal ist das Leben doch einfach.

Hier mal der Vorher-Nachher-Vergleich:

Ich denke, es ist einigermaßen offensichtlich, dass der Lichteinfall im Foto zu Rechten deutlich besser Steffi’s wunderbare Schwangerschaftsfigur betont und zudem noch ihre vorteilhaften Gesichtszüge zur Geltung bringt.

Was dabei allerdings auch geholfen hat siehst Du auf dem Vergleichsfotos: Steffi ist auf dem zweiten Foto leicht zur Kameraposition hin eingedreht. Das hilft der Schattenbildung zusätzlich auf die Sprünge. Und falls Du Dich über die Lichtkante links an ihrem Arm bzw. Rücken wunderst: Das war das Licht vom links gelegenen Treppenhaus.

Also: Egal ist, WIE Du es machst, dass das Licht nur dahin gelangt, wo es hingehört. Wichtig ist, DASS Du Dir darüber Gedanken machst und im Zweifel die jeweils einfachste und unkomplizierteste Mehtode nimmst, um Dein Ziel zu erreichen.

Vielen Dank für Dein Interesse. Über Teilen, Liken und andere Verbreitung des Blogs freue ich mich immer sehr. — Bis  bald.