Gelegentlich fragen mich Eltern bei der Vorbesprechung für ein Babyshooting, ob ich ihren kleinen Sonnenschein mit Blitzlicht fotografieren würde.
Hintergrund dieser Frage ist die Sorge, dass das Blitzlicht den Augen des Kindes schaden könnte.

Klar, jeder hat das schon mal erlebt: Unversehens wird man fotografiert, der Blitz (bzw. die LED-Leuchte des Mobiltelefons) flammt auf und es wird unangenehm hell in den Augen. Oft sogar begleitet von einem Blitzgeflacker unmittelbar vor dem eigentlichen Foto, weil diese Funktion zur automatischen Reduktion des „Rote-Augen-Effekts“ ja soooo praktisch und daher ständig aktiviert ist, oder dank Motiverkennung automatisch anspringt.

Ja, tatsächlich: Das ist unangenehm.

Und zwar vor allem deswegen, weil einem hierbei eine winzige aber leuchtstarke Punktlichtquelle direkt auf der Kameraachse mitten in die Pupillen leuchtet. Als Fotografierte(r) schaut man also unmittelbar in die Lichtquelle hinein.
Auf diesem allseits bekannten und als unangenehm empfundenen Erlebnis, gepaart mit der generellen Sorge um das Wohlergehen des Nachwuchses und gefördert von den auf solidem Halbwissen basierenden Internet-Ratschlägen, lieber doch vorsichtig zu sein, gedeiht die blitzlichtbezogene Sorge um das Augenlicht des Nachwuchses natürlich prächtig.

Es ist also einfach mal sehr gut nachvollziehbar, dass sich Eltern darum Gedanken machen.

Aber stimmt es denn nun, dass Blitzlicht für Kinderaugen ein Problem ist?

Ganz klare Antwort: Nein.

Denn erstens ist „unmittelbares Anblitzen“ absolut NICHT der Standard bei einem professionellen Fotoshooting.

Da wird das Blitzlicht meist über Schirme, Softboxen oder andere Lichtformer gestreut, so dass sich der oder die Fotografierte keinem extrem hellen Lichtpunkt gegenüber sieht, sondern eher einer großen, leuchtenden Fläche. Als Vergleich kann man sich den direkten Blick in die Sonne (= unangenehm helle Punktlichtquelle) gegenüber dem Blick auf eine leichte Wolkendecke (= gestreute, diffuse Lichtquelle) vorstellen. Das trifft es ganz gut.

Dazu kommt, dass das Licht meist nicht unmittelbar auf der Kameraachse – also tendenziell der Blickrichtung der/des Fotografierten – sitzt, so dass eine ganze Menge Licht gar nicht erst durch die Pupille ins Auge gelangt.

Und zweitens ist selbst ein direkter, unverstellter Blitz eines handelsüblichen Blitzgerätes zwar im Zweifel unangenehm (und wird deshalb von Profis eher vermieden), aber immer noch weit weg von gesundheitsschädlich.

In diesem Artikel der Internet-Aufklärer von mimikama – einer Seite übrigens, die jede(r) Internetnutzer(in) kennen sollte – kommt zu diesem Thema unter Anderem Dr. Arndt Gutzeit vom Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. zu Wort:

Blitzlicht ist ein sehr helles Licht und trifft, weil man es meist in der Dunkelheit gebraucht, auf Augen mit weiten Pupillen. Kinderpupillen sind weiter als Erwachsenenpupillen.

Es kommt also eine recht große Lichtmenge in die Augen des abzulichtenden Säuglings, da besteht kein Zweifel, aber nur für einen extrem kurzen Zeitraum. Die Pigmentschicht des Säuglingsauges ist weniger intensiv gefärbt, absorbiert also weniger Strahlen als die eines älteren Auges.

Die Dauer der Lichtexposition ist extrem kurz.

Diese beiden Faktoren limitieren die Gefährdung für die Säuglingsaugen.
Bei Augenoperationen, besonders, wenn die Netzhaut angegangen wird, muss man mit sehr grellem Licht arbeiten, welches der Helligkeit von Blitzlicht entspricht. Eine Operation dauert zwischen 30 und 90 Minuten. Einen Dauerschaden wegen zu langem und zu hellem Licht können wir nach solchen Operationen nicht beobachten, obwohl die Lichtmengen 1000fach größer sind als bei einer Blitzlichtaufnahme.

Kurze, blitzartige Lichtmengen können durchaus die Augen schädigen. Dann muss das Licht aber noch 100-500mal stärker sein als Blitzlicht. Dies ist der Fall bei Laserlicht. In der Augenheilkunde benutzen wir Laserlicht um punktförmige Verbrennungen an der Netzhaut zu erzeugen, die eine Heilwirkung haben. Die Energie des Laserlichtes ist 100 bis 500mal stärker als das Fotoblitzlicht.
Man hat viele und gute Erfahrungen, welche Lichtmengen notwendig sind, um eine Verbrennung an der Netzhaut zu erzeugen. Solche Lichtmengen werden von Blitzlichtgeräten nicht erzeugt. Sie können Ihren Säugling also mit ruhigem Gewissen auch mit Blitzlicht fotografieren.

Also, ganz klar: Entwarnung für das Augenlicht.

Kinder mit Blitzlicht zu fotografieren hat keinerlei gesundheitliche Folgen. Außer ein Blitzgerät fällt vom Stativ und einem Kind auf den Fuß. Das ist jetzt hier aber mal nicht das Thema.

Natürlich kann es dennoch vorkommen, dass ein Kind vom Blitzlicht irritiert wird oder den Blitz als unangenehm empfindet.
Das ist halt von Mensch zu Mensch ganz unterschiedlich. Aber dann wird der Blitz halt ausgeschaltet und mit Dauerlicht oder ganz einfach natürlichem Licht fotografiert. Der Grund dafür liegt dann jedoch ganz einfach darin, dass sich das Kind vor der Kamera möglichst wohl fühlen soll und nicht in einer potenziellen Gesundheitsgefahr.

Denn diese Gesundheitsgefahr gibt es nicht – allen Internetgerüchten zum Trotz.

Hast Du Fragen zu dem Thema? Oder einen anderen Standpunkt? Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse? Schreib mir! Das würde mich nämlich sehr interessieren.